Deine BetaleserInnen und du (Teil 2)

Willkommen zum (vorerst) letzte Post, in dem ich mich mit dem Thema Alpha-, Beta- und Testleser beschäftige. Hier habe ich kurz festgehalten, woran man meiner Erfahrung nach denken sollte, bevor man seinen Text an die LeserInnen schickt.

Nachdem du deine LeserInnen gefunden und dir den Kopf darüber zerbrochen hast, was du von ihnen willst und was du ihnen geben kannst, geht das Testlesen endlich in die erste Runde*.

Doch bevor du deinen Text losschickst, solltest du dir über zwei wichtige Sachen Gedanken machen, nämlich Fragebögen und die Deadline.

1. Fragebögen

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Fragebögen sind nicht nur wichtig, ich würde sogar behaupten, sie sind elementar. Zum einen, weil es das Feedback geben leichter macht. Und zum anderen, weil du ohne die richtigen Fragen irgendwelche Antworten bekommst. Und das kann sehr frustrierend sein, wenn du eigentlich wissen wolltest, ob Ben als Bösewicht überzeugt und das Feedback aus Analysen der Liebesbeziehung zwischen Clara und Fiona besteht.

Plane also etwas Zeit für die Entwicklung der Fragebögen ein. Je nach Projekt oder Überarbeitungsphase wirst du andere Sachen wissen wollen. Und warne deine TestleserInnen vor, wenn ein zehn Seiten Ungetüm an Fragen auf sie zukommt!

Meine Basis-Fragen für Alpha- und BetaleserInnen finder ihr hier:

Bsp Fragebogen Alphas

bsp-fragebogen-alphas PDF

Bsp Fragebogen Betas

bsp-fragebogen-betas PDF

Je nach Projekt(status) formliere ich um, geben neue dazu und andere weg etc.

2. Deadline

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Gib deinen TestleserInnen vorab Information über Textlänge, Arbeitsaufwand (Fragebögen, Textstatus etc.), Deadline und wann sie mit dem Text rechnen können. Dann halte dich an deinen Termin und schick den Leuten zum versprochenen Zeitpunkt den Text im Format ihrer Wahl. Wenn es sich nach hinten verschiebt, gib kurz Bescheid. (Ein Punkt, wo ich mich auch noch an der Nase nehmen muss.)

Wenn manche keine Zeit haben, musst du dir überlegen, ob du das Testlesen verschieben willst/kannst, aber mach auf keinen Fall unterschiedliche Deadlines: Das wird dich wahnsinnig machen und es nimmt dir den Schwung.

Zumindest ich bin immer in totaler Chaka! Auf den Text mit Gebrüll!-Stimmung, wenn nach dem Däumchendrehen und Warten der letzten Wochen die Feedbacks eintrudeln. Da ich mit der Überarbeitung aber nicht anfange, bevor ich nicht alles Meinungen gehört habe, nimmt mir verspätetes Feedback diesen Schwung und ich prokrastiniere auf Twitter (anstatt z.B. den Klappentext zu schreiben).

Gib den Leuten nicht zu viel Zeit! Wenn du deinen LeserInnen drei Monate gibst, wird die ersten Wochen genau nichts mit deinem Text passieren und er wird a) vergessen oder b) irgendwann in den letzten zwei Wochen oder in der Nacht davor gelesen.

Es ist wie mit anderen Deadlines auch. Eine Deadline, die erst in Wochen ist, verführt dazu zu sagen: Wunderbar, ich mach das dann später.

Und: Setz deine Deadline ca. eine Woche vor deiner echten, geheimen Deadline an. Warum? Weil auch dem zuverlässigsten Betaleser das Leben dazwischenkommen kann. So kannst du ihnen ganz lieb noch eine Woche geben, wenn das “Ähm, duhuuu”-Mail bei dir eintrudelt und hast hoffentlich dann alle beisammen, wenn du laut deinem Plan wirklich mit der Korrektur loslegen solltest.

 

Wie macht ihr das mit euren Fragen und Deadlines? Was ist euch noch wichtig? Und wünscht ihr euch von AutorInnen, deren Texte ihr lest?

 

*Mir wurde gesagt, dass man seinen Text sicherheitshalber bei Servicen wie z.B. Priormart hinterlegen soll, bevor man ihn an fremde Leute schickt. So geht man sicher, dass es nicht zu Urheberrechtsstreitigkeiten kommt, falls einer deiner LeserInnen deinen Text als den eigenen veröffentlicht.

