Rebellen: NaNoWriMo

November ist NaNoWriMo-Monat und wir sind auf der Zielgeraden: Noch eine knappe Woche und es ist geschafft. Oder zumindest einmal vorbei. ­čśë

Wer noch nichts davon geh├Ârt hat: Das Ziel ist es im November (dem National Novel Writing Month) 50.000 W├Ârter eines neuen Romanes zu schreiben.

Der Sinn? Schreibroutine aufbauen. Endlich die Geschichte in die Tastatur klopfen, die einem schon ewig im Kopf herumspukt, aber f├╝r die man nie Zeit hat. Keine Zeit? Gibt es nicht. Im November setzt sich die ganze Welt an den PC und schreibt.

Ziel ist also eine Rohfassung einer neuen Geschichte zu schreiben.

day-835237_640Aber nicht alle schreiben an einem Roman.

Unter den NaNoWriMo-lern finden sich Sachbuchschreiber genauso wie Leute, die die 50.000 W├Ârter mit Kurzgeschichten, Fanfiction oder Blogbeitr├Ągen erreichen wollen. Oder mit allem zusammen.

Andere arbeiten an Drehb├╝chern, Biographien und Gedichten. Manche schreiben ihr zehntes Buch, manche ihr erstes.

Manche schreiben gar nicht, sondern stellen sich der 30 Cover, 30 Days Challenge, wo im November 30 Cover zu gerade entstehenden NaNo-Geschichten designed werden. Oder sie zeichnen Comics. Oder oder oder – der November ist geballte Kreativit├Ąt und die Energie hat etwas ansteckendes.

Deswegen habe ich mich ja auch daf├╝r entschieden, trotz meines chaotischen Novembers mitzumachen. Allerdings nicht mit dem Ziel 50.000 W├Ârter zu schreiben. Und auch nicht mit dem Ziel, einen neuen Roman anzufangen.

Wenn du NaNoWriMo nicht richtig machen kannst, wieso machst du es dann? h├Âr ich entr├╝stete Puristen fragen.

Einfach: Rebellin.

(Zumindest war ich das letztes Jahr noch, seit diesem Jahr “darf” man ganz offiziell an alten Projekten weiterarbeiten. Weil Rebellin aber cool klingt, halt ich an dem Titel fest. So.)

Unbenannt

Das gro├čartige am November ist eben, dass man die Schreibenergie, die im ganzen Internet verspr├╝ht wird, auch daf├╝r Nutzen kann, wieder Schwung in alte Projekte zu bringen. Oder, wie ich, um ein Projekt endlich abzuschlie├čen. N├Ąmlich den zweiten Band meiner Novellenserie. Das ist ein (erreichtes. yay!) Teilziel meines NaNo. Die anderen: Den dritten plotten und anfangen zu schreiben.

Und bis jetzt l├Ąuft es gut! Der zweite Band ist fertig, der dritte angefangen und grob geplottet – wie immer eben bei mir ­čśë

Man sieht es zwar nicht an meinem Wordcount, aber dieses NaNoWriMo l├Ąuft wirklich gut ­čÖé

Wie geht es euch wackeren NaNoWriMo-Mitstreitern? Sind Rebellen unter euch?

Sprache und Fantasy

In diesem Beitrag geht es nicht um das Entwickeln eigener Sprachen, sondern um das Verwenden der eigenen Sprache und deren Fallstricke. Allen, die jetzt entt├Ąuscht sind, m├Âchte ich hiermit Evanescas gro├čartige Reihe ├╝ber Conlang ans Herz legen.

Sprache ist immer auch ein Abbild der Gesellschaft, voller historischer und (pop)kultureller Verweise. Im ├Âsterreichischen Deutsch etwa finden sich sprachliche Spuren der vielsprachigen Monarchie (Jause, Kutsche, Beuschl) genauso wie des Jiddischen (jemanden abzocken, Bammel haben, betucht sein) und des Christentums – vor allem beim Fluchen (jemanden zum Teufel schicken, Verdammt!, Kruzifix noch einmal!).

