Veröffentlichen: Highlights und Fallstricke

Unstern ist da!

Und zwar schon seit einer Woche. Man sollte meinen, als Autorin würde man über die Veröffentlichung auch bloggen, aber natürlich nicht diese Autorin. “Ist ja klar”, höre ich da Stimmen, “Die ist von der Launch-Party immer noch verkatert.” “Eh”, sagen die AutorInnen wissend, “Die liegt eher völlig übernächtig irgendwo unter der Wohnzimmercouch.”

Ich darf hingegen stolz verkünden, dass ich kaum verkatert und normal übernächtig verschiedene Druckausgaben vor meine verkniffenen Augen halte und “Ist da ein Grünstich? Da ist doch was pixelig!” vor mich hinmurmel. Die Druckerei in Berlin liebt mich. <3

Denn Unstern hat eine eigene, ganz echte ISBN und wird bald über den Buchhandel zu bestellen sein. Doch das dauert noch ein bisschen. Bis dahin, hier ein paar Fallstricke und Highlights zur Unsternveröffentlichung – auf das ihr ersteres umgeht.

InDesign. Ach InDesign. Ein großartiges Programm, wenn man sich ihm einmal bedingungslos unterworfen hat. Ich kann tatsächlich jedem Indie empfehlen, das Buch selbst zu setzen. Beim ersten Mal wird man schier wahnsinnig, vergoogelt endlose Stunden Lebenszeit, zerschießt das Dokument so zwei, dreimal (nur ich?), bis man den Lebenswillen verloren hat und um zwei Uhr in der Früh nur noch ergeben “In Ordnung. Dann eben noch einmal von vorne.” murmelt.

Aber es lohnt sich. Denn wenn man den Dreh heraußen hat, dann ist das Buch in ein paar Stunden tatsächlich gesetzt. Bevor ihr das PDF dann dem Drucker eures Vertrauens/CreateSpace überlässt: Prüft das PDF! Denn bei mir hat sich völlig grundlos eine Seite verschoben, was ich erst beim “Proofing” auf CreateSpace gesehen habe. Es war zwar schnell gelöst, aber dadurch musste ich das Buch neu einstellen, was meinen Zeitplan um 24 h zurückgeworfen hat.

Und nützt die Zurückfunktion bei InDesign, wenn ihr was ändern wollt! Sonst wird euch euer Dokument hassen und ihr früher oder später noch einmal von vorne anfangen müssen.

Übrigens: Wenn ihr das Buch auf CreateSpace freigebt, wird einem mitgeteilt, dass es bis zu vier Werktagen dauern wird, bis das Buch verfügbar ist. Bei mir war es jedes Mal (Ja, da gab es mehr als einen Anlauf. Aber darüber schweigen wir.) noch am selben Tag auf Amazon zu bestellen. Ihr bekommt kein Email, schaut einfach nach ein paar Stunden selber in den Shop.

Kindle. Hat mich den letzten Nerv gekostet, weil mein ebook angeblich 10 MB groß war. 10 MB! Mir wäre das nicht einmal aufgefallen, hätte mich eine liebe Kollegin mit den Worten “Das ist schon heftig”, darauf hingewiesen.

Lektion Nr. 1: Autorenfotos nicht im Dokument skalieren, sondern außerhalb verkleinern und dann einfügen.

Lektion Nr. 2: Wenn man auf .mobi umwandelt, bläst das Amazonprogramm die Datei unglaublich auf, weil sie für alle Kindle-Varianten funktionieren muss. In der Realität ist die Datei aber viel kleiner. Amazon teilt einem die tatsächliche Dateigröße bei den Royalities mit, wo sie einem auch sagen, wie viel sie für den Transfer abziehen. Falls ihr also auch eine Dateigröße jenseits von Gut und Böse präsentiert bekommt: Ruhig Blut. Oder wie mir ein Forenmitglied versichert hat: “You’ll be fine.”

Tolino. Wenn man nicht will, dass Tolino eine eigene ISBN vergibt, muss man die Wunsch-ISBN vier Tage vor der Veröffentlichung mitteilen. Per Email, es gibt nämlich kein ISBN-Feld, wenn man die Buchdaten dort eingibt. Kommt man da hinterher drauf – wie ich, weil ich das so super organisiert angegangen bin – muss man das Buch komplett hinunterlöschen und noch einmal neu einstellen. Auch wenn ich das System etwas umständlich finde (Warum nicht einfach direkt mit den anderen Daten angeben?): Der Service war super lieb und hilfsbereit und im Endeffekt war die Sache nicht in vier Tagen, sondern in ein paar Stunden erledigt.

