Logbuch #7: Muse vs. Schlaf

Meine Muse scheint zurzeit auf Speed zu sein. Wenn es nach ihr geht, dann sollte ich neben der Unstern-Reihe auch eine UrbanFantasy-Serie schreiben und einen Dystopie-Floh hat sie mir auch ins Ohr gesetzt.

Vorzugsweise überfällt sie mich damit um Mitternacht, mit dem Effekt, dass ich bis 2 in der Früh immer wieder aus dem Dämmerschlaf hochfahre, um Sachen zu notieren. Ich will mich ja nicht beschweren, aber mit meinen Augenringen geh ich langsam als Panda durch. Blöd, dass Fasching schon vorbei ist.

Auf der Unstern-Front gibt es auch Neuigkeiten: Langsam, langsam kristallisiert sich ein Cover heraus. Dass das eine so schwere Geburt wird hätte ich im Leben nicht gedacht. Ich entschuldige und bedanke mich hier jetzt offiziell bei meinem tollen Freundeskreis, dem ich seit letztem April damit auf den Keks gehe. Ihr seid die Besten! (Wappnet euch für mein Gesuder, wenn es dann ans Layouten von Unstern geht.)

Nachdem mir meine Muse schon wieder ungeduldig auf die Schulter tippt (Wirklich, hat ihr eine/r von euch was in den Kaffee getan?), werden meine Pandaaugen und ich jetzt  fleißig am zweiten Teil von Unstern weitertippen.

Ich hoffe, ihr habt alle ein entspanntes Wochenende und nicht ganz so grauenhaftes Wetter wie wir hier.

 

Autorenleben

Das Autorenleben: Man sitzt in einem netten Café (mit Blick auf den Strand), nippt an einem Tee oder GinTonic und tippt einen glatten Satz nach dem nächsten in den Computer. Die Charaktere benehmen sich alle, der Plot fügt sich nahtlos zusammen und nach ein paar Stunden klappt man den Laptop zufrieden zu, um mit Freunden auf einen Cocktail zu gehen oder mit handgemachter Pasta zu experimentieren.

Was war das? Hör ich da etwa AutorInnen lachen?

Auf meinem Blog war es in letzter Zeit sehr ruhig. Viel ruhiger, als es mir lieb ist, denn das Autorenleben hatte mich fest im Griff.

Nein, nicht die Traumversion, die wir AutorInnen uns wohl alle so oder so ähnlich ausgemalt haben, sondern das ganz wirkliche, echte. Wo ich zwischend den einzelnen Terminen in überfüllten Kaffeeketten sitze, den Laptop auf den Knien balanciere und Sätze in den altersschwachen Laptop klopfe, während um mich herum Studenten feiern oder herumschreienden Schülergruppen die interne Rangordnung klarmachen.

Wo die Charaktere nicht parieren und mir Plotlöcher entgegengähnen, gegen die der Grand Canyon ein Lercherlschaß ist. Wo die verdammte Szene einfach nicht werden will und mir ein Recherchefehler elegant das Bein stellt, wenn ich das Kapitel für abgeschlossen halte.

Wo der Wecker mich früher hinausklingelt, weil ich weiß, dass ich untertags nicht zum Schreiben kommen und am Abend zu kaputt sein werde. Wo mich Deadlines links und rechts überholen, während ich den Text nach Fragmenten einer alten Version durchkämme.

Wo es kein Wochenende gibt, keine Feiertage, keine Pause und weiche Kartoffelchips ein Abendessen sind, weil die Szene heute fertig werden muss und wer hat schon die Zeit um auch noch zu kochen. Denn die ungeschriebenen Bücher sind immer dabei, die Charaktere setzten sich neben mir ans Bett und bombardieren mich mit “Was wäre wenn”-Szenarien, während die andere Hirnhälfte darüber nachgrübelt, ob in den einen Satz jetzt wirklich ein Komma kommt oder doch nicht. Ach ja, und für die Arbeit wär auch noch was zu tun und irgendwann sollte die Buchhaltung wirklich zur Steuerberaterin und wie war das nochmal mit dem Marketingkonzept?

Und dann, wenn man meint einsam auf hoher See zu treiben und nie wieder Land zu sehen, taucht auf einmal eine Möwe auf.

Andere AutorInnen ziehen einem wieder aus dem Loch, in das man sich hineingesteigert hat, lachen, jammern und feiern mit einem. Über SocialMedia wie im echten Leben schüttet man sich gegenseitig das Herz aus: Über zickige Charaktere, über Schreibblockaden, über Probleme mit dem Verlag. Freunde lauschen geduldig, während man das gleiche Problem zum tausendsten Mal auswälzt, erinneren daran, dass es so etwas wie Entspannung gibt und dass alte Chips kein Grundnahrungsmittel sind.

Und dann atme ich tief durch, koche mir einen Tee und setzte mich an den Schreibtisch. Einen Moment sehe ich den Wolken draußen zu, die über den Himmel treiben. Und dann schreibe ich.

Ist das Autorenleben anstrengend, lässt einen mitunter verzweifeln und treibt einen phasenweise schier in den Wahnsinn? Absolut.

Aber es ist auch wundervoll, abwechslungsreich, eine Achterbahn voller Höhen und Tiefen und wenn mich jemand fragt, ob ich je tauschen würde, ob ich je etwas anderes machen wollte, dann gibt es nur eine Antwort:

Hell no!

Und was sagt ihr zu eurem Autorenleben? Ist es so, wie ihr es euch erträumt habt?