Ich habe das bis jetzt nicht gemacht. Falls dieses Szenario aber etwas ist, was dir Sorge bereitet, mach dich im Internet schlau: Es gibt dort die verschiedensten Angebote. Das soll übrigens keine Empfehlung für den verlinkten Service sein: Wie schon geschrieben, habe ich das selber noch nie verwendet. Sie waren einfach das erste seriös-wirkende Googleergebnis. 😉

 

 

Logbuch #1

Mein Blog hat sich irgendwie zu einem Schreibtipp-Blog entwickelt. Das ist nichts Schlechtes, aber eigentlich nicht, was ich wollte. Öhm.Tja.

Diese Richtung wird sich wohl auch nicht so schnell ändern, aber dazwischen möchte ich ein paar persönlichere Updates streuen. Meinen ganz persönlichen Wahnsinn Alltag und Updates über meine Pojekte findet ihr ab jetzt also unter Logbuch.

Warum Logbuch? Tagebuch fand ich unpassend, Updates einschränkend und ich mag Star Trek (und Schiffe) 😉

Was sich zur Zeit so bei mir tut?

Nun, abseits vom Schreibtisch übe ich mich im unfreiwilligen Selbstversuch “Leben ohne Handy”. Ich Kipferl hab es nämlich in einem Anfall geistiger Umnachtung im Flixbus liegen gelassen.

Kennt ihr das? Der Moment, in dem eine kleine Stimme sagt: “Steck das Handy ein, sonst vergisst du es”. Oder auch wahlweise: “Das Glas steht schon sehr knapp an der Kante, räum es weg”. Ach, denkt man sich, wieso sollt ich das vergessen? Und schon steht man ohne Handy vor dem davonfahrenden Bus oder kriecht am Boden herum und sammelt Glasscherben auf. Und die kleine Stimme meint “Ich hab’s dir ja gesagt” und zündet sich eine Zigarette an.

Such is life.

Fazit zum Selbstversuch bis jetzt: Ich kann es nicht empfehlen. Abgesehen von den Fotos, um die es mir ewig leid täte, fehlt mir das schnelle Hin und Herschreiben mit Freunden. Und mein Wecker. Und die Kamera. Und überhaupt. Furchtbar, wie schnell man abhängig wird von den Dingern. Manche Leute fühlen sich ja angeblich befreit, aber ich unterstelle denen jetzt mal, dass sie kein Twitter auf ihrem Smartphone haben.

Schreibtechnisch häng ich gerade in der Warteschleife: der letzte Alpha-Leser ist noch ausständig. Dafür kristallisiert sich für Unstern langsam ein Cover hinaus – ich kann kaum erwarten, es euch zu zeigen!

Der Klappentext kristallisiert sich dafür etwas langsamer heraus, als ich es gerne hätte, was daran liegen kann, dass ich nach jedem zweiten Anlauf aufsteh’ und Küche putze oder Stifte sortiere oder ähnlich Dringendes.

Was tut sich bei euch? Habt ihr eh noch alle euer Handy? 😉

Deine BetaleserInnen und du (Teil 1)

In diesem Beitrag unterscheide ich nicht zwischen Alpha- und BetaleserInnen, sondern taufe alle TestleserInn. (Die eigentlich wieder etwas anderes sind, aber das ignorieren wir jetzt einmal.)

Wir alle brauchen TestleserInnen. Mensche, die sich unsere Bücher in alle ihren Entstehungsphasen antun und die Finger in die zahlreichen Wunden legen, damit wir Logikfehler und Plotlöcher beheben können und unnötige Szenen und Charaktere streichen, in die wir uns so verliebt haben, dass wir ihre Unnötigkeit nicht sehen (wollen).

Aber wo finden wir diese LeserInnen, wenn uns jeder zweite Artikel davor warnt, die eigenen Werke nicht im Familien- oder Freundeskreis zu verteilen?

Bevor du auf die Suche nach TestleserInnen gehst, mach dir klar, was du eigentlich willst.

1. Was für ein Feedback möchtest du haben?

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Lob und gestreichelt werden? Dann gib es deinem besten Freund oder deiner Mutter zu lesen, irgendjemandem, der deine Gefühle auf keinen Fall verletzten will.

Der Punkt ist ganz ernst gemeint. Sei ehrlich mit dir: Wenn deine Testleserin dein Buch zerreißt, verwertest du das Feedback oder bist du noch nicht an dem Punkt und brauchst eher Aufmunterung/Ermutigung?

