Dämonen

Ich habe beim Schreiben eine Regel: Ein Projekt nach dem anderen. Während ein Manuskript bei der Alphaleserin oder im Lektorat ist, arbeite ich an anderen Sachen, aber bevor das Hauptprojekt fertig ist, erlaube ich mir keine andere Spielwiese.

Jetzt ärgert mich aber schon die längste Zeit ein hartnäckiges Plotbunny, das gerne ein einbändiger Roman in der Unsternwelt wäre. Es würde suuuuper hineinpassen und überhaupt, etwas Einbändiges kann man ja ruhig mal dazwischenschieben. Soweit die Logik des Plotbunnys.

Und weil es einfach keine Ruhe gibt, habe ich heute auf Twitter gefragt, wie Leute, die an mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten, ihre Zeit auf die verschiedenen Projekte aufteilen. Denn auch wenn ich sehr intensiv mit dem Bunny flirte, habe ich ein schlechte Gewissen, denn Unstern hat einfach absolute Priorität.

Die Diskussion scheint beim einen oder anderen einen Nerv getroffen zu haben, und deswegen hatte ich das Bedürfnis, hier noch etwas dazu zu schreiben.

Es geht um Zielsetzung. Darum, was man vom Schreiben will. Und um Dämonen.

Der Grund, warum ich die oben erwähnte Regel für mich eingeführt habe, ist ein einfacher. Ich habe früher sehr viel gleichzeitig geschrieben. Immer Fantasy, aber die verschiedensten Welten und Geschichten. Mit dem Effekt, dass nie etwas fertig geworden ist. Die Geschichten sind halbfertig liegen geblieben, weil ich stecken geblieben bin, weil mich ein anderes Projekt mehr interessiert hat – die Gründe waren vielfältig.

Meine Schwester hat mir irgendwann erzählt, dass sie meine ganzen halbfertigen Geschichten heimlich gelesen hat und sich immer darüber geärgert hat, dass ich einfach nichts fertig gemacht habe. Nur warum habe ich das nicht? Einfach, weil ich mich zwischen den tausend Projekten verloren habe, anstatt die Priorität auf eines zu setzten. Das kam erst, als ich “diese Autorensache” ernsthaft angegangen bin.

Aber dass ich Autorin sein wollte, das war mir immer klar. Schon in der Schule wusste ich: Das will ich. Schreiben und davon leben. Mit, ich glaube 18, kam dann mit dem Wolfgang-Hohlbein-Preis eine Deadline von außen und ich habe endlich einen Roman fertig geschrieben. Und dann bin ich wieder von Projekt zu Projekt gehüpft, denn warum auch nicht? Hin und wieder wurde eine Rohfassung fertig, aber überarbeiten? Nicht doch. Das neue Projekt ist viiieeel spannender.

Nicht falsch verstehen. Es ist nicht schlimm, eine Geschichte abzubrechen, wenn man merkt, dass der Plot doch nicht so weit reicht, das Thema doch nicht so spannend ist. Es ist auch nicht schlimm, nie fertig zu werden und an tausend Sachen gleichzeitig zu schreiben.

Außer, wenn es das ist. Wenn es schlimm ist, weil man ja fertig werden will, veröffentlichen will, endlich einmal etwas in der Hand halten will.

Und das wollte ich! Und irgendwann hatte ich den Punkt erreicht, wo ich mir die Frage nach dem Warum gestellt habe. Warum werde ich nicht fertig? Warum breche ich so viel ab, verliere das Interesse, fange tausend verschieden Geschichten an? Leichte Antwort: Einfach so viele deen! Aber das erklärt nicht, warum ich ums Verrecken nichts fertig machte.

Also wo liegt der Hund wirklich begraben?

Manche Ursachen sind tatsächlich leicht zu klären. Falsch geplottet oder nicht genug, nach der Hälfte eine langweilige Richtung eingeschlagen – daraus lernt man und macht es beim nächsten Mal besser.

Andere Ursachen haben tiefere Wurzeln. In unserer Kindheit, in Erfahrungen, die wir gemacht haben, Lektionen, die wir lernen mussten. In Erwartungen, Forderungen, die wir und andere an uns haben. Sie hängen zusammen mit Wünschen, Selbstwert und Träumen. Denn eine unfertige Erstfassung ist ein sicherer Ort. Es kann noch alles werden, kann noch das Meisterwerk werden, das wir von uns erwarten. Wir können davon tagträumen, wie toll das Buch wird, wie fantastisch unser Autorenleben.

Wenn wir tatsächlich ein Buch fertig machen, es aus der Hand geben, werden unsere Träume mit der Realität konfrontiert.

Was, wenn wir nicht gut genug sind, um zu schreiben? Wenn alle unsere Texte hassen? Wenn wir mit dem, was wir ein Leben lang werden wollten, scheitern? Was machen wir dann? Wer zum Teufel sind wir dann noch?

Ängste wie diese sind mächtig und sie pfuschen uns öfter und unauffälliger ins Handwerk als wir meinen.

Will ich jetzt damit sagen, dass alle, die an meheren Projekten arbeiten nur Angst davor haben, etwas fertig zu machen? Großer Gott, nein! Natürlich nicht. Das hier ist meine persönliche Erfahrung und kein “Ich habe die alleinige Weisheit mit den Löffeln gefressen”-Post.

