Musen sind Zicken

Heute ist so ein Tag, wo meine Muse einfach nicht will. Oder ehrlicher: Wir wollen beide nicht.

Irgendwie scheint das umzugehen: Eine Schreibfreundin kämpft damit, Alexa Coletta von Geteiltes Blut hat einen Beitrag geschrieben, wie sie zu mehr Inspiration kommt und Christian Cölln kämpft aus ganz anderen, ernsteren Gründen mit seiner Muse.

Manchmal eben nicht.

Manchmal eben nicht.

Musen können halt Zicken sein.

Dann gibt es auch Oglaf-Musen. Den Comic will ich euch nicht vorenthalten. Wer sich durch ihre anderen Comics klicken will, sei gewarnt: NSFW! Also gar nicht. Aber, weg von den Penisen, hin zu den Musen:

Es gibt Tage, da geht es einfach zäh. Und dann gibt es Tage, da geht es überhaupt nicht. Dann tiger ich durch die Wohnung (leider immer zum Kühlschrank *seufz*), marschier mit meiner Schokolade zum Laptop, steh wieder auf (neue Schokolade), geh zum Fenster, seh hinaus, wieder zum Laptop – es ist frustrierender als es sich anhört.

Katrin Ils Muse

Heut red’ ich nicht mit dir. Iss Schokolade und lass mich in Ruh’.

Was ich in so einer Situation mache (nachdem ich ewig aus dem Fenster geschaut, drei Kilo Schokolade gegessen und mich geärgert habe):

1. Ich schreibe. Grauenhafte Szenen, von denen ich weiß, dass ich sie löschen werde. Aber manchmal kommt der Appetit eben beim Essen. Das ist der Idealfall.

2. Ich suche nach Inspiration: Musik (bei mir bekommt jedes Projekt eine Playlist), Bilder, Zitate, die ich mir zu dem Projekt notiert habe etc. Das klappt manchmal. Manchmal bleib ich auf YouTube hängen.

3. Ich schaue Serien. Das klingt vermutlich bescheuert, aber gerade wenn ich eine Serie liebe, bin ich nach einer aufwühlenden Folge dermaßen voll Energie, dass ich schreiben muss. Jetzt. Auch was mit Tränen und Blut und Emotionen und überhaupt!

4. Ich klappe den Laptop zu und geh mit meiner Muse auf ein Eis. Morgen ist auch noch ein Tag.

Mit der Schreibdisziplin ist es eben so eine Sache. Braucht man eine? Ja, natürlich. Wie Stephen King so schön gesagt hat: “Amateurs sit and wait for inspiration, the rest of us just get up and go to work.”

Aber wenn es so überhaupt nicht geht, wenn ich vor einer Wand stehe, dann schreibe ich auch einmal einen Tag nicht. Oder eine Woche. Oder, wenn ich ehrlich bin, auch einmal zwei. Spätestens dann juckt es mich wieder in den Fingern und ich muss schreiben.

Wie handhabt ihr das? Schreibt ihr, egal was kommt? Und wie findet ihr eure Inspiration, wenn eure Muse euch einmal hängen lässt?

Vom Schreiben und Neu-Schreiben

Wer schreibt, der überarbeitet. Oft stehen mehrere Überarbeitungsrunden an, bevor aus der Rohfassung ein Text wird, den man mit gutem Gewissen in die Welt entlassen kann.

Ich liebe ja die Rohfassung, den “shitty first draft“. Dort entdecke ich die Geschichte, spiel herum und tobe mich auf allen Ebenen aus, wohlwissend, das einige der geschriebenen Szenen nie jemand zu Gesicht bekommen wird.

Gerade dieses Wissen gibt einem eine unheimliche Freiheit: Die Freiheit, auszuprobieren und zu entdecken. Man kann eine grottenschlechte Szene mit ruhigem Gewissen in die Tastatur klopfen – es ist ja nur die Rohfassung und sobald die dämliche Szene einmal in den PC geprügelt wurde, kann man sie auch verbessern.

Credit Drew Coffman CC

Credit Drew Coffman CC

Überhaupt hilft mir das Mantra “Es ist ja nur die Rohfassung” dabei, an schlechten Tagen den Computer nicht aus dem Fenster zu werfen.

Auf die Rohfassung folgt bei mir die erste Überarbeitung und diese Erstfassung geht an die erste Runde Beta-Leser. Dann die nächste Überarbeitung, die  – je nach Textproblemen – auch länger dauern kann. Dann kommt die Lektorin und die Überarbeitung geht in die nächste Runde/n.

Und irgendwo dazwischen findet man dann auch die Lösung für Probleme, der Charakter C hört endlich auf den Namen zu wechseln und die dämliche Szene entpuppt sich als Geniestreich.

Wer schreibt, der überarbeitet und das Überarbeiten, das Polieren und Feilen am Text, macht wieder ganz anders Spaß und Freude wie das Schreiben an der Rohfassung. Und es weckt auch ganz andere Aggressionslevel, denn irgendwann ist mit dem “das wird so eh niemand lesen” Schluss. Es gibt Szenen, die in mir den Drang auslösen, erst einmal meine Wohnung grundzureinigen und die Wäsche vom Nachbarn zu bügeln, bevor ich mich das Dokument auch nur öffne.

Ich habe allerdings das Glück, dass die Kommentare meiner Beta-LeserInnen und meiner Lektorin sehr unterhaltsam sind.

zitat1

Zitat2

Bei meinen eigenen Kommentaren steht oft Rätselraten an – was genau hab ich mit Mehr Info! und Genauer! noch gleich gemeint? (Da muss ich mich echt bessern, aber das schwör ich mir seit mind. 5 Jahren…)

Und etwas, dass ich mir wirklich noch bewusster machen muss:

Irgendwann muss man loslassen. Nicht noch einmal durch den Text gehen, aufhören an der Szene herumzupolieren oder am Dialog herumzufeilen. Ich lerne beim Überarbeiten meiner Texte viel, aber man kann einen Text auch zu Tode bearbeiten. Irgendwann ist’s gut. Dann wird es Zeit für die nächste Rohfassung.

Wie geht es euch mit der Rohfassung und dem Überarbeiten und Neuschreiben? Liebe? Hass? Hass-Liebe?