Für die Leute, die es hassen, Klappentexte zu schreiben: Freut euch, Tolino möchte nämlich nicht nur einen Werbetext (Klappentext), sondern auch einen Kurztext. Und der ist nicht optional. Tut euch selbst einen Gefallen und bereitet den vor, sonst sitzt ihr wie ich um Mitternacht vor dem Laptop und zerstückelt fluchend euren Klappentext, in der Hoffnung, dass euch die Muse anspringt. (Die ist aber immer noch vom InDesign-Kampf geschädigt und hat sich nach Hawaii verpisst.)

Tja und dann, dann ist das Buch offiziell erschienen. Man hält das Druckexemplar in den Händen und Leute kaufen es tatsächlich! Es ist ein ganz eigenartiges Gefühl, dieses Schwanken zwischen “Yay, Leute lesen das Buch!” und “Hilfe, Leute lesen das Buch!”, zwischen “Man kann nicht alle glücklich machen” und “Ich will niemanden enttäuschen”. Und wie mir eine liebe Freundin und Autorin mehrerer Bücher versichert hat: Da muss man bei jeder Veröffentlichung aufs Neue durch. Yay?

Wenn man bis zu den Ohren in Druckfahnen steckt, malt man sich die besonderen Momente aus: Das Druckexemplar in den Händen halten. Einen gigantischen Haken hinter die kilometerlange ToDo Liste setzen können. Die ersten tollen Rezensionen. Endlich sagen zu können, dass man veröffentlicht hat, statt “Das erste kommt bald! Also irgendwann. Vor dem Winter? Hoffentlich.”

Was jetzt der schönste Moment war?

Ehrlich gesagt war es die Überraschungsfeier, die meine Schwester für mich organisiert hat. Sie und ihr Mann haben ihren ersten Hochzeitstag, an dem ich sie zum Brunch eingeladen hatte, kurzerhand zu einer Feier für meine Veröffentlichung gemacht, inklusive Torte mit essbarem Cover. Da sind mir tatsächlich die Tränen gekommen und ich werde diesen Moment sicher nie vergessen.

 

Prokrastination und 3 Dinge, die man dagegen tun kann

Über (fehlende) Motivation und Prokrastination gibt es unzählige Blogbeiträge, Bücher und Seminare. Da ich aber in letzter Zeit mit auffallend vielen AutorInnen über Prokrastination geredet habe (und ausnahmsweise nicht über meine! Ha!), dachte ich, ich gebe zu dem Thema auch hier meinen Senf dazu. Die meisten (alle?) Lösungswege, die ich hier erwähne, werdet ihr mit Sicherheit schon kennen, aber ich bin sehr gespannt auf eure in den Kommentaren 🙂

Ursachenforschung

Ich werde mich hier nicht über Sinn und Unsinn des Prokrastinierens auslassen, fest steht, dass wir es alle tun. Und es uns nicht hilft, wenn uns versichert wird, dass es zum kreativen Prozess gehört, nicht wenn die Deadline sich schon kaltlächelnd über uns beugt und wir uns am liebsten vor ihr unter dem Sofa verstecken würden. (Wo wir allerdings unsere Motivation treffen könnten, einen Versuch wäre es also durchaus wert.)

Wir haben Deadlines, wir müssen schreiben, auch wenn wir aktuell lieber die Buchhaltung machen oder die Wohnung tiefenreinigen.

Der erste Schritt für mich ist immer herauszufinden, warum ich prokrastiniere. In 80% der Fälle liegt das Problem beim Text, genauer, bei einem Problem, das ich mir noch nicht eingestehen will: Ich habe mich in ein Eck geschrieben, ich spüre, dass ein Charakter nicht funktioniert, ich bin über ein Logikloch gestolpert, das das ganze Buch zerlegt, oder aber ich will nicht schon wieder eine verdammte Kampfszene schreiben, weil die schwer sind und ich sie hasse. (Schlimmer sind nur Sexszenen. Generell alles, wo sich Leute gleichzeitig bewegen -.-)

In den Fällen hilft es mir, mich mit Zettel und Stift (kein PC) hinzusetzen und das Problem zu lösen. Bis auf die Kampfszenen, da muss ich dann halt durch. Und meine arme Lektorin auch.