Fantasy SpracheWie geht man mit solchen Spuren der eigenen Sprache jetzt beim Schreiben eines Fantasyroman um? (Ich bin mir sicher SciFi hat ├Ąhnliche Probleme, Urban Fantasy hat es vielleicht leichter?)

D├╝rfen meine Charaktere eine Jause* einpacken und sich ├╝ber die Exekutive aufregen? Oder ist das “zu wenig Fantasy”, wirft es einen aus der Welt und der Geschichte? Und wenn ja, wieso? Muss ich ein anderes Wort f├╝r Jause erfinden, damit es “mehr Fantasy” ist?

├ťber kulturelle Sachen l├Ąsst sich dann schon einfacher entscheiden.

Wenn es in der Kultur, in der die Geschichte spielt, keinen Teufel gibt, wirkt es etwas eigenartig, wenn Charaktere mit “Was zum Teufel hat das zu bedeuten?” ein Gespr├Ąch er├Âffnen.

Um Religionen lassen sich noch am einfachsten eigene Begriffe finden, und Charaktere sagen dann eben “Was bei Glums goldenem Kinnhaar hat das zu bedeuten?” oder so ├Ąhnlich. Die Leser verstehen, worum es geht.

Redewendungen werden schon wieder schwieriger. Und was man als AutorIn mit Lehnw├Ârtern?

Vor ein paar Tagen tippte ich einen Satz, der ungef├Ąhr so ging: “Du bist ja auch sein Protege!” Ich suchte nach dem Akzent auf meiner Tastatur und hielt dann inne. Akzent? Dann hab ich erst mal eine halbe Stunde auf einem Bleistift gekaut und nachgedacht. Passt das Wort Protege in diese Welt? Wenn nein, was ist dann mit Labyrinth oder Debakel, die ich beide einen Absatz weiter oben verwendet hatte?

In einer Forumsdiskussion, die ich vor Jahren verfolgt habe und nat├╝rlich nicht mehr finde, hat ein Forumsmitglied Fantasy Sprachegeschrieben, dass Fantasy ja als ├ťbersetzung gesehen werden kann. Die Figuren der Fantasywelt sprechen und handeln in einer Sprache, die vom Autor dann sozusagen ├╝bersetzt niedergeschrieben wird. Insofern d├╝rfe man zu Reis auch Reis sagen und brauche daf├╝r kein neues Wort.

Ich fand den Gedanken spannend, aber manche Ausdr├╝cke w├╝rden mich als Leserin pers├Ânlich aus der Welt rei├čen. Welche das sind, ist aber wohl sehr subjektiv. Ich stolper zum Beispiel ├╝ber Debakel, aber nicht ├╝ber Fiasko.

Dass in einer Welt ohne Christentum niemand zu Kreuze kriecht, f├Ąllt einem als AutorIn sp├Ątestens beim ersten ├ťberarbeiten auf. Dann sind da aber noch die subtileren Sachen: “Gib mir eine Sekunde!” “Das war letztes Jahr.” Aha, in der Welt gibt es also Jahre. Und Sekunden auch. Wie werden die gemessen? Wieviel Monate hat ein Jahr? Gibt es denn Monate? Und schon ist man mit Worldbuilding-Fragen konfrontiert, die man sich so vielleicht noch nicht ├╝berlegt hat.

Als Autorin gehe ich das Ganze sehr gemischt an. Wenn es in meiner Welt Ziegen gibt, nenn ich sie auch so und suche nicht verzweifelt nach einem anderen Wort. Ich habe mich gegen Protege entschieden, aber f├╝r Labyrinth. Sekunden gibt es in meiner Welt ebensowenig wie Minuten, Herzschl├Ąge/Momente/Augenblicke sind zum Gl├╝ck unverf├Ąnglicher. Ich versuche, Redewendungen und Fl├╝che zu finden, die in die Welt passen, in dem ich mir ├╝berlege, was wichtig ist.

