Autorenleben

Das Autorenleben: Man sitzt in einem netten Café (mit Blick auf den Strand), nippt an einem Tee oder GinTonic und tippt einen glatten Satz nach dem nächsten in den Computer. Die Charaktere benehmen sich alle, der Plot fügt sich nahtlos zusammen und nach ein paar Stunden klappt man den Laptop zufrieden zu, um mit Freunden auf einen Cocktail zu gehen oder mit handgemachter Pasta zu experimentieren.

Was war das? Hör ich da etwa AutorInnen lachen?

Auf meinem Blog war es in letzter Zeit sehr ruhig. Viel ruhiger, als es mir lieb ist, denn das Autorenleben hatte mich fest im Griff.

Nein, nicht die Traumversion, die wir AutorInnen uns wohl alle so oder so ähnlich ausgemalt haben, sondern das ganz wirkliche, echte. Wo ich zwischend den einzelnen Terminen in überfüllten Kaffeeketten sitze, den Laptop auf den Knien balanciere und Sätze in den altersschwachen Laptop klopfe, während um mich herum Studenten feiern oder herumschreienden Schülergruppen die interne Rangordnung klarmachen.

Wo die Charaktere nicht parieren und mir Plotlöcher entgegengähnen, gegen die der Grand Canyon ein Lercherlschaß ist. Wo die verdammte Szene einfach nicht werden will und mir ein Recherchefehler elegant das Bein stellt, wenn ich das Kapitel für abgeschlossen halte.

Wo der Wecker mich früher hinausklingelt, weil ich weiß, dass ich untertags nicht zum Schreiben kommen und am Abend zu kaputt sein werde. Wo mich Deadlines links und rechts überholen, während ich den Text nach Fragmenten einer alten Version durchkämme.

Wo es kein Wochenende gibt, keine Feiertage, keine Pause und weiche Kartoffelchips ein Abendessen sind, weil die Szene heute fertig werden muss und wer hat schon die Zeit um auch noch zu kochen. Denn die ungeschriebenen Bücher sind immer dabei, die Charaktere setzten sich neben mir ans Bett und bombardieren mich mit “Was wäre wenn”-Szenarien, während die andere Hirnhälfte darüber nachgrübelt, ob in den einen Satz jetzt wirklich ein Komma kommt oder doch nicht. Ach ja, und für die Arbeit wär auch noch was zu tun und irgendwann sollte die Buchhaltung wirklich zur Steuerberaterin und wie war das nochmal mit dem Marketingkonzept?

Und dann, wenn man meint einsam auf hoher See zu treiben und nie wieder Land zu sehen, taucht auf einmal eine Möwe auf.

Andere AutorInnen ziehen einem wieder aus dem Loch, in das man sich hineingesteigert hat, lachen, jammern und feiern mit einem. Über SocialMedia wie im echten Leben schüttet man sich gegenseitig das Herz aus: Über zickige Charaktere, über Schreibblockaden, über Probleme mit dem Verlag. Freunde lauschen geduldig, während man das gleiche Problem zum tausendsten Mal auswälzt, erinneren daran, dass es so etwas wie Entspannung gibt und dass alte Chips kein Grundnahrungsmittel sind.

Und dann atme ich tief durch, koche mir einen Tee und setzte mich an den Schreibtisch. Einen Moment sehe ich den Wolken draußen zu, die über den Himmel treiben. Und dann schreibe ich.

Ist das Autorenleben anstrengend, lässt einen mitunter verzweifeln und treibt einen phasenweise schier in den Wahnsinn? Absolut.

Aber es ist auch wundervoll, abwechslungsreich, eine Achterbahn voller Höhen und Tiefen und wenn mich jemand fragt, ob ich je tauschen würde, ob ich je etwas anderes machen wollte, dann gibt es nur eine Antwort:

Hell no!

Und was sagt ihr zu eurem Autorenleben? Ist es so, wie ihr es euch erträumt habt?