Wir alle haben andere Ziele. Ich will vom Schreiben leben können und hätte mir meinen eigenen Traum beinahe mit meinem Projektgehüpfe versaut, weil ich Angst vor dem Realitätscheck hatte.  Du willst vielleicht einfach nur Spaß daran haben oder hin und wieder was mit Freunden teilen. Oder du bist einfach viel viel geduldiger als ich, die am liebsten jeden Tag ein Buch veröffentlichen würde.

Und das ist alles wunderbar.

Aber wenn du veröffentlichen willst und vor tausend angefangenen Projekten sitzt, dann geht es dir vielleicht wie mir früher. Und dann frage dich:

Bin ich mit meiner derzeitigen Arbeitsweise glücklich? Warum habe ich tausend angefangene Fragmente auf dem PC, aber mache nichts fertig? Liegt es am Plotten? An der Charakterentwicklung? Oder höre ich einfach immer auf, wenn es schwierig wird, anstatt mich durchzubeißen?  Warum mache ich das?

Diese Fragen kann nur jede/r für sich beantworten. Aber sich mit den eigenen Dämonen zusammenzusetzten, kann bei der Suche nach Antworten helfen.

Dieser Post soll niemanden angreifen, der viel gleichzeit schreibt. Ihr wisst am besten, was für euch und euer Schreiben richtig und zielführend ist. Mir war dieser Post einfach ein Bedürfnis, weil ich mich jahrelang hinter “Ich bin gerade nicht inspiriert/Die Szene ist mir jetzt zu schwer/etc.” versteckt habe. 

Und an die, die gleichzeitig schreiben, um zu veröffentlichen: Teilt ihr das nach Stunden auf, nach Tagen? Nach Deadlines von eurem Lektor?

Amazon und die Autorin

Mein Blog wird unsanft mit einem brutalen Thema aus dem Schlaf gerüttelt. Mit Monopolstellungen und Zahlen. Sagt man als Autorin, wenn es in einem Shop nicht gut läuft? Ich weiß es nicht, aber: Warum eigentlich nicht? Ich bin eine Freundin von Austausch und Erfahrungsberichten und deswegen:

Mein Jahr auf Amazon und Tolino inkl. feschem Tortendiagramm.

Man kann über Amazon eine Menge sagen. Es ist kein Traumunternehmen, es reißt Märkte an sich und dort zu arbeiten stelle ich mir beschränkt lustig vor. Für mich als Indie-Autorin kommt dann das große ABER: Ohne Amazon gäbe es Selfpublishing in dieser Form nicht. Sie haben den Indie-AutorInnen den Weg geebnet, sie diskrimieren nicht: Egal ob Groß-, Klein- oder Selbstverlag, alle Bücher werden gleichberechtigt präsentiert. Die LeserInnen entscheiden, was sie wollen und in den Amazoncharts finden sich nicht wenige Indie-Titel.

So weit, so naja. Denn das Problem von Platzhirschen ist, dass sie von heute auf morgen die Regeln ändern können. Amazon hat quasi über Nacht  Prime Reading eingeführt und die Indie-Szene hat erstmal kollektiv zum Riechsalz gegriffen. Die Gemüter haben sich nur langsam beruhigt, denn es hat wieder eines vor Augen geführt: Wenn ich mit meinen Büchern bei einem einzigen Anbieter bin und dieser die Regeln ändert, kann ich als AutorIn sehr schnell weg vom Fenster sein.

Wenn Amazon beschließt, statt 70% nur noch 30% auszuschütten, können sich die AutorInnen entweder beugen oder gehen. Nur: Wohin? Kein anderer Shop bietet aktuell auch nur annähernd vergleichbare Sichtbarkeit. Amazon hat schlicht keine ernstzunehmende Konkurrenz.

Als ich im Mai 2017 Unstern veröffentlicht habe (ja, es ist ein Amazonlink :p), wollte ich diese Abhängigkeit eben nicht. Also stellte ich das Buch auch auf Tolino. Und wartete. Und nichts passierte. Tolino machte Werbung. Ein kurzes Aufleben – was bei einem Verkauf von praktisch 0 nicht schwer ist – und dann wieder nichts.

Das soll kein Tolino-Bashing sein. Die Leute, mit denen ich geschrieben habe, waren alle sehr nett und ich weiß von Kollegen, bei denen Tolino super läuft und Amazon dafür  nicht und habe Gerüchte gehört, dass sich bei manchen die Verkäufe fast 50-50 auf die Plattformen aufteilen.

Bei mir sieht es nach guten 8 Monaten allerdings so aus:

Theoretisch bin ich nicht von Amazon abhängig, denn ich bin ja bei Tolino. Praktisch gehe ich genauso baden wie der Rest der Amazon-only AutorInnen, wenn Amazon die Regeln zu unserem Nachteil ändert. Denn Unstern verkauft sich brav. Aber nur auf Amazon.

Eine theoretische Absicherung hilft mir leider nicht und nach einigem Grübeln und Gesprächen mit Freunden und Autorengruppen, habe ich nun eine Entscheidung getroffen.

Im Jänner werde ich Unstern in KindleUnlimited* geben und den zweiten Teil, wenn er dann erscheint, auch.