Welche G├Âtter/Wesen werden verehrt oder gef├╝rchtet?

Welche Staatsform/historische Figuren/Gesellschaftssysteme haben sie?

Wie schaut es mit (giftigen) Pflanzen oder Tieren aus?

Und das nat├╝rlich m├Âglichst auf eine Art, dass der/die LeserIn nicht mittendrin das Buch senkt und sich denkt: WTF? Wovon reden die? Wer ist Glum und was ist mit seinen Kinnhaaren los?

Wie siehst du das als LeserIn und/oder AutorIn? Wonach streichst du Worte aus deinen Texten? Was rei├čt dich beim Lesen aus der Buchwelt?

*Jause = Brotzeit und ein “Snack” zum Mitnehmen.

Zeit zum Schreiben

Zeit zum Schreiben ist etwas, von dem man nie genug haben kann.

Es ist etwas, was man selten findet und sich deswegen meistens nehmen muss: Hier ein paar Minuten, da vielleicht sogar mehrere Stunden. Denn neben Arbeit und Arztterminen gibt es da auch noch Partner, Kinder und Haustiere, die bespa├čt werden wollen und ein Sozialleben m├Âchte man dann doch auch haben.

Zeit zum Schreiben

Der gr├Â├čte Fehler, wenn es um das Schreiben und die Zeit daf├╝r geht, ist der, den ich lange Zeit gemacht habe: “Ach, ich hab nur noch 10 Minuten, da zahlt sich das Anfangen doch gar nicht aus.”

Falsch gedacht. Es ist erstaunlich, was man in zehn Minuten so alles tippen kann. Mein erstes NaNoWriMo 2011, wo ich W├Ârter in Zehn-Minuten-Pausen hektischer Arbeitstage quetschen musste, hat mir damit eine wertvolle Lektion erteilt: Wenn ich am Abend nur 500 W├Ârter geschrieben hatte, waren das immerhin 500 W├Ârter mehr, als ich sonst geschrieben h├Ątte.

Ich war lange der ├ťberzeugung, dass ich einfach mehr Zeit brauche, um meine B├╝cher zu schreiben. Ich habe davon getr├Ąumt, ein Jahr nicht zu arbeiten und stattdessen nur zu schreiben. Als ich dann tats├Ąchlich einmal drei Monate Zeit gehabt h├Ątte, habe ich vielleicht f├╝nf S├Ątze geschrieben und endlich eingesehen, dass – zumindest bei mir – dieser Satz 100 Prozent zutrifft:

“Wenn du nicht schreibst, wenn du keine Zeit hast, wirst du es auch nicht tun, wenn du Zeit hast.” Katerina Stoykova Klemer

Paradoxerweise bin ich um so produktiver, je mehr ich anderweitig zu tun habe. Ich habe einen ganzen Tag Zeit zum Schreiben? Oh, wie sch├Ân. Erst einmal ausschlafen. Und dann Tee machen. Ein bisschen aus dem Fenster schauen. Ein bisschen auf YouTube, so zum Einstimmen. ├ľhm – wo ist der Tag hin?

Aber ich habe nur eine Stunde, dann bin ich den Rest des Tages au├čer Haus? Schon rasen meine Finger ├╝ber die Tasten.

Dass ich so gerne herumtr├Âdel, wenn ich einmal einen Tag zum Schreiben h├Ątte, ist nat├╝rlich etwas, an dem ich arbeite. Aber ich habe aufgeh├Ârt, Projekte in die ferne Zukunft zu verschieben, “wo ich dann mal Zeit habe”.

Die ber├╝hmte Schreibroutine (jeden Tag in der Fr├╝h etc.) ist als starre Form in meinem Alltag nur schwer m├Âglich, einfach, weil meine Arbeitstage von Woche zu Woche anders ausschauen k├Ânnen.

