Was man als AutorIn so lernt (Teil 1)

Als AutorIn lernt man ja eine Menge. Man lernt, besser zu schreiben und Charaktere vielschichtiger anzulegen. Man lernt einen Klappentext zu schreiben, Welten zu bauen und Titel zu finden. Und bei der Recherche baut man sein Wissen weiter aus, angefangen bei geruchslosen Giften bis zur Herrenhutmode von 1800.

Aber als AutorIn lernt man auch viel, womit man nicht gerechnet hat. Sachen, die auf den ersten Blick nicht viel mit dem Schreiben zu tun haben und die man ( = ich) auch gar nicht lernen wollte.

Drei von diesen Dingen sind:

Geduld

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Sei es der langwierige Prozess, denn ein Text vom Manuskript zu einer Verlagsveröffentlichung geht oder die ungeplanten Plotänderungen, die den Zeitplan um Wochen verschieben: Ohne Geduld (und Schokolade) reibt man sich nur auf.

Damit ist nicht nur Geduld mit Sachen gemeint, auf die du als AutorIn keinen Einfluss hast, wie eben das Tempo des Verlags oder den Terminplan deines Lektors, der dieses Monat leider schon völlig ausgebucht ist. Sondern auch Geduld mit dir selber.

Denn egal wie fett die Deadline im Kalender steht, manchmal läuf es eben nicht nach (Termin)Plan. Sei es, weil man sich über- oder den Arbeitsaufwand unterschätzt hat oder  die Idee eben noch nicht ausgereift ist, egal wie ungeduldig man auf den Kalender tippt.

Manchmal kommt auch einfach das Leben dazwischen, ob als Familiendrama, Überstunden oder als unfeiner Magenvirus – Pläne müssen neu geschmiedet und Deadlines verschoben werden.

Also tief durchatmen, ein Om murmeln und eine Runde spazieren gehen. Und Nutella. Nutella hilft immer.

 

Zeitmanagment

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Damit ist nicht nur das Einteilen der eigenen Zeit gemeint, sondern auch die Berücksichtigung der Kalender anderer Leute. Ob Lektoren, Coverdesigner oder Webdesigner: Keiner von ihnen wird alles stehen und liegen lassen, nur weil man eben gerade mit dem Text fertig ist und das Lektorat/das Cover/die neue Homepage jetzt braucht.

Wenn man seine Deadlines festlegt, muss man den Zeitplan anderer miteinrechnen. Das heißt, früh genug bei Lektor/Designer anfragen: Wann haben sie Zeit? Bis wann brauchen sie welche Information und ab wann können sie dir ungefähr sagen, wie lange es dauern wird?

Das gilt im Übrigen auch für Beta-Leser: Sag deinen Beta-Lesern, wann sie mit dem Text rechnen können und auch gleich, bis wann du das Feedback brauchst. Dann können die, die keine Zeit haben, ‘Nein’ sagen und du wartest nicht Wochen auf einzeln eintrudelnde Rückmeldungen.

 

Technischer Kram

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Wie man vielleicht an der genauen Bezeichnung sieht, ist das mein absoluter Lieblingsbereich. Ich krieg regelmäßig die Krise, wenn ich solche Emails bekomme:

Die nicht mehr unterstützten PHP Versionen werden standardmäßig durch PHP 5.4 für 
Ihre Webseiten und die dazugehörigen Cron-Jobs ersetzt.
Wir empfehlen Ihnen, Ihre Seiten und Cron-Jobs schon jetzt mit einer der neuen 
PHP Versionen zu testen, wir raten dafür zu PHP 5.6.

Was???

Als AutorIn hat man entweder einen netten Verlag, der einem eine Homepage einrichtet oder das Geld für einen Webdesigner oder aber, man schlagt sich alleine damit herum. “Damit” kann jetzt alles sein: Vom Einarbeiten in WordPress/Blogger bis zum tatsächlichen Bauen der eigenen Seite.

Alle Optionen haben ihre Vor- und Nachteile und egal wie “intuitiv” sich ein Programm schimpft, es erfordert Zeit, bis man sich damit auskennt. Das ist dann meistens der Zeitpunkt eines großartigen Updates, nach dem alles anders ausschaut und man wieder von vorne anfangen kann.

Wie geht es auch mit all diesen Sachen? Was habt ihr schon so alles gelernt bzw. lernen müssen?

Hier geht es zu Teil 2 🙂

Novelle vs. Roman

Warum schreibt man Novellen?