Ob Dark Fantasy mit genau 0 Romantik dort läuft? Ich habe keine Ahnung. Aber ich werde es herausfinden – und berichten. Vielleicht breche ich den Versuch nach den drei Monaten ab und kehre zu Tolino zurück. Vielleicht schießen meine Zahlen bei Tolino, Weltbild und Co in den nächsten zwei Wochen dermaßen in die Höhe, das es Wahnsinn wäre von dort wegzugehen. Wahrscheinlich aber nicht. Und deswegen beginnt für mich im neuen Jahr das Experiment Dark Fantasy und KU.

Meine Tolino-LeserInnen: Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich das machen soll, da ich immer noch die Hoffnung/Illusion habe, dass es sich bei Tolino einfach nur um ein Geduldsspiel handelt. Ich will niemanden ausschließen und verstehe gut, wenn jemand nicht bei Amazon kaufen will. Aber – und das ist die grausame Realität – meine Designerin und meine Lektorin werden sich nicht ewig von mir mit Palatschinken bezahlen lassen. Vermutlich, weil sie die schlecht an Vermieter und Stromlieferanten weitergeben können. Und deswegen muss ich fürs Erste den aktuellen Zahlen folgen. Und die führen nun einmal zu Amazon.

*Kindle Unlimited ist ein Leseabo für Kindle. Die AutorInnen, die dort dabei sind, dürfen ihre ebooks nur für Kindle anbieten. Print ist allerdings nicht auf Amazon gebunden.

Bye bye Blog

Dieser Post ist mir erstaunlich schwer gefallen. Für mich persönlich erstaunlich, weil ich schon Monate nicht mehr wirklich zum Bloggen gekommen bin, wenn man von den angefangenen und nie fertiggeschriebenen Fragmenten in der Draft-Box absieht. Aber es war schön zu wissen, dass der Blog da war. Schön, und gleichzeitig auch stressig. Wie alles, was zu lange unerledigt auf der ToDo-Liste herumkugelt.

Als ich meine Autorenseite erstellt habe, war völlig klar: Nur mit Blog. Eine Webseite mit Blog wirkt einfach lebendiger und außerdem schwafel ich gerne über meinen Autorinnenalltag und Themen aller Art. Ich blogge nämlich gerne und ich tue es vor allem schon sehr lange, mit den verschiedensten Blogs auf unterschiedlichen Plattformen. Bloggen war in den letzten Jahren einfach eine Konstante in meinem Internetleben.

Aber irgendwann hatte ich dann genau das, was ich nicht wollte: Einen Blog über das Schreiben. Denn seien wir uns ehrlich – das interessiert hauptsächlich andere AutorInnen und der Blog war eigentlich für meine LeserInnen gedacht. Also habe ich die “Logbuch-Kategorie” eingeführt, um wieder persönlicher zu werden, wegzukommen von verlockenden Posts zum Thema Prokrastination, Produktivität oder dem Schreiben von Sexszenen.

Denn dafür gibt es tausend andere Blogs, unzählige Ratgeber und gefühlte 40.000 Experten. Dafür braucht es meinen Blog nicht. Und mittlerweile ist auch alles ein bisschen anders: Ich habe einen Newsletter, in dem ich von meinem Alltag als Autorin erzähle, ich bin auf Facebook, wo ich ebenfalls aus dem Nähkästchen plauder und Schreibthemen in entsprechenden Gruppen diskutiere. Ich tweete und instagramme und bin jetzt auch auf Pinterest – zig Kanäle, die mir unglaublich viel Spaß machen, aber auch Arbeit bedeuten. Und vor allem: Auf denen ich bereits erzähle, was ich früher gebloggt habe.

Wann immer ich mich in den letzten Wochen an einen Blogbeitrag gesetzt habe, kam ich über einen Absatz nicht hinaus. “Das hast du schon getwittert. Das stand im Newsletter. Das habe ich doch auf FB thematisiert.” Und dann wurde der Laptop wieder zugeklappt.

Natürlich funktioniert ein Blog anders. Man kann längere Texte schreiben, mehr in die Tiefe gehen und auch Themen ansprechen, die in der Schnelllebigkeit der SocialMedia- Kanäle untergehen. Und deswegen habe ich immer wieder gezögert, diesen Blog abzuschaffen.

Doch in den letzten Wochen ging es hoch her. Die Überarbeitung von Unstern 2 hat mich fast umgebracht, ich habe mich bemüht auf Facebook präsenter zu sein, der dritte Teil wollte geplottet werden, ich habe unglaublich viel für andere testgelesen und bin dem tollen Nornennetz beigetreten – in dem ich mich endlich aktiver einbringen möchte – dazu kam persönlicher und beruflicher Kram und in regelmäßigen Abständen piepste dann Wunderlist auf mit: Blogpost schreiben! und ich musste mir ein paar harte Frage stellen:

  • Was mache ich auf dem Blog, was ich nicht schon mit dem Newsletter, Facebook und Twitter abdecke? Antwort: Nichts, außer längere Beiträge zum Schreiben.
  • Will ich einen Schreibratgeber-Blog? Antwort: Nein. Außerdem: Was zum Teufel qualifiziert mich dazu?
  • Kostet mich der Blog – trotz unregelmäßiger Posterei – Zeit und Kraft, die ich sinnvoller investieren könnte? Antwort: Ja.