Das ist keine Schande, aber sei dir und vor allem deinem Testleser gegenüber ehrlich. Sag etwas wie: “Ich verzweifel grad etwas an dem Projekt, kannst du mir sagen, was dir gut gefällt und wo ich noch arbeiten muss?”

Du wirst anderes Feedback bekommen, als wenn dein Arbeitsauftrag lautet: “Lies das und dann sag mir, wie es dir gefällt.” Abgesehen davon, dass so eine allgemeine Formulierung wenig hilfreich ist: TestleserInnen machen sich in der Regel viel Mühe und wenn diese Mühe dann ungeschätzt und ungenützt im Sand verläuft, ist das eine Zeitverschwendung für alle Beteiligten.

Faktencheck? Dann brauchst du Experten auf dem Gebiet. Kampfsportler, die dir erklären, wieso sich dein Prota selber mehr wehtut als dem Gegner. Äzte, die dir eindrücklicher als das Internet schildern können, wie so eine Leiche riecht oder was beim Eingriff XY zu beachten ist. (Hier ein Riesendanke an Thomas, dem ältesten und geduldigsten meiner Testleser.)

Wenn sich in deinem Bekanntenkreis und dem deiner Freunde niemand finden lässt, ist das Internet dein Freund: In Foren und auf SocialMedia wirst du sicher jemanden finden. (Der hoffentllich auch wirklich weiß, wovon er spricht.)

Konstruktives Feedback. Heißt eine ehrliche Meinung, die auch einmal weh tun kann. Du wirst vielleicht ein bisschen herumsuchen müssen, bis du eine Testleserin findest, mit derem Stil du kannst.

Manche Menschen verpacken ihr Feedback so liebevoll, dass man die “aber” überliest und andere haben einen so scharfen Ton, dass man sich danach mit Eis unters Bett verkriecht. Aber keine Sorge, du findest “deine” TestleserInnen – es dauert nur vielleicht ein bisschen.

 

2. Wie soll eure Beziehung ausschauen?

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Reicht dir das Internet oder willst du dich mit deinen TestleserInnen auch einmal auf einen Kaffee treffen? Brauchst du jemanden, bei dem du dich auch ausweinen kannst, jemaden mit dem du auch über Plotwendungen sinnieren kannst und der dir zu Hilfe kommt, wenn deine Charas einmal so gar nicht wollen? Oder sollen wirklich nur die Texte kommentiert werden?

Damit ist nicht gesagt, dass ein Testleser alle Ansprüche erfüllen muss – du brauchst ohnehin mehrere – aber es ist gut zu wissen, was man von dem anderen wirklich will, anstatt dann enttäuscht zu sein, weil man “nur” das Feedback bekommt, statt nächtelang über die Kindheit von Charakter F zu diskutieren.

Auch hier gilt wieder: Sprich mit deiner Testleserin über das, was du dir so vorstellst. Niemand kann Gedanken lesen. Beziehungen brauchen außerdem Zeit, um sich zu entwickeln. Vielleicht kommst du auch dauf, dass du doch lieber mit Leser B nächtelang durchquatscht, statt mit Leserin A, mit der du gedanklich schon Beste-Schreibfreunde-Ferien geplant hast.

3. Was kannst du geben?

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Ich habe es schon erwähnt, aber hier noch einmal: Testlesen ist Arbeit. Es ist nichts, was sich so nebenbei erledigen lässt. Deine TestleserInnen investieren Tage und Wochen in dein Projekt um dir weiterzuhelfen, also sei nett zu ihnen! Würdige ihre Arbeit und revanchier dich, wo und wie du kannst!

Überleg dir deswegen, was du für sie tun kannst.

Schreiben sie auch und du kannst anbieten, ihre Texte zu lesen? Haben sie einen Blog und du kannst sie an deine Leser weiterempfehlen? Mögen sie Schokolade?

Auch hier: Sei ehrlich. Was kannst du und was willst du?

Du hast keinen Bock, dich durch 500 Seiten historische Fantasy zu quälen? Dann biete nicht an, im Gegenzug selber Testleser zu sein.

Du warst vor gefühlten hundert Jahren einmal reiten? Dann sollte sich dein Testleser besser einen anderen Faktenchecker für seinen Pferdersport-Thriller suchen.

Aber irgendetwas wirst du sicher finden, dass du für deine Testleser tun kannst – und wenn es nur ein offener Liebesbrief ist.

Wenn du diese Fragen für dich  geklärt hast, dann geht sie los: Die Suche nach deinen TestleserInnen.