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12 thoughts on “Autorenleben

  1. nikeleonhard says:

    Wieso kommt mir das nur alles so bekannt vor? Ich habe zwar keinen Brotjob, aber eine Familie, was bedeutet, dass das Schreiben immer wieder durch Urlaube, Ferien und unplanbare Krankheitsfälle durchkreuzt wird. Und die immer wieder kehrende, durchaus lieb gemeinte Frage: “Kannst du dich nicht mal entspannen, wie andere Menschen auch?”
    Trotzdem möchte ich das Schreiben und Publizieren nicht mehr missen. Nirgends sonst darf man so ungeniert die Phantasie ins Kraut schießen lassen, in keinem anderen Beruf so weit reisen, ohne das Sofa zu verlassen. Man recherchiert die abstrusesten Details und lernt die tollsten Menschen kennen.

    • katrinilen says:

      Ich finde, eine Familie fordert auf einem ganz anderen Level Aufmerksamkeit als ein Job. Respekt!
      Wie die Leute zum schreiben kommen, die Brotjob UND Familie haben, ist mir sowieso ein Rätsel.

      • Sun Beï says:

        Abends mit dem Gedanken ins Bett fallen, “Ich könnte noch an … weiterschreiben.” Morgens damit aufwachen, während der Arbeit von “Ich könnte noch an … weiterschreiben” abgelenkt werden, abends müde zu 60% mit den Gedanken bei der Familie sein, und mit dem Gedanken “Ich könnte noch an … weiterschreiben” wieder einschlafen.

  2. B.E. Thyke says:

    Gut geschrieben. So ist es, aber was soll man machen. Es lohnt sich immer seine Träume zu verfolgen und niemand hat gesagt, dass es leicht werden würde. 🙂

  3. literaturina says:

    Wunderbarer Beitrag, der so wohl für alle Arten der kreativen Arbeit gelten kann. Ich selber würde mir wünschen, dass meine Charaktere mich ein wenig mehr nerven, denn mein Autorenleben ist zurzeit wenig bis gar nicht existent. Was aber mehr daran liegt, dass mir Schreiben gerade kein Bedürfnis ist und ich mich regelrecht dazu zwingen muss.

    Nichtsdestotrotz kenne ich das Phänomen, dass du hier beschreibst. Es ist wirklich gut, dass man nie allein ist und immer einer da ist, der einen aus dem Loch herauszieht. 🙂

    • KatrinIls says:

      Diese Phasen, wo man sich zum Schreiben zwingen muss, kenn ich auch. Da kämpfen wir alle von Zeit zu Zeit damit, fürchte ich fast. Ich wünsche dir, dass dich deine Charaktere bald wieder zum PC ziehen 😉

  4. margauxnavara says:

    Ja und nein. Keinesfalls entspricht es dem anfangs geschilderten Ideal (oder sollte ich sagen: Deiner Fantasie?), aber abgesehen von den äußeren Einwirkungen sind da auch noch die Zweifel, ob das was man schreibt, überhaupt jemand lesen will und wird. Sie überwiegen manchmal die Freude am Schreiben.
    Erträumt hatte ich mir natürlich Ruhm und Ehre 😉 bekommen habe ich eine Arbeit, die mir viel Freude macht, wenn eben nicht gerade … (hier nach Belieben tausend Stress- und Schreib-Abhaltefaktoren einsetzen)

    • KatrinIls says:

      Stimmt, diese Zweifel besuchen mich auch phasenweise. Zur Zeit habe ich (zum Glück?) so einen Stress, dass dafür keine Zeit bleibt.
      Ruhm und Ehre kann bei dir ja noch kommen 😉 Hast du denn Testleser, die deine Zweifel mildern können?

      • margauxnavara says:

        Mir ist lieber, die “echten” Leser mildern die Zweifel, und zwar mit klaren Zahlen 😉
        Die Testleser loben zu sehr, nur wenige trauen sich oder sind in der Lage, wirkliche Kritik zu üben.
        Aber was soll´s, das Schreiben ist mein Beruf, und das können sicher nicht viele von sich sagen. Es macht mir Spaß und ich werde dabei bleiben. Auch die Bücher, die nicht auf Platz 1 steigen, bringen Geld (nur halt nicht viel …).

        • KatrinIls says:

          Klare Zahlen haben oft auch etwas mit Reichweite zu tun 😉 Aber ich verstehe, was du meinst. Oje, Testleser, die einem keinen Wein einschenken, bringen natürlich nichts. Ich selbst bin eine ziemlich schonungslose Testleserin, da geh ich bei dem Thema zu oft von mir aus ^^”
          Und wie du richtig sagst: Hauptsache, man hat Freude am Schreiben 🙂

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