Logbuch #8: Saunaabenteuer (Gilt das als Klickbait?)

Na, wie läuft eure Woche denn so? Ich bin ja am Überlegen, Aufgüsse in meinem Wohnzimmer zu veranstalten und das als “Urbanes Saunaerlebnis” über willhaben anzubieten.

Das Positive an der Hitze : Ich klebe quasi auf dem Stuhl vor dem Laptop fest, kann also gar nicht anders, als zu schreiben. 😉 Natürlich klebt man auch überall sonst fest (ich sag nur Öffis bei 30 Grad), aber wir haben erst Juni und ich will meine Hitzesudderei nicht in einem Blogpost aufbrauchen.

Dabei mag ich die Hitze eigentlich. Sobald es 27 + Grad hat, bekomme ich Urlaubsgefühle, egal wie mies der Tag gerade läuft.

Allerdings passieren mir bei diesen Innentemperaturen manchmal auch dumme Schnitzer. Ich hatte eine Szene geschrieben, in der Kerra Maran am Kragen packt (BFFs die sie nun einmal sind). In der Abendkühle hat Maran mich dann daran erinnert, dass sie a) bewaffnet ist und außerdem b) nicht mehr viel zu verlieren hat, weswegen c) diese Aktion von Kerra das Buch und die Reihe mit dem unspektakulären Tod der Protagonistin recht abrupt beenden würde. (Das d) auch Kerra nicht so dämlich ist, kam dann von mir, Maran ist da anderer Meinung :p)

Also Szene wieder gelöscht. Sehr zu Kerras Missfallen.  Sorry, aber ihr kloppt euch kämpft schon noch heldenhaft miteinander, keine Sorge.

An dieser Stelle sei auch gesagt: Danke euch für eure tollen Reviews zu Unstern, die netten Emails und überhaupt. Ihr seid die Besten <3 Die Rezi auf weltenraum hat mich echt geplättet.

Ich tippe auch schon fleißig an der Fortsetzung. Und hoffe, dass ich Kerra nicht wieder versehentlich in ein Messer laufen lasse. (Absichtlich ist ein anderes Thema ;P)

 

Deadlines und Wordcount: Sinn und Unsinn

Man kann kaum ein Gespräch mit einer Autorin führen, ohne dass entweder das Wort Deadline oder Wordcount fällt. Gut, man bekommt auch oft Sachen wie Ich denke, ich bringe ihn einfach um zu hören.

Aber Wordcounts und Deadlines bestimmen den Autorinnenalltag:

Mein Verlag will noch 30 Seiten. – Ich muss die Szene bis Dienstag fertig haben.- Sind 60.000 Worte für YA zu viel oder zu wenig? – Oh Gott, ich schaffe das nie bis August!

Nur wer wirklich nur für sich schreibt, bleibt davon verschont. Doch spätestens wenn ein Testleser im Spiel ist, sieht die Sache anders aus. Denn die anderen Menschen stehen einem nicht 24/7 zur Verfügung und richten ihr Leben kaum nach dem persönlichen Zeitplan aus. (Ich weiß, ich weiß, ich finde das auch eine Frechheit.)

Doch gerade beim Schreiben sind Wordcounts wie Deadlines so eine Sache.

Denn ich kann mir alle Deadlines und Wordcountziele der Welt setzen: Der kreative Prozess lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad erzwingen. Irgendwann ist Schluss, die Muse bockt und der Wordcount/dieDeadline wird entweder nicht erreicht, oder aber das Manuskript ist nicht das, was es werden sollte.

Das klingt ein bisschen nach einer Ausrede, nicht wahr? Ich wollte ja fertig werden, aber ach, die Muse, die Muse! *sinkt in dramatischer Pose auf den Diwan nieder*

Doch es geht mir hier nicht darum, Ausreden dafür zu finden, warum man Deadlines nicht einhalten konnte oder das Buch immer noch nicht erschienen ist. Davon hat schließlich niemand was, am wenigsten der betroffene Autor.

Im Gegenteil, es geht mir darum herauszufinden, wie man Wordcounts und Deadlines so einsetzt, dass sie einem helfen. Denn eines sei hier gleich festgehalten: Es gibt einen Grund, warum sie das Autorenleben bestimmen.

Ohne Deadlines kann man weder mit Testlesern noch Lektoren sinnvoll zusammenarbeiten. “Irgendwann dann” ist nicht gerade eine stichhaltige Antwort, wenn die Betaleserin wissen will, wann sie mit dem Text rechnen kann. Und irgendwie muss man ja auch den Fortschritt messen können, um zu sehen, wo man bei dem Manuskript steht. Der Wordcount bietet sich da an und, Hand aufs Herz, wer von uns ist von NaNoWriMo nicht darauf trainiert, ihn sich als Ziel zu setzen? (Nichts gegen NaNo – ich freue mich jedes Jahr darauf.)

Aber was, wenn man sich nun brav Deadlines und Wordcountziele gesetzt hat und feststellt, dass einen das nicht produktiver macht? Schlimmer noch, wenn es einen demotiviert? Bei allen funktioniert es und was eine richtige Autorin ist, hat Wordcountziele! Tägliche! Und wenn es einen umbringt!