Das Fazit war bitter, aber klar: Ein Aus für den Blog.

Ich muss gestehen, dass  mich diese Entscheidung hauptsächlich mit Wehmut zurücklässt. Der Blog wird mir fehlen und da ich eine alte Bloggerin bin, kann ich nicht sagen, dass er nicht irgendwann wieder wachgeküsst werden wird. Aber bevor er vernachlässigt Internetstaub ansetzt, mache ich lieber einen klaren Schnitt.

Bye bye Blog. Es war schön mit dir.

Logbuch #9: Buchmesse und ein trollendes Manuskript

Na ihr Lieben, was tut sich bei euch? Genießt ihr den Sommer oder sehnt ihr bereits den Herbst herbei?

Bei mir geht es zur Zeit ziemlich rund. Ich fahre wie wild in der Gegend herum und schreibe auch wie wild.

Mein Mondschieber-Manuskript trollt mich dabei irgendwie. Immer wenn ich glaube, ich werde fertig, stolper ich über etwas Neues.

Ich, am Montag: Yay, bis zum Sonntag bin ich endlich fertig!
Manuskript: Haha, nope.

Das geht jetzt schon seit drei Wochen so. Da noch ein Übergang, dort doch noch eine Szene… Erstfassungen sind bei mir immer deutlich kürzer als der überarbeitete Roman. Die Erstfassung vom Mondschieber ist jetzt schon fast so lang wie der fertige Unstern, obwohl ich schon ganze Szenen gekickt habe – wohin soll das noch führen? o.O

Apropos Unstern, die liebe Katania hat ein Interview mit mir gemacht. 5 Fragen über mich und 5 über Unstern. Schaut doch einmal bei ihr vorbei 🙂 Sie hat einen wirklich netten Blog.

Auf Facebook bin ich jetzt auch aktiv unterwegs. Wenn ihr vorbeischauen wollt, klickt hier. ich freu mich, wenn ihr mir eure Daumen dortlässt. (Ok, das klang jetzt etwas creepy. Likes. Ich freue mich über Likes, nicht über Körperteile.) Dort bin ich auch bei einer Fantasy-Aktion dabei, über die ich euch zum gegebenen Zeitpunkt noch genaueres erzählen werde. Offensichtlich werden dafür aber Videos gemacht, und ich fürchte mich jetzt schon. ^^”

Und *trommelwirbel* ich bin auf der Buch Berlin! Zusammen mit einer zweiten österreichischen Fantasyautorin, nämlich mit M.D. Grand. Ich freue mich total! Die Planung läuft schon auf vollen Touren, obwohl die Messe erst im November ist. Aber das ist meine erste Messe mit eigenem Stand und da gehört entsprechend viel vorbereitet.

Ich habe auf Facebook eine kleine Umfrage gestartet, über welche Goodies/Sachen zum Buch sich die LeserInnen denn ganz allgemein so freuen und Stofftaschen bzw. Tassen mit Zitaten wurden gerne genannt. Also blättere ich zur Zeit durch Unstern und suche nach Zitaten, die sich dort gut machen würden.Allerdings bin ich irgendwie textblind: Ich sehe da einfach nichts.

Wenn ihr Unstern also gelesen habt und Vorschläge für fesche Zitate habt, würde ich mich irrsinnig freuen, wenn ihr mir ein bisschen unter die Arme greift und einer armen, vom eigenen Manuskript getrollten Autorin eure Ideen in die Kommentaren schreibt. Oder auch gerne auf Twitter/Facebook/Instagram oder per Mail (katrin.s.ils@gmail.com).

Ja, ich bin überall. Es gibt kein Entkommen. *muahahahaha*

Ähm. *räusper*

Wart ihr schon einmal auf der Buch Berlin? Welche Messebesuche habt ihr für den Herbst geplant?

Autorin auf Reisen: Schweden

Wenn Autorinnen eine Reise tun, haben sie natürlich ein Manuskript im Gepäck. Bei mir waren es sogar zwei: Die Rohfassung von Unstern 2 aka Mondschieber und mein Sirenenprojekt, dass ich vor gut eineinhalb Jahren geschrieben habe.

Mein Ziel für Stockholm war: Erholen, schreiben und die Sirenen lesen, um zu sehen, ob ich noch was drauß machen kann. (Spoiler: Die Sirenen hätte ich mal besser in Wien gelassen. Eieieie.)

Die von euch, die mir auf Instagram, Twitter und Facebook folgen, konnten meinen unheiligen Zimtschneckenkonsum live mitverfolgen – die Mengen, die ich verdrückt habe, war echt nicht mehr feierlich. ^^” Aber ich musste sie nicht selber machen! Wie kann man da wiederstehen? Denn abgesehen davon, dass der Teig mich jedes Mal anzickt, ist es einfach eine unglaubliche Patzerei. Ich erinnere mich an eine denkwürdige Kanelbulle-Zubereitung, bei der mir der Teig den Nagellack von den Fingern gezogen hat… -.-

Aber ich schweife ab – wie immer *g*

Stockholm war toll: Eine nette Stadt mit gutem Kaffee und ich hatte nicht nur einen superhübschen Schreibtisch zum Arbeiten, sondern auch einen Balkon! <3 Autorinnenherz, was willst du mehr? Dank des Wetters konnte ich ihn leider nicht so oft nützen, aber das war immer noch mehr Balkon, als ich hier habe.

