Amazon und die Autorin

Mein Blog wird unsanft mit einem brutalen Thema aus dem Schlaf gerüttelt. Mit Monopolstellungen und Zahlen. Sagt man als Autorin, wenn es in einem Shop nicht gut läuft? Ich weiß es nicht, aber: Warum eigentlich nicht? Ich bin eine Freundin von Austausch und Erfahrungsberichten und deswegen:

Mein Jahr auf Amazon und Tolino inkl. feschem Tortendiagramm.

Man kann über Amazon eine Menge sagen. Es ist kein Traumunternehmen, es reißt Märkte an sich und dort zu arbeiten stelle ich mir beschränkt lustig vor. Für mich als Indie-Autorin kommt dann das große ABER: Ohne Amazon gäbe es Selfpublishing in dieser Form nicht. Sie haben den Indie-AutorInnen den Weg geebnet, sie diskrimieren nicht: Egal ob Groß-, Klein- oder Selbstverlag, alle Bücher werden gleichberechtigt präsentiert. Die LeserInnen entscheiden, was sie wollen und in den Amazoncharts finden sich nicht wenige Indie-Titel.

So weit, so naja. Denn das Problem von Platzhirschen ist, dass sie von heute auf morgen die Regeln ändern können. Amazon hat quasi über Nacht  Prime Reading eingeführt und die Indie-Szene hat erstmal kollektiv zum Riechsalz gegriffen. Die Gemüter haben sich nur langsam beruhigt, denn es hat wieder eines vor Augen geführt: Wenn ich mit meinen Büchern bei einem einzigen Anbieter bin und dieser die Regeln ändert, kann ich als AutorIn sehr schnell weg vom Fenster sein.

Wenn Amazon beschließt, statt 70% nur noch 30% auszuschütten, können sich die AutorInnen entweder beugen oder gehen. Nur: Wohin? Kein anderer Shop bietet aktuell auch nur annähernd vergleichbare Sichtbarkeit. Amazon hat schlicht keine ernstzunehmende Konkurrenz.

Als ich im Mai 2017 Unstern veröffentlicht habe (ja, es ist ein Amazonlink :p), wollte ich diese Abhängigkeit eben nicht. Also stellte ich das Buch auch auf Tolino. Und wartete. Und nichts passierte. Tolino machte Werbung. Ein kurzes Aufleben – was bei einem Verkauf von praktisch 0 nicht schwer ist – und dann wieder nichts.

Das soll kein Tolino-Bashing sein. Die Leute, mit denen ich geschrieben habe, waren alle sehr nett und ich weiß von Kollegen, bei denen Tolino super läuft und Amazon dafür  nicht und habe Gerüchte gehört, dass sich bei manchen die Verkäufe fast 50-50 auf die Plattformen aufteilen.

Bei mir sieht es nach guten 8 Monaten allerdings so aus:

Theoretisch bin ich nicht von Amazon abhängig, denn ich bin ja bei Tolino. Praktisch gehe ich genauso baden wie der Rest der Amazon-only AutorInnen, wenn Amazon die Regeln zu unserem Nachteil ändert. Denn Unstern verkauft sich brav. Aber nur auf Amazon.

Eine theoretische Absicherung hilft mir leider nicht und nach einigem Grübeln und Gesprächen mit Freunden und Autorengruppen, habe ich nun eine Entscheidung getroffen.

Im Jänner werde ich Unstern in KindleUnlimited* geben und den zweiten Teil, wenn er dann erscheint, auch.

Ob Dark Fantasy mit genau 0 Romantik dort läuft? Ich habe keine Ahnung. Aber ich werde es herausfinden – und berichten. Vielleicht breche ich den Versuch nach den drei Monaten ab und kehre zu Tolino zurück. Vielleicht schießen meine Zahlen bei Tolino, Weltbild und Co in den nächsten zwei Wochen dermaßen in die Höhe, das es Wahnsinn wäre von dort wegzugehen. Wahrscheinlich aber nicht. Und deswegen beginnt für mich im neuen Jahr das Experiment Dark Fantasy und KU.

Meine Tolino-LeserInnen: Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich das machen soll, da ich immer noch die Hoffnung/Illusion habe, dass es sich bei Tolino einfach nur um ein Geduldsspiel handelt. Ich will niemanden ausschließen und verstehe gut, wenn jemand nicht bei Amazon kaufen will. Aber – und das ist die grausame Realität – meine Designerin und meine Lektorin werden sich nicht ewig von mir mit Palatschinken bezahlen lassen. Vermutlich, weil sie die schlecht an Vermieter und Stromlieferanten weitergeben können. Und deswegen muss ich fürs Erste den aktuellen Zahlen folgen. Und die führen nun einmal zu Amazon.

*Kindle Unlimited ist ein Leseabo für Kindle. Die AutorInnen, die dort dabei sind, dürfen ihre ebooks nur für Kindle anbieten. Print ist allerdings nicht auf Amazon gebunden.

Liked it? Take a second to support KatrinIls on Patreon!

6 thoughts on “Amazon und die Autorin

    • KatrinIls says:

      Danke! Und entschuldigung – das hätte ich echt im Post erklären sollen. KU steht für KindleUnlimited, eine Art “Leseabo” für Kindle, wo die AutorInnen sich dazu verpflichten, ihr ebook nur für Kindle anzubieten.

  1. Christiane Köppl says:

    Von mir auch ein Dankeschön. Deine Infos sind für mich wichtig und erhellend. Ich veröffentliche auch auf Amazon, noch relativ neu und warte darauf, daß die Zahlen stündlich nach oben schießen 😉
    Ich wünsch dir viel Erfolg und ein sehr kreatives neues Jahr.

    • KatrinIls says:

      Ich freue mich, wenn es dir weitergeholfen hat. Wie gesagt, das sind nur meine Erfahrungen bis jetzt. Es kann bei jedem ein anderes Vorgehen sinnvoll sein.

  2. S.P. Pepper says:

    Liebe Katrin,

    ich kann deine Entscheidung sehr gut nachvollziehen. Ich habe aus den gleichen Gründen wie du mein Buch auch bei Tolino angeboten, wo es sich praktisch nicht verkauft. Durch die schlechtere Sichtbarkeit bei Amazon (da man ja keine Ausleihen mehr hat) rutscht das Buch auch da ins Nirvana. Ich werde daher in nächster Zeit das Buch bei Tolino rausnehmen. Es tut mir in der Seele weh, weil ich mein Buch eigentlich gerne jedem zugänglich machen will, aber wenn es dann am Ende sowieso keiner findet, bringt es auch nichts.

    Ganz liebe Grüße und viel Erfolg für dein Buch
    Steffi

    • KatrinIls says:

      Liebe Steffi,

      hast du das Buch mittlerweile herausgenommen? ich drücke dir fest die Daumen, dass es in KU gut für dich läuft. Ich habe ja auch lange gehadert, aber im Endeffekt: Dadurch, dass man auf Tolino und Co quasi unsichtbar ist, entgehen einem leider auch nicht die vielen Leser, die mit tolino lesen . *seufz*
      Dir auch noch ganz viel Erfolg mit deinen Büchern!

Leave a Reply