Schreibcamp-Bericht

Letzte Woche,  vom 24. – 28.4, war ich in meinem ersten Schreibcamp überhaupt. Warum das erste? Weil ich bis jetzt schlicht noch über kein Angebot gestolpert bin, das mich interessiert hätte. Die meisten hatten den Grundtenor von: Schreibe in einer schönen Umgebung! Ja, das schaffe ich alleine auch…

Aber dann hat die liebe Jery mir ein Email geschrieben. Paraphrasierter Wortlaut: “Es gibt ein Hardcore-Schreib-Bootcamp. Ich fahre hin und du kommst mit.”

Wer soll da Nein sagen? Außerdem klang es einfach zu gut: Leute brechen weinend zusammen und es gibt eine ganz großartige Küche – damit hat man mich schnell. Mit der Küche, meine ich jetzt.  Organisiert wird es von Michael Marcus Thurner und eingeladener Gast war dieses Mal Robert Corvus: Beides bekannte und erfolgreiche Autoren. (Und auch beides sehr liebe und symathische Menschen. 🙂 )

Es war trotzdem keine leichte Entscheidung. Das Camp klang toll, das Programm klang toll, Leiter und Gast ebenso und dieses Jahr gab es einen Fantasy/SF-Schwerpunkt (!), aber ich wusste einfach nicht, ob ich das finanziell stemmen kann. (Ich rechne ja mittlerweile in Cover/Lektorats-Einheiten. Früher habe ich in Cola Kracher gerechnet. So ändert sich das Leben.)

Ich glaube, ich habe die arme Jery über einen Monat hingehalten. Im Endeffekt habe ich die Entscheidung dann so getroffen, wie ich praktisch jede treffe: Aus dem Bauch heraus. Die Finanzen waren irgendwie aufzutreiben und ich hatte einfach das Gefühl, dass mich dieses Camp wirklich weiterbringen würde. Ich habe tatsächlich noch einen Platz ergattert. (Klar, sonst gäbe es den Beitrag nicht, aber wenn ihr ein Thurner-Camp machen wollt: Früh buchen, Leute! )

Das Schreibcamp hat in Wiener Neustadt stattgefunden – endlich mal eine  Büchersache, für die ich nicht Stunden im Zug verbringen musste! Geschlafen wurde in einem Container-Hotel, aber der Workshop selber war auf einem traumhaften Reitgestüt.

Ich habe mein Handy in dieser Woche kaum angerührt: Live-twittern vom Schreibcamp funktioniert eben nicht. 😉 Dadurch habe ich auch leider wenig bis keine Fotos gemacht, aber stellte euch einfach ein idyllisches Gelände mit zuckersüßen Fohlen vor und ihr wisst, wo ich die Woche verbracht habe. (Mehr Fotos seht ihr im YouTube Bericht von Robert Corvus, wo auch ein Interview mit Marlene von Hagen dabei ist.)

Das Schreibcamp

Die ersten 2 1/2 Tage haben wir die Texte besprochen, die wir eingereicht hatten. Den Reader hatten wir alle vorab bekommen und ich konnte mir von der Kritik der anderen Texten selber einiges mitnehmen. Zum Beispiel beäuge ich jetzt jede meiner geliebten Und-Konstruktionen mit Misstrauen.

Es waren alle respektvoll mit ihrer Kritik der anderen, niemand wurde “fertig gemacht”. Michael Marcus Thurner und Robert Corvus waren sich nicht immer einig und haben wohl auch eine ganz unterschiedliche Arbeitsweise, was ich persönlich sehr spannend gefunden habe.  Es führen eben doch viele Wege nach Rom.

Nach den Textbesprechungen ging es dann mit den anderen Übungen los: Exposes schreiben, Pitchen und Schreibaufgaben (wahlweise Kampf- oder Erotikszenen). Wir haben Kurz-Lesungen unserer eigenen Texte gehalten, auch da war das Feedback wieder Gold wert. Robert Corvus hatte zudem Übung zu Weltenbau, Magiesystemen und Figurenentwicklung im Gepäck.  Diese Mini-Workshops haben wir in immer neu zusammengestellten Kleingruppen gemacht. Es ging hauptsächlich um den Arbeitsprozess – mit den “fertigen” Entwürfen wurde nicht weitergearbeitet – und es war echt spannend zu sehen, wie sich Figuren und Welten entwickeln, wenn man nicht nur die eigenen Gedanken darin verspinnt. Die Gruppenarbeiten haben mich tatsächlich in meinem Wunsch bestärkt, irgendwann einmal ein Projekt mit jemand anderem zu schreiben.