Das ich trotzdem nicht so viel geschafft habe, wie geplant, lag daran, dass mir dieser Urlaub dazwischengekommen ist, von dem immer alle reden :p

Ich habe Kaffe getrunken, mein Körpergewicht in Kanelbullar gegessen, bin im Nationalpark herumgekrochen und Boot gefahren – und mit tausend neuen Ideen nach Wien zurückgekommen 🙂

Schweden
Rentier
Kanelbulle
Nationalpark

Wie jedes Mal nach dem Urlaub (fein, nach Taiwan war das erste und bis jetzt einzige Mal – da seht ihr, ich sollte dringend öfter Urlaub machen) verlose ich Kleinigkeiten, die ich mitgenommen habe. Dieses Mal läuft die Verlosung allerdings über den Newsletter, zu dem ihr euch hier anmelden könnt: klick *liebschau*

Ich weiß, das ist total gemein von mir – obwohl, cooler Newsletter und Schokolade? Win – Win! – und als Trost deswegen hier mein geliebtes Zimtschneckenrezept. Tipp: Teig nicht mit lackierten Nägeln kneten.

Zimtschnecken (32 Stück)

Wenn man sich die Arbeit antut, wirklich gleich mehr machen und den Rest einfrieren.

Teig: 400 ml Milch/120 g Butter/1 Würfel Germ (Hefe)/1 Ei/750 g Mehl (glatt)/1/2 TL Salz/120 g Staubzucker/gemahlener Zimt und Kardamom

Fülle: 120 g weiche, streichfähige Butter/120 g Kristallzucker/Zimt und Kardamom nach Geschmack

Bestreichen: 1 Ei (also ingesamt 2 Eier für das Rezept)

  1. Milch langsam erwärmen. 1/4 der Milch in einem Gefäß lauwarm werden lassen. Die restliche Milch vom Herd nehmen und die Butter hineingeben.
  2. Mehl, Salz, Staubzucker (bis auf einen Teelöffel!) und Zimt in einer Schüssel mit einer grobzackigen Gabel vermischen.
  3. In die lauwarme Milch den Germ und den TL Staubzucker geben und verrühren, bis der Germ sich aufgelöst hat. (Funktioniert genauso mit Trockengerm/hefe. I Sackerl = 21 g frischer Germ)
  4. Ei verquirreln
  5. Germmilch, “Buttermilch” und Ei zur Mehlmischung geben und verkneten, bis sich der Teig von der Schüssel löst. (mit unlackierten Nägeln)
  6. Schüssel mit Tuch bedecken und an einem warmen Ort 30 Minuten ruhen lassen.
  7. Teig noch einmal kurz durchkneten, ausrollen und mit der Butter bestreichen.
  8. Zucker mit Zimt und Kardamom mischen und gleichmäßig auf dem Teig verteilen.
  9. Von der Längsseite her aufrollen und mit einem Messer in Stücke schneiden. Wirklich schneiden, nicht reißen, sonst endet das in Tränen.
  10. Die Schneckenstücken auf ein Blech mit Backpapier legen (Platz zum Aufgehen lassen), etwas flachdrücken, mit einem Tuch zudecken und weitere 30 Minuten gehen lassen.
  11. Ofen auf 250 Grad Ober-Unterhitze vorheizen.
  12. Schnecken ca. 8 – 10 Minuten backen und mit einem Tuch bedeckt auf einem Gitter auskühlen lassen.

Gutes Gelingen!

Steht euer Sommerurlaub noch an? Wart ihr schon einmal in Schweden?

 

Logbuch #8: Saunaabenteuer (Gilt das als Klickbait?)

Na, wie läuft eure Woche denn so? Ich bin ja am Überlegen, Aufgüsse in meinem Wohnzimmer zu veranstalten und das als “Urbanes Saunaerlebnis” über willhaben anzubieten.

Das Positive an der Hitze : Ich klebe quasi auf dem Stuhl vor dem Laptop fest, kann also gar nicht anders, als zu schreiben. 😉 Natürlich klebt man auch überall sonst fest (ich sag nur Öffis bei 30 Grad), aber wir haben erst Juni und ich will meine Hitzesudderei nicht in einem Blogpost aufbrauchen.

Dabei mag ich die Hitze eigentlich. Sobald es 27 + Grad hat, bekomme ich Urlaubsgefühle, egal wie mies der Tag gerade läuft.

Allerdings passieren mir bei diesen Innentemperaturen manchmal auch dumme Schnitzer. Ich hatte eine Szene geschrieben, in der Kerra Maran am Kragen packt (BFFs die sie nun einmal sind). In der Abendkühle hat Maran mich dann daran erinnert, dass sie a) bewaffnet ist und außerdem b) nicht mehr viel zu verlieren hat, weswegen c) diese Aktion von Kerra das Buch und die Reihe mit dem unspektakulären Tod der Protagonistin recht abrupt beenden würde. (Das d) auch Kerra nicht so dämlich ist, kam dann von mir, Maran ist da anderer Meinung :p)

Also Szene wieder gelöscht. Sehr zu Kerras Missfallen.  Sorry, aber ihr kloppt euch kämpft schon noch heldenhaft miteinander, keine Sorge.