Ich habe damit angefangen, weil ich mich an kürzeren Texten probieren wollte und zu feig für Kurzgeschichten bin.

Kurzgeschichten und ich haben noch nie eine gute Beziehung gehabt. Ich habe keine einzige geschrieben, mit der ich auch nur annähernd glücklich gewesen wäre. Das Schreiben von einer KG endet in zusammengeknülltem Papier, ein paar lieblosen Sätzen und Prokrastination mit einem Romanprojekt. Irgendwann werd ich auch diese Textform bezwingen, aber bis dahin ignorieren wir uns gegenseitig.

Also bleibt die Novelle. Dem Roman ähnlicher als die KG, aber, trommelwirbel, kürzer. Man findet unterschiedliche Wortzahlen und manche Leute verschwenden tatsächlich Zeit darauf sich darum zu streiten, wann genau ein Text noch eine Kurzgeschichte oder schon ein Roman ist.

Ich würde sagen, eine Novelle hat so zwischen 30.000 und 50.000 Wörtern. (Andere würden letzteres schon Kurzroman nennen. Ist mir auch recht. )

‘Also’, hab ich mir gedacht, ‘Schreibst mal schnell ein paar Novellen. Wird sicher lustig.’

Aha. Ahahahaha. Wie war das mit der Hochmut und dem Fall? Meine hat es der Länge nach in eine Schlammlacke geklatscht.

Memo an mich: Die ganzen Novellen 101 nicht nur nickend mit ‘Is eh logisch’ überfliegen, sondern 1) lesen und 2) beherzigen.

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Manchmal kommt es halt doch auf die Länge an. (Ja, ja , ich weiß – aber das war einfach zu aufgelegt, um es zu ignorieren.)

 

An dieser Stelle ist zu sagen, dass es mir bei “Novelle” vor allem um die Textlänge geht und nicht um Gattungsmerkmale wie Symbolik etc. Asche auf mein Germanistenhaupt. Aber die Länge hat es in sich.

Was ich bis jetzt auf die harte Tour gelernt habe:

Plot

Weniger Platz bedeutet auch wenig bis kein Raum für Nebenplots. Sich in irgendwelchen Geschichten von Nebencharakteren zu verstricken, führt spätestens beim ersten Durchlesen mit sicheren Schritten zum Nutellaglas, um sich darin zu ertränken.

Nachdem ich an einer Novellen-Serie sitze, muss ich aber bis zu einem gewissen Grad Sachen anteasern etc. Dabei den richtigen Grad zu finden, ist das Kunststück, an dem ich noch arbeite.

Charaktere

Beim Schreiben von Novelle Nr.2 war ich kurz davor, Novelle und Laptop an die Wand zu klatschen. Nichts passte, die Geschichte war fad, die Dynamik beim Teufel und die Charaktere flach. Ein tiefes Durchatmen später fand ich dann den Fehler.

Ich hatte sechs (6!) neue Charaktere eingeführt. Das wäre schon bei einem Roman zu viel, aber für eine Novelle? *gehtsichindieEckeschämen*

Charaktere brauchen Szenen. Erstens, um tun zu können, was sie tun sollen und zweitens – und das ist das Wichtigste – damit der Leser sie kennenlernt. Wenn ich einen Charakter nicht kenne, ist mir ziemlich egal, was mit ihm passiert.

Leser 1: “Spoiler, Franz stirbt.”

Leser 2: “Wer von denen war noch mal Franz?”

In einer Novelle stehen weniger Szenen zur Verfügung, also muss man sich genau überlegen, wofür und für wen man sie verwendet. Nachdem ich das immer erst nach dem Schreiben einer Szene weiß (Discovery-Writing FTW!), hatte ich mich in ein ordentliches Chaos geschrieben. Planung. Ich sollte es probieren.

Ich bin mir sicher, meine Lektorin wird mich noch auf ein paar Sachen hinweisen, wo ich mir im Nachhinein denke: Wie ist mir denn das passiert? Ist doch logisch, dass das nicht funktioniert.

Bis dahin versuch ich die Anzahl meiner Charaktere unter Kontrolle zu halten und klopf mir mit dem Nutellalöffel auf die Finger, wenn ich zu intensiv mit der Backstory von einem Nebencharakter zu flirten beginne.

Habt ihr euch schon an Novellen versucht? Wie geht es euch mit Kurzgeschichten?