Hier geht es zu Teil 2

 

Das erste Mal

Der Alltag eines jeden Schreibenden sieht anders aus. Manche schreiben jeden Tag, andere am Wochenende. Manche stehen um 5 in der Früh auf, manche tippen bis in die Morgenstunden. Aber wir alle schreiben. Und wir träumen davon, unsere Geschichten mit der Welt zu teilen.

Zunächst bekommen nicht viele unsere Texte zu Gesicht, vielleicht sogar niemand. Dann, langsam und zögerlich, wird der Kreis erweitert: Alpha- und Betaleser kommen hinzu, vielleicht sogar eine Kritikgruppe. Aber wir haben die Kontrolle, wer den Text zu Gesicht bekommt und manchen versenken wir ungelesen im hintersten Ordner unseres Computers.

Wir tauschen uns mit anderen Schreibenden und Betalesern aus, wir lernen dazu, polieren Szenen, starten neue Projekte, verwerfen andere wieder und dann ist es auf einmal da. Das Projekt, das wir ansehen und sagen: Du. Du wirst der erste Text, den ich veröffentliche.

Endlich ist es gesagt. Die Zeit ist reif. Wir sagen es nervös, aber auch stolz: Ich arbeite an meiner ersten Veröffentlichung.

Am Anfang geht alles seinen gewohnten Gang. Schreiben, überarbeiten, verwerfen, neu schreiben. Wir schicken Roh- und Erst- und überarbeitete Fassungen an Alphaleser und Betaleser und alle dazwischen.

Wir grübelt über Cover und Widmung nach, recherchieren Ebook-Plattformen und ignorieren den Klappentext, den man auch dringend schreiben sollte. (Nein? Nur ich?)

Und dann, irgendwann, holt einen der Gedanke ein: Das wird der erste Text, den ich veröffentliche. Nicht mit nervösem Stolz holt er uns ein, sondern wie ein Faustschlag. Und alles ist anders.

Die To Do-Liste entrollt sich vor einem in die Unendlichkeit: Cover und Satz, Klappentext, Biographie, Lektorat, Korrektorat, Marketingstrategie, Landing Page, die zwölfte Überarbeitung.  Es türmt sich vor einem auf wie der Mount Everest. Wann soll ich das alles schaffen? Und wie?

Hätte ich nicht schon vor Monaten diesen Media Kit machen müssen? Und eine Facebook-Seite brauch ich auch noch! Hilfe, die BuchbloggerInnen habe ich ja völlig vernachlässigt und eigentlich wollte ich ja längst Pintrest-Boards machen und ein Teaser vom zweiten Teil sollte auch fertig sein und außerdem –

Und während der Stappel an Unerledigtem vor uns in die Höhe wächst, setzt sich ein alter Freund zu uns.

Der Zweifel. Er tippt uns auf die Schulter und flüstert: Wirklich? Dieser ganze Aufwand für diesen, ähm, na sagen wir einmal Text? Den Dreck? Du glaubst wirklich, das will wer lesen? Und auch noch dafür zahlen?

Der Zweifel schüttelt mitleidig den Kopf, zeigt auf Plotlöcher, auf langweilige Beschreibungen, passive Charaktere und hingeschusterte Übergänge, bis die eine Frage alles ist, was in unserem Kopf herumspuckt:

Bin ich gut genug?

Bin ich wirklich schon so weit? Oder soll ich nicht lieber noch warten, noch ein, zwei Romane für die Schublade schreiben, noch einen Kurs machen und diesen Schreibratgeber durcharbeiten, der so toll sein soll?

Bin ich arrogant, verblendet, eingebildet und sehe nicht, dass ich in Wirklichkeit keinen geraden Satz zusammenbringe? Dass meine Charktere so flach sind wie mein Plot langweilig?

Was wenn sich die Kritker auf den Text stürzen und ihn zerreißen, und zwar zu recht? Wenn die Amazonbewertung lautet: Jemand hätte ihr sagen sollen, dass sie nicht schreiben kann.

Was dann?

Ich weiß es nicht und der Zweifel, der es sich auf meinem Sofa gemütlich gemacht hat, ist sowieso keine große Hilfe.

Aber wie heißt es so schön?

Hinfallen. Krone richten. Aufstehen. Weiterschreiben.

Und versuchen nicht die Nerven wegzuschmeißen, wenn die ToDo-Liste immer länger statt kürzer wird.

Wie geht es such denn so? Bin ich die Einzige, die beim Gedanken an die bevorstehende Veröffentlichung die Nerven wegwirft? Ist es beim zweiten Mal leicher?