An dieser Stelle sei auch gesagt: Danke euch für eure tollen Reviews zu Unstern, die netten Emails und überhaupt. Ihr seid die Besten <3 Die Rezi auf weltenraum hat mich echt geplättet.

Ich tippe auch schon fleißig an der Fortsetzung. Und hoffe, dass ich Kerra nicht wieder versehentlich in ein Messer laufen lasse. (Absichtlich ist ein anderes Thema ;P)

 

Deadlines und Wordcount: Sinn und Unsinn

Man kann kaum ein Gespräch mit einer Autorin führen, ohne dass entweder das Wort Deadline oder Wordcount fällt. Gut, man bekommt auch oft Sachen wie Ich denke, ich bringe ihn einfach um zu hören.

Aber Wordcounts und Deadlines bestimmen den Autorinnenalltag:

Mein Verlag will noch 30 Seiten. – Ich muss die Szene bis Dienstag fertig haben.- Sind 60.000 Worte für YA zu viel oder zu wenig? – Oh Gott, ich schaffe das nie bis August!

Nur wer wirklich nur für sich schreibt, bleibt davon verschont. Doch spätestens wenn ein Testleser im Spiel ist, sieht die Sache anders aus. Denn die anderen Menschen stehen einem nicht 24/7 zur Verfügung und richten ihr Leben kaum nach dem persönlichen Zeitplan aus. (Ich weiß, ich weiß, ich finde das auch eine Frechheit.)

Doch gerade beim Schreiben sind Wordcounts wie Deadlines so eine Sache.

Denn ich kann mir alle Deadlines und Wordcountziele der Welt setzen: Der kreative Prozess lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad erzwingen. Irgendwann ist Schluss, die Muse bockt und der Wordcount/dieDeadline wird entweder nicht erreicht, oder aber das Manuskript ist nicht das, was es werden sollte.

Das klingt ein bisschen nach einer Ausrede, nicht wahr? Ich wollte ja fertig werden, aber ach, die Muse, die Muse! *sinkt in dramatischer Pose auf den Diwan nieder*

Doch es geht mir hier nicht darum, Ausreden dafür zu finden, warum man Deadlines nicht einhalten konnte oder das Buch immer noch nicht erschienen ist. Davon hat schließlich niemand was, am wenigsten der betroffene Autor.

Im Gegenteil, es geht mir darum herauszufinden, wie man Wordcounts und Deadlines so einsetzt, dass sie einem helfen. Denn eines sei hier gleich festgehalten: Es gibt einen Grund, warum sie das Autorenleben bestimmen.

Ohne Deadlines kann man weder mit Testlesern noch Lektoren sinnvoll zusammenarbeiten. “Irgendwann dann” ist nicht gerade eine stichhaltige Antwort, wenn die Betaleserin wissen will, wann sie mit dem Text rechnen kann. Und irgendwie muss man ja auch den Fortschritt messen können, um zu sehen, wo man bei dem Manuskript steht. Der Wordcount bietet sich da an und, Hand aufs Herz, wer von uns ist von NaNoWriMo nicht darauf trainiert, ihn sich als Ziel zu setzen? (Nichts gegen NaNo – ich freue mich jedes Jahr darauf.)

Aber was, wenn man sich nun brav Deadlines und Wordcountziele gesetzt hat und feststellt, dass einen das nicht produktiver macht? Schlimmer noch, wenn es einen demotiviert? Bei allen funktioniert es und was eine richtige Autorin ist, hat Wordcountziele! Tägliche! Und wenn es einen umbringt!

Wie sinnvoll die täglichen 500/1000/2000 Worte sind, wird manchmal gar nicht mehr hinterfragt und das ist der Punkt, an dem ich eben einhaken möchte.

Grundsätzlich gilt wie immer: Ihr kennt euch selbst am besten. Doch oft traut man sich gerade am Anfang nicht, sich keine Wortziele zu setzen. Oder Deadlines. Noch einmal, der Post soll keine Ausreden zum Nichtstun bieten. Er soll euch einfach dazu einladen, euch anzusehen, ob die Art wie ihr aktuell eure Wordcount/Deadline-Ziele setzt für euch auch hilfreich ist.

Nicht alle Autorinnen sind gleich, um nicht zu sagen, man trifft selten eine Gruppe Menschen, die so unterschiedlich das Gleiche tun.

Ich habe über die Jahre für mich und die Art, wie ich funktioniere, viel falsch gemacht: Unerreichbare Deadlines, sinnlose Wortziele und der Ausgang war immer der gleiche: Ich war frustriert, weil ich an meinen Zielen gescheitert bin, habe mir noch strengere Ziele gesetzt oder das Manuskript Monate liegen lassen und mich grundsätzlich sinnlos gestresst, weil ich nicht schreibe, zu wenig schreibe etc etc.

Aber schauen wir uns die berüchtigten Wordcounts und Deadlines einfach näher an.