Manchmal sind es auch ganz doofe Gründe, wie, dass ich nicht aufhören will, Musik zu hören und auf die Buchplaylist zu wechseln. Okay, dann schreibe ich halt mit anderer Playlist, ist ja kein Problem? (Ehrlich, meine Psyche manchmal… bis ich da dahintergestiegen bin.)

Und manchmal, ja manchmal bin ich von der Woche auch einfach erschlagen und wenn ich auf meine ToDo-Liste schaue, hab ich das Bedürfnis davonzulaufen und unter neuem Namen Automechanikerin zu werden. Oder eine Bar in der Karibik aufzumachen. Und das ist okay, ich habe mir mittlerweile eingeräumt, mich überfordert fühlen zu dürfen. Dann gibt es eine bewusste Auszeit mit netten Sachen, bis ich nicht mehr in ein Kissen schreien und mein Gewicht in Schokolade essen will.

Herausfinden, warum man nicht anfangen will, ist auf jeden Fall einmal der Anfang. Wenn sich dann herauskristallisiert, dass es eigentlich kein Problem gibt, dass man genau weiß, was man schreiben will und es nur einfach nicht über sich bringt, anzufangen, dann helfen mir diese dreiTechniken.

Nur 10 Minuten

Wenn man keinen Bock hat, ist es kontraproduktiv sich selber mit Plänen wie “Am Samstag/heute Abend schreibe ich dann mindestens drei Stunden!” zu bestrafen motivieren. Bei mir zumindest.

Klar, unter einer stressigen Woche beruhige ich mein Gewissen damit, dass ich eh das ganze Wochenende zum Schreiben habe. Nur vergesse ich ganz gerne, dass mich mein Brotjob eben  Kraft kostet und ich das Wochenende zum Erholen bräuchte. Auch wenn ich das Autorinnenleben liebe: Es macht keinen Spaß mit ellenlanger To-Do Liste ins Wochenende zu starten, wenn man eine Höllenwoche hinter sich hat.

Zu 10 Minuten Schreiben kann man sich aber fast immer zwingen. (Ja, manchmal muss ich mich zum Schreiben zwingen. Ich gehöre nicht zu den AutorInnen, die jeden Tag ihres Lebens vor Motivation sprühend in die Tasten hauen.) Also greife ich zu Trick 17: Den Wecker stellen und 10 Minuten nur schreiben. Das Handy wird dabei sicherheitshalber aus der unmittelbaren Reichweite verbannnt.

Wichtig dabei: Sich an die eigenen Abmachungen zu halten. Nur 10 Minuten heißt nur 10 Minuten. Wenn ich dann weitermachen will – super. Wenn ich nach 10 Minuten immer noch keinen Bock habe – auch okay, immerhin 10 Minuten wurde geschrieben. Diese Dauer war abgemacht, also darf ich den Rest des Sonntags YouTube schauen oder Staubfusel zählen, no judgment.

Pomodoro

Die gute alte Tomatentechnik. Im Wechsel immer 25 Minuten arbeiten und 5 Minuten Pause machen. Dafür gibt es mittlerweile sogar schon Apps. Schaut euch um, wenn ihr gerne mit Apps arbeitet. Zu der Pomodoromethode greife ich meistens, wenn ich einfach Text schaffen muss und mir zähneknirschende 10 Minuten nichts bringen. Manchmal beginne ich auch mit den 10 Minuten und wechsel dann zu Pomodoro, je nachdem, wie es läuft.

Minuten aufschreiben

Mein allerletztes Mittel, wenn ich einfach nicht in die Gänge komme: Ich schreibe auf, womit ich minütlich die Zeit verbringe, wenn ich eigentlich schreiben wollte/sollte/müsste. Zwei Minuten auf Twitter? Notiert. 5 Minuten Wasser geholt/aus dem Fenster geschaut? Notiert. Ich habe leider (?) keine “Liste der Schande” mehr hier herumfliegen, die ich euch zeigen könnte, aber glaubt mir: Die sind ein Tritt in den Hintern. Wenn ich sehe, womit ich Stunden verschwende, anstatt endlich zu schreiben – ja, dann komm ich in die Gänge. Denn ich WILL dieses Leben ja, ich WILL meine Bücher schreiben und vielleicht irgendwann davon leben – und das wird es nicht spielen, wenn ich nichts mache.

Mit diesen drei Strategien rücke ich meiner Prokrastination zu Leibe. Was macht ihr?