Wie sinnvoll die täglichen 500/1000/2000 Worte sind, wird manchmal gar nicht mehr hinterfragt und das ist der Punkt, an dem ich eben einhaken möchte.

Grundsätzlich gilt wie immer: Ihr kennt euch selbst am besten. Doch oft traut man sich gerade am Anfang nicht, sich keine Wortziele zu setzen. Oder Deadlines. Noch einmal, der Post soll keine Ausreden zum Nichtstun bieten. Er soll euch einfach dazu einladen, euch anzusehen, ob die Art wie ihr aktuell eure Wordcount/Deadline-Ziele setzt für euch auch hilfreich ist.

Nicht alle Autorinnen sind gleich, um nicht zu sagen, man trifft selten eine Gruppe Menschen, die so unterschiedlich das Gleiche tun.

Ich habe über die Jahre für mich und die Art, wie ich funktioniere, viel falsch gemacht: Unerreichbare Deadlines, sinnlose Wortziele und der Ausgang war immer der gleiche: Ich war frustriert, weil ich an meinen Zielen gescheitert bin, habe mir noch strengere Ziele gesetzt oder das Manuskript Monate liegen lassen und mich grundsätzlich sinnlos gestresst, weil ich nicht schreibe, zu wenig schreibe etc etc.

Aber schauen wir uns die berüchtigten Wordcounts und Deadlines einfach näher an.

Wordcounts

Das Gute

  1. Man sieht auf einen Blick, was man geschafft hat und wie viel noch zu tun ist (auch wenn das zum Teil trügt, doch dazu später)
  2. Es ist eine klare Maßeinheit und wir Menschen mögen das. “Eine Szene” kann viel sein, aber an 500 Wörtern lässt sich nicht rütteln.
  3. Sie sind wichtig, da vom fertigen Buch je nach Genre eine gewisse Länge erwartet wird. Wörter zeigen die nackten Tatsachen: 300 Seiten können je nach Seitenformat, Schriftgröße und -art alles sein, aber 70.000 Worte sind 70.000 Worte.

Das Schlechte

  1. Sie können einen täuschen. Gut, das tägliche Wortziel ist erreicht, aber wenn davon die meisten Wörter sinnlose Beschreibung oder überflüssige Adjektive sind, bliebt davon nicht viel über. Schon klar, auch kleine Schritte sind Schritte und zumindest hat man geschrieben, aber in gewissen Phasen sind sie kein guter Anhaltspunkt dafür, zu sehen was man geschafft hat.
  2. Sie verleiten dazu, Blödsinn zu schreiben, nur um das Wortziel zu erreichen. (NaNo anyone?) Oder bin ich die einzige, die sich dabei ertappt hat, Sätze zu schreiben, von denen ich beim Tippen schon wusste, dass sie wieder fliegen werden? Und ja, für mich ist es ein Unterschied, ob ich einen miesen Übergang schreibe, weil ich einfach einen Platzhalter brauche oder ob ich eine Szene in den Text hineinwürge, um den täglichen Wordcount zu erreichen.

Wann sind Wordcounts also eine gute Sache?

Ich persönlich setzte mir Wordcountziele, wenn ich die Rohfassung schreibe. Beim Überarbeiten, wo ganze Szenen fliegen, depremiert mich das sonst viel zu sehr. Obwohl Scrivener brav die Worte zählt (und die gelöschten wieder abzieht *grummel*), benütze ich dafür eine App und zwar

Writeometer (nur Android): Man kann sich ein Tages- und ein Gesamtziel setzen und anhand der Deadline berechnet die App auch den nötigen täglichen Wordcount, um das Ziel zu erreichen. Und erklärt einem mit traurigem Gesicht, dass man drei Wochen später als geplant fertig ist, wenn man sein Schneckentempo beibehält. Ein Alarm erinnert einen ans Schreiben und es gibt sogar ein integriertes Belohnungssystem, wo man für sich selber eintragen kann, womit man sich wann belohnen möchte.

Die Rohfassung ist die einzige Phase, wo ich darauf achte, wie viele Wörter ich schreibe und wie viele ich noch brauche, um rechtzeitig fertig zu sein. Ab dann lasse ich den Wordcount links liegen, weil er mir persönlich dann keine brauchbare Information mehr liefert.

Bei den Überarbeitungen setzte ich mir dann Ziele wie “Kapitel/Szene überarbeiten” oder auch “Szene X” schreiben (ohne Wortanzahl). Da arbeite ich dann ausschließlich mit meinem Whiteboard, wo jede Szene ihre Karteikarte bekommt.

Klingt logisch (hoffentlich zumindest?), aber ich habe lernen müssen, den Wordcount ab einem gewissen Zeitpunkt zu ignorieren.

Deadlines

Manche bekämen ohne sie gar nichts auf die Reihe (“Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe”), andere gehen in dem Abgabestress richtig auf und wieder andere sehen sie als notwendiges Übel, das vor allem von den Kollegen nie eingehalten wird.