Wordcounts

Das Gute

  1. Man sieht auf einen Blick, was man geschafft hat und wie viel noch zu tun ist (auch wenn das zum Teil trügt, doch dazu später)
  2. Es ist eine klare Maßeinheit und wir Menschen mögen das. “Eine Szene” kann viel sein, aber an 500 Wörtern lässt sich nicht rütteln.
  3. Sie sind wichtig, da vom fertigen Buch je nach Genre eine gewisse Länge erwartet wird. Wörter zeigen die nackten Tatsachen: 300 Seiten können je nach Seitenformat, Schriftgröße und -art alles sein, aber 70.000 Worte sind 70.000 Worte.

Das Schlechte

  1. Sie können einen täuschen. Gut, das tägliche Wortziel ist erreicht, aber wenn davon die meisten Wörter sinnlose Beschreibung oder überflüssige Adjektive sind, bliebt davon nicht viel über. Schon klar, auch kleine Schritte sind Schritte und zumindest hat man geschrieben, aber in gewissen Phasen sind sie kein guter Anhaltspunkt dafür, zu sehen was man geschafft hat.
  2. Sie verleiten dazu, Blödsinn zu schreiben, nur um das Wortziel zu erreichen. (NaNo anyone?) Oder bin ich die einzige, die sich dabei ertappt hat, Sätze zu schreiben, von denen ich beim Tippen schon wusste, dass sie wieder fliegen werden? Und ja, für mich ist es ein Unterschied, ob ich einen miesen Übergang schreibe, weil ich einfach einen Platzhalter brauche oder ob ich eine Szene in den Text hineinwürge, um den täglichen Wordcount zu erreichen.

Wann sind Wordcounts also eine gute Sache?

Ich persönlich setzte mir Wordcountziele, wenn ich die Rohfassung schreibe. Beim Überarbeiten, wo ganze Szenen fliegen, depremiert mich das sonst viel zu sehr. Obwohl Scrivener brav die Worte zählt (und die gelöschten wieder abzieht *grummel*), benütze ich dafür eine App und zwar

Writeometer (nur Android): Man kann sich ein Tages- und ein Gesamtziel setzen und anhand der Deadline berechnet die App auch den nötigen täglichen Wordcount, um das Ziel zu erreichen. Und erklärt einem mit traurigem Gesicht, dass man drei Wochen später als geplant fertig ist, wenn man sein Schneckentempo beibehält. Ein Alarm erinnert einen ans Schreiben und es gibt sogar ein integriertes Belohnungssystem, wo man für sich selber eintragen kann, womit man sich wann belohnen möchte.

Die Rohfassung ist die einzige Phase, wo ich darauf achte, wie viele Wörter ich schreibe und wie viele ich noch brauche, um rechtzeitig fertig zu sein. Ab dann lasse ich den Wordcount links liegen, weil er mir persönlich dann keine brauchbare Information mehr liefert.

Bei den Überarbeitungen setzte ich mir dann Ziele wie “Kapitel/Szene überarbeiten” oder auch “Szene X” schreiben (ohne Wortanzahl). Da arbeite ich dann ausschließlich mit meinem Whiteboard, wo jede Szene ihre Karteikarte bekommt.

Klingt logisch (hoffentlich zumindest?), aber ich habe lernen müssen, den Wordcount ab einem gewissen Zeitpunkt zu ignorieren.

Deadlines

Manche bekämen ohne sie gar nichts auf die Reihe (“Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe”), andere gehen in dem Abgabestress richtig auf und wieder andere sehen sie als notwendiges Übel, das vor allem von den Kollegen nie eingehalten wird.

Das Gute

  1. Sie machen Druck. Sie sorgen dafür, dass wir in die Gänge kommen und Sachen fertig werden.
  2. Sie organisieren uns. Lektorinnen und Korrektoren wissen, wann der Text auf ihrem Schreibtisch landet, Autorinnen, wann die Fassung vom Testleser zurückkommt. Nur so können Verlage ihr Programm planen und Indieautoren rechtzeitig Slots bei dem Lektor ihrer Wahl buchen.
  3. In einer idealen Welt sorgen sie für einen reibungslosen Ablauf, vor allem bei Projekten, wo mehrere Menschen/Stellen aufeinander angewiesen sind.

Das Schlechte

  1. Sie machen Druck. Manchmal so viel Druck, dass er uns lähmt und wir der Deadline entgegenstarren, wie einem entgegenkommenden Zug.
  2. Eine nicht eingehaltene Deadline sorgt bei zu knapper Planung für einen Dominoeffekt. Da kann man dann zusehen, wie die sorgsam geschmiedeten Pläne nacheinenander umfallen und manche Gelegenheiten auf Nimmerwiedersehen von der Tischkante purzeln. Gut, da kann die arme Deadline nichts dafür. Aber es sei hier trotzdem erwähnt.

Lasst mich gleich an den letzten Punkt anknüpfen: Plant eure Deadlines flexibel! Das heißt, genug Pufferraum, für den Fall, der 100% eintreten wird und der da heißt: Das Leben.

Ihr werdet krank. Das Kind vom Testleser wird krank. Die Designerin lässt sich scheiden. Euer Mail landet im Spam. Die Betaleserin ist AWOL. Euer Laptop gibt den Geist auf. Der Hund frisst die Fahnen.