Doch bevor man sich ├╝berhaupt an das “Anerziehen” einer Schreibroutine macht, ist es wichtig erst einmal herauszufinden, wie man ├╝berhaupt tickt:

  • Wann schreibst du am liebsten? Bist du ein Morgen- oder Nachtmensch?

Zeit zum SchreibenManche Leute stehen mitten in der Nacht auf, um vor der Arbeit (und dem Erwachen der Familie) noch ein paar Seiten zu tippen. Andere bleiben bis in die Puppen auf, um sich den Traum vom Schreiben zu erf├╝llen.

Wie ist es bei dir? Wann k├Ânntest du dir am besten Zeit nehmen? Und wie beeinflusst das deinen Tag und dich?

Ich, zum Beispiel, bin bis neun in der Fr├╝h unbrauchbar. Und wenn ich um f├╝nf in der Fr├╝h aufstehe, bin ich den Rest des Tages unbrauchbar. Klar k├Ânnte ich mit dem Morgengrauen aufstehen. Aber f├╝r mich ist es besser, wenn ich bis 2 Uhr nachts schreibe.

  • Wo schreibst du gerne? Zuhause, Kaffeehaus…

Schreiben ZeitManche Leute brauchen absolute Stille, um zu arbeiten. Andere Musik. Wieder andere schw├Âren auf zwei Schreibtische (einen zum Schreiben, den anderen zum Korrigieren). Manche gehen ins Kaffeehaus und anderen ist es v├Âllig egal, solange sie Kaffee haben.

Wie ist das bei dir? Brauchst du Ruhe oder deine Playlist zum Buch? Dein Arbeitseck oder gesch├Ąftiges Treiben?

Ich schreibe gerne zuhause, aber das Kaffeehaus ist meine Wunderwaffe.

Wenn ich merke, dass ich daheim nur prokrastiniere, zwinge ich mich aus dem Haus. Was an diesen Tagen in meinen eigenen vier W├Ąnden nicht klappt, geht im Kaffeehaus auf einmal problemlos.

Und das Wichtigste:

  • Wann machst du mit Sicherheit nichts?

Zeit zum SchreibenIch wei├č zum Beispiel, dass ich von meinem Sofa nur sehr schwer noch einmal hochkomme, wenn ich nach der Arbeit erst einmal darauf sitze. Also versuche ich, mein Schreiben vor der Arbeit zu erledigen. Wenn das nicht gegangen ist, fahr ich nach der Arbeit nicht direkt nach Hause, sondern ins Kaffeehaus und schreibe dort ein bisschen, bevor ich dann aufs verdiente Sofa falle.

Wann sind deine Nichts-geht-Zeiten? Nach der Arbeit/dem Sport? Wenn du hungrig bist? In der Nacht?

Finde heraus, was du brauchst. Wann und wo du am besten arbeitest, wie du dir in deinen Tagen Platz zum Schreiben schaffen kannst. Versuche, dir Zeit zu deinen Lieblingsstunden zu nehmen.

Und dann finde einen Weg, Kompromisse einzugehen. Denn die perfekten Schreibkonditionen sind wie die rosa Drachen: Nicht existent.

Deswegen: Schreib! Auch wenn du nur zehn Minuten hast, auch wenn du es hasst, im Zug zu arbeiten, auch wenn die Kinder gerade die Wohnzimmerwand anmalen oder die Schwiegermutter in drei Minuten an der T├╝r l├Ąuten wird.

Du wirst dich wundern, was du in zehn Minuten schaffst. Der mitlesende Sitznachbar ist dein Beta-Leser und kreative Entfaltung ist f├╝r Kinder wichtig. Mit den Millionen des Bestsellers kann man dann den Maler bezahlen und die Schwiegermutter vers├Âhnt sich dann auch.

Wie ist es mit eurer Zeit zum Schreiben? Wann und wie nehmt ihr sie euch?