3 Gefahren für Selfpublisher

Nach einem Jahr und zwei Büchern als Selfpublisherin stehe ich noch ziemlich am Anfang meiner Karriere. Aber ich habe auch schon viel gelernt, aus meinen Erfahrungen und von den Erfahrungen anderer.

In letzter Zeit habe ich viel mit Selfpublishern geplaudert, die entweder gerade ihr erstes Buch hinausgebracht haben oder kurz davor sind. Dabei sind mir ein paar Sachen aufgefallen, ein paar Selfpublisher-Stolperfallen sozusagen, die ich hier mit euch teilen möchte.

Das sind natürlich nur meine Beobachtungen, fühlt euch frei mir zu widersprechen oder auch sehr gerne in den Kommentaren zu ergänzen.

1.Flaschengeist-Perfektionismus

Perfektionismus erwischt Selfpublisher auf vielen Bereichen. Ich klammere jetzt einmal das Problem aus, das alle Autorinnen vereint – den perfekten Text schreiben zu wollen – und gehe auf etwas ein, was vielen Selfpublishern zu Beginn ihrer Karriere zu schaffen macht: Der Wunsch, das Gleiche bieten zu können, wie ein Verlag.

Wir sind ja unser eigener Verlag, also schmeißen wir auch unsere Marketingabteilung und sind gerade am Anfang sehr bemüht, es allen recht zu machen.

Goodie-Pakte für Blogger, natürlich mit Taschenbuchexemplar – kein Problem. Überhaupt Taschenbücher als Rezensionsexemplare, egal wo die Bloggerin sitzt – wir verschicken auch in die Staaten. Denn wir wollen Ja sagen, wenn Interesse an unseren Büchern da ist, wir brauchen die Rezensionen, die Sichtbarkeit.

Und so bemühen wir uns nach Kräften, wie ein Flaschengeist allen Wünschen entgegenzukommen: Gratis-Lesungen, möglichst kreative Goodies und Taschenbücher für alle, die an den Leserunden mitmachen.

Nichts davon ist schlecht. Aber es schadet auch nicht, innezuhalten, und erst einmal in Ruhe eine Kosten-Nutzen-Rechnung zu erstellen. Und auch einmal bedauernd Nein zu sagen. Ihr müsst nicht auf jeder Hochzeit tanzen, wenn es sich zeitlich, finanziell oder aus sonstigen Gründen einfach nicht ausgeht. Wegen ein paar abgesagten Aktionen werdet ihr nicht gleich in Vergessenheit geraten.

2. Das Amazon-Hamsterrad

Selfpublisher veröffentlichen schneller und mehr als Verlagsautoren. Das hat zum einen sehr viel damit zu tun, dass wir nicht an Programmpläne gebunden sind. Wir können veröffentlichen, wann wir wollen.

Aber Selfpublisher veröffentlichen auch schnell, weil Amazon das mit Sichtbarkeit belohnt. Sichtbarkeit bedeutete mehr Verkäufe, bedeutete bessere Ränge, bedeutet mehr Sichtbarkeit, bedeutet mehr Verkäufe… Ihr seht, was ich damit sagen will. Wir alle fürchten die Klippe, über die Amazon uns nach einer gewissen Zeit tritt, und wo wir zusammen mit unseren Büchern im Nirvana verschwinden.

Die Gefahr für Selfpublisher: Burn-out. Manche Autoren haben noch nicht einmal das erste Buch draußen, und sind jetzt schon gestresst. “Ich habe ein Jahr für ein Buch gebraucht. Wie soll ich da sechs in einem Jahr schaffen?!”

Ehrlich gesagt: Keine Ahnung. Mit Übung wird man schneller und mit einem Diktierprogramm sowieso, aber ganz ehrlich: Du musst keine sechs Bücher im Jahr schaffen. Solltest du? Ja. Zumindest drei wären nicht schlecht. Vom Schönreden hat niemand was, am allerwenigsten Selfpublisher.

Aber bevor du dich in das Hamsterrad wirfst und am Ende darunter landest: Überlege, was für dich realistisch möglich ist. Wie schnell kannst du Bücher schreiben, mit denen du zufrieden bist? Wie lange brauchen deine Alphaleser/Lektoren/Testleser? Kannst du vielleicht die Zeit zwischen Romanen mit kürzeren Texten überbrücken?

Finde ein System, das dich glücklich macht und nicht kaputt.

3. Zu früh veröffentlichen

Das Tolle am Selfpublishing ist, dass man jederzeit mit einem Klick seine Werke mit der Welt teilen kann. Das Problem ist, dass man diesen Klick manchmal überstürzt.

Am Ende eines Buches bin ich meistens fertig mit den Nerven. Ich kann den Text nicht mehr sehen und will ihn einfach nur von meinem Schreibtisch haben. Das Warten auf die Rückmeldungen der TestleserInnen ist für mich die Hölle.

Ich verstehe also jeden, der sein Werk endlich fertig geschrieben hat und einfach nur noch veröffentlichen will.

Doch manchmal ist es zu früh. Vielleicht nur zu früh für dieses Buch, das noch eine Lektoratsrunde vertragen hätte, vielleicht aber auch einfach zu früh für den Autor. Das erste fertige Buch ist eine Leistung, auf die man zu recht stolz sein kann. Trotzdem sind erste Werke manchmal besser in der Schublade aufgehoben.

Um ehrlich zu sein, bin ich sehr froh, dass Selfpublishing vor 16 Jahren noch keine Option war. Denn da hatte ich meinen ersten Roman fertig  und ich bin froh, dass ich nicht in die Versuchung kommen konnte, auf “Publish” zu drücken. Und dass die Diskette mit “Dämonentanz” verschollen ist.

Ich würde das Buch – vor allem wenn es das erste ist – auf jeden Fall Testlesern geben. Nicht der Verwandschaft oder den besten Freunden, sondern Menschen, die einem ungeschminkt die Wahrheit sagen können. Ja, man hat bereits Monate oder auch Jahre investiert und will endlich veröffentlichen, aber trotzdem. Durchatmen. Das Werk kritisch lesen lassen. Und in der Zwischenzeit am nächsten schreiben.

Denn ein Buch aus dem Netz zu nehmen und neu überarbeitet zu veröffentlichen ist zwar möglich, aber wenn ich den Erfahrungsberichten trauen kann, nicht sonderlich lustig. Und oft auch eine Zeit- und Geldverschwendung: Das Buch hatte bereits seine Leser, die werden die neue Version nicht kaufen. Im Gegenteil, die sind oft verärgert, dass ihnen das schon gekaufte Buch neu präsentiert wird und sie auf dem “minderwertigen” Exemplar sitzen.

Vielleicht findet ihr mit der überarbeiteten Version tausende neue LeserInnen, vielleicht auch nicht. Aber  ihr habt wieder Kosten für ein weiteres Lektorat, ein anderes Cover – Geld, das ihr vermutlich lieber in ein neues Projekt stecken würdet.

Also zieht die Hand, die mit dem Mauspfeil über “Veröffentlichen” schwebt, noch einmal zurück. Zumindest so lange, bis euch eure TestleserInnen grünes Licht gegeben haben. Und dann: Viel Erfolg!