Mich persönlich machen flexible Deadlines übrigens wahnsinnig. Wie zum Teufel soll ich mein Jahr planen, wenn ich nicht auf die Sekunde weiß, wann was wie fertig ist? *tiefes Atem* Ich weiß auch nicht recht, wo ich mir diesen Persönlichkeitzug eingetreten habe, aber ja, Kontrollzwang, hallo. *winkt* (Der beschränkt sich interessanterweise auf das Schreiben. Ansonsten operiere ich im “Jo mei” Modus.)

Das hat bei mir übrigens auch dafür gesorgt, mir völlig wahnsinnige Deadlines zu setzten, weil immerhin: 10.000 Worte sind nur 2000 pro Tag, sind so 2 Stunden – das wird doch wohl zu machen sein. Na da gehen sich dann doch so 4 Bücher aus, locker und – wie war das? Überarbeitung lässt sich nicht so planen? Lachhaft!

Tatsächlich sind die Überarbeitungen die Schritte, wo meine Planung auseinanderfällt. Jedes.verdammte.Mal. Mittlerweile habe ich begriffen, dass ich mir dafür sehr viel Zeit einräumen muss und ignoriere das Zähneknirschen von meinem Kontrollmonster. Beim Überarbeiten entsteht die Geschichte erst so richtig, ich muss manche Szenen Tage, andere Wochen liegen lassen, bis sich der Knoten löst und DIE Idee da ist, die sich so organisch in den Text einfügt, dass es gar keine andere sein könnte.

Aber das kann man eben nicht planen. Oder ich nicht. Auch wenn ich mir gerne “DI 10 -11:30: Geniales Plotelement” im Kalender notieren würde.

Also setze ich die Deadline immer äußerst großzügig an. Allerdings nicht in so weiter Ferne, dass sich dazwischen auch ein Inselurlaub ausgeht. Und ich fühle rechtzeitig vor, wie es denn bei meinen Alphalesern/meiner Lektorin zeitmäßig aussieht.

Meine Jahresplanung ist also sehr schwammig. Die Deadline für die Rohfassung ist das einzig fixe. Ab dann arbeite ich in mit “ca. 3 Wochen” “hoffentlich bis Ende Juni”, auch wenn mein Kontrollzwang sich weinend in der Ecke hin und her wiegt.

Denn ich habe einfach gelernt, dass ich mich anders nur nutzlos aufreibe. Meinen planungsliebenden Teil versuche ich mit bunten Tabellen so halbwegs bei Laune zu halten und fahre damit um Welten besser als bei meinen verbissenen Versuchen, die Arbeitsweise anderer Autoren nachzuahmen.

Deswegen gerade für die, die noch nicht so lange schreiben: Klammert euch nicht an “den einen Plan” von Bestsellerautor XY oder den Ratgeber Z. Habt den Mut auszuprobieren, was für euch funktioniert. Wie schreibt ihr ganz ohne Deadlines? Arbeitet ihr besser, wenn ihr euch wöchentliche Zeitziele statt täglicher Wortziele setzt? Oder nur mit Szenen und Kapiteln als “Maßeinheit” arbeitet? Braucht ihr den Deadlinedruck oder werdet ihr ohne ebenso pünktlich fertig?

Die Zeit zu investieren um herauszufinden, wie man selber tickt, bringt mehr, als sich komplett zu verbiegen, nur um dem Ratgeberplan F folgen zu können.

Wie geht ihr mit Deadlines und Wordcounts um? Helfen sie euch oder stressen sie eher?

 

Veröffentlichen: Highlights und Fallstricke

Unstern ist da!

Und zwar schon seit einer Woche. Man sollte meinen, als Autorin würde man über die Veröffentlichung auch bloggen, aber natürlich nicht diese Autorin. “Ist ja klar”, höre ich da Stimmen, “Die ist von der Launch-Party immer noch verkatert.” “Eh”, sagen die AutorInnen wissend, “Die liegt eher völlig übernächtig irgendwo unter der Wohnzimmercouch.”

Ich darf hingegen stolz verkünden, dass ich kaum verkatert und normal übernächtig verschiedene Druckausgaben vor meine verkniffenen Augen halte und “Ist da ein Grünstich? Da ist doch was pixelig!” vor mich hinmurmel. Die Druckerei in Berlin liebt mich. <3

Denn Unstern hat eine eigene, ganz echte ISBN und wird bald über den Buchhandel zu bestellen sein. Doch das dauert noch ein bisschen. Bis dahin, hier ein paar Fallstricke und Highlights zur Unsternveröffentlichung – auf das ihr ersteres umgeht.

InDesign. Ach InDesign. Ein großartiges Programm, wenn man sich ihm einmal bedingungslos unterworfen hat. Ich kann tatsächlich jedem Indie empfehlen, das Buch selbst zu setzen. Beim ersten Mal wird man schier wahnsinnig, vergoogelt endlose Stunden Lebenszeit, zerschießt das Dokument so zwei, dreimal (nur ich?), bis man den Lebenswillen verloren hat und um zwei Uhr in der Früh nur noch ergeben “In Ordnung. Dann eben noch einmal von vorne.” murmelt.

Aber es lohnt sich. Denn wenn man den Dreh heraußen hat, dann ist das Buch in ein paar Stunden tatsächlich gesetzt. Bevor ihr das PDF dann dem Drucker eures Vertrauens/CreateSpace überlässt: Prüft das PDF! Denn bei mir hat sich völlig grundlos eine Seite verschoben, was ich erst beim “