 

Der Schreckensstuhl der Solo-Auftritte. Ich bin regelmäßig vor Nervosität gestorben.

Am Abend war ich dann platt. Irgendwie habe ich es trotzdem geschafft, immer mehr als die geplante halbe Stunde mit den anderen in der Hotel-“Bar” zu versumpfen. Aber gegen solch nette Gesellschaft ist man halt machtlos.

Was hat das Schreibcamp also gebracht? (Außer das eine oder andere Kilo mehr, die Küche war echt fantastisch.) Unglaublich viel Input, der immer noch sickert. Besser kann ich es leider wirklich nicht formulieren. Es hat mir auch gezeigt, dass ich Texte produzieren kann, wenn man mir eine Ausgangsidee hinwirft und den Wecker auf eine Stunde stellt. Da war ich bisher zu nett zu mir. Und – stärker noch als die Büchermessen – hat es mir wieder klar gemacht, wie sehr ich dieses Autorenleben will. (Und natürlich die Bestsellervilla mit Fliederhecke :p)

Wie hart war es jetzt wirklich? Ich habe es nicht als hart empfunden. Früher gab es wohl noch “Hausaufgaben” zum in der Nacht schreiben, das fiel für uns weg. Die Tage waren lange und ja, auch anstrengend, aber es gab gemütliche Mittag/Abendessen und genug Pausen mit anregenden Gesprächen über Gott und die Welt und natürlich das Schreiben. Außerdem: Eine Woche nur Textarbeit mit anderen AutorInnen? Traumurlaub.

Brauche ich auch so ein Schreibcamp? Jein? Das kommt darauf an, was du für eine Art von Mensch und wo du mit deinem Schreiben gerade bist. Es ist kein Geheimtipp für einen “Schreiberfolg”, nichts Richtung “Lerne Bestseller schreiben in 5 Tagen”, aber es kann dich weiterbringen, wenn du offen für  Kritik bist.  Hör auf dein Bauchgefühl (nach einem Blick aufs Konto) und entscheide dann.

Es ist auch sicher jedes Schreibcamp anders, das Programm ist schließlich nur eine Seite und die teilnehmenden Menschen die andere. Ich fand, dass unsere Gruppe gut harmoniert hat und – wie bereits gesagt – kam bei den Feedbackrunden kein unguter Ton auf, Kritik war immer sachlich und wurde nie persönlich.

Werde ich wieder fahren? Ich würde jederzeit wieder fahren. Schon wegen der Küche :p

Wart ihr schon mal auf einem Schreibcamp? Würdet ihr gerne einmal fahren?

 

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6 thoughts on “Schreibcamp-Bericht

  1. Marlene von Hagen says:

    Es war wieder ein tolles Erlebnis! Und im Vergleich zu manchen kurzen Wochenendkursen ist es dann doch nicht so teuer, wie es auf den ersten Blick scheint. Jedenfalls eine sehr gute Investition! Immer wieder gerne!

  2. Jery Schober says:

    Der Wortlaut meiner Email war meiner Erinnerung nach: Ich will da hin, trau mich allein nicht, ich flehe dich an, begleite mich, damit ich nicht allein durchs Fegefeuer der Textkritik muss 😉
    Ich werde den Rest meines Lebens von diesem Tiramisu träumen. Und begegne ebenfalls jedem “und” mit Misstrauen. Und Kaninchen 😀

  3. Mo says:

    Hah! Du hast die Kaninchen unterschlagen! (Die ich mühsam extra aus Deutschland eingeschleppt habe! Dank Jerys “sanfter” Überzeugungsmail)
    Aber in allem anderen stimme ich dir zu: es war die Sache wert! Und nicht nur wegen der feinen Futterei 🙂
    Mir hat dieses Schreibcamp auch einen enormen Schub gebracht. Ich meine: wo sonst bekomme ich ein so umfassendes Feedback zum Text, mit dem ich meine Überarbeitung in Angriff nehmen kann (außer natürlich noch bei DirJery 😉 )
    Und es erweitert den eigenen Horizont, in alle Richtungen, sowohl an den Kritiken gemessen, als auch an den Themen.
    – Wer hätte gedacht, dass ich mich mal in Sci-Fi bewegen würde? Und auch noch Spaß daran habe? –
    Also, wenn ihr mich fragt?
    Wenn ihr ein passendes Angebot findet? Traut euch! Es lohnt sich!

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