Das Gute

  1. Sie machen Druck. Sie sorgen dafür, dass wir in die Gänge kommen und Sachen fertig werden.
  2. Sie organisieren uns. Lektorinnen und Korrektoren wissen, wann der Text auf ihrem Schreibtisch landet, Autorinnen, wann die Fassung vom Testleser zurückkommt. Nur so können Verlage ihr Programm planen und Indieautoren rechtzeitig Slots bei dem Lektor ihrer Wahl buchen.
  3. In einer idealen Welt sorgen sie für einen reibungslosen Ablauf, vor allem bei Projekten, wo mehrere Menschen/Stellen aufeinander angewiesen sind.

Das Schlechte

  1. Sie machen Druck. Manchmal so viel Druck, dass er uns lähmt und wir der Deadline entgegenstarren, wie einem entgegenkommenden Zug.
  2. Eine nicht eingehaltene Deadline sorgt bei zu knapper Planung für einen Dominoeffekt. Da kann man dann zusehen, wie die sorgsam geschmiedeten Pläne nacheinenander umfallen und manche Gelegenheiten auf Nimmerwiedersehen von der Tischkante purzeln. Gut, da kann die arme Deadline nichts dafür. Aber es sei hier trotzdem erwähnt.

Lasst mich gleich an den letzten Punkt anknüpfen: Plant eure Deadlines flexibel! Das heißt, genug Pufferraum, für den Fall, der 100% eintreten wird und der da heißt: Das Leben.

Ihr werdet krank. Das Kind vom Testleser wird krank. Die Designerin lässt sich scheiden. Euer Mail landet im Spam. Die Betaleserin ist AWOL. Euer Laptop gibt den Geist auf. Der Hund frisst die Fahnen.

Mich persönlich machen flexible Deadlines übrigens wahnsinnig. Wie zum Teufel soll ich mein Jahr planen, wenn ich nicht auf die Sekunde weiß, wann was wie fertig ist? *tiefes Atem* Ich weiß auch nicht recht, wo ich mir diesen Persönlichkeitzug eingetreten habe, aber ja, Kontrollzwang, hallo. *winkt* (Der beschränkt sich interessanterweise auf das Schreiben. Ansonsten operiere ich im “Jo mei” Modus.)

Das hat bei mir übrigens auch dafür gesorgt, mir völlig wahnsinnige Deadlines zu setzten, weil immerhin: 10.000 Worte sind nur 2000 pro Tag, sind so 2 Stunden – das wird doch wohl zu machen sein. Na da gehen sich dann doch so 4 Bücher aus, locker und – wie war das? Überarbeitung lässt sich nicht so planen? Lachhaft!

Tatsächlich sind die Überarbeitungen die Schritte, wo meine Planung auseinanderfällt. Jedes.verdammte.Mal. Mittlerweile habe ich begriffen, dass ich mir dafür sehr viel Zeit einräumen muss und ignoriere das Zähneknirschen von meinem Kontrollmonster. Beim Überarbeiten entsteht die Geschichte erst so richtig, ich muss manche Szenen Tage, andere Wochen liegen lassen, bis sich der Knoten löst und DIE Idee da ist, die sich so organisch in den Text einfügt, dass es gar keine andere sein könnte.

Aber das kann man eben nicht planen. Oder ich nicht. Auch wenn ich mir gerne “DI 10 -11:30: Geniales Plotelement” im Kalender notieren würde.

Also setze ich die Deadline immer äußerst großzügig an. Allerdings nicht in so weiter Ferne, dass sich dazwischen auch ein Inselurlaub ausgeht. Und ich fühle rechtzeitig vor, wie es denn bei meinen Alphalesern/meiner Lektorin zeitmäßig aussieht.

Meine Jahresplanung ist also sehr schwammig. Die Deadline für die Rohfassung ist das einzig fixe. Ab dann arbeite ich in mit “ca. 3 Wochen” “hoffentlich bis Ende Juni”, auch wenn mein Kontrollzwang sich weinend in der Ecke hin und her wiegt.

Denn ich habe einfach gelernt, dass ich mich anders nur nutzlos aufreibe. Meinen planungsliebenden Teil versuche ich mit bunten Tabellen so halbwegs bei Laune zu halten und fahre damit um Welten besser als bei meinen verbissenen Versuchen, die Arbeitsweise anderer Autoren nachzuahmen.

Deswegen gerade für die, die noch nicht so lange schreiben: Klammert euch nicht an “den einen Plan” von Bestsellerautor XY oder den Ratgeber Z. Habt den Mut auszuprobieren, was für euch funktioniert. Wie schreibt ihr ganz ohne Deadlines? Arbeitet ihr besser, wenn ihr euch wöchentliche Zeitziele statt täglicher Wortziele setzt? Oder nur mit Szenen und Kapiteln als “Maßeinheit” arbeitet? Braucht ihr den Deadlinedruck oder werdet ihr ohne ebenso pünktlich fertig?

Die Zeit zu investieren um herauszufinden, wie man selber tickt, bringt mehr, als sich komplett zu verbiegen, nur um dem Ratgeberplan F folgen zu können.

Wie geht ihr mit Deadlines und Wordcounts um? Helfen sie euch oder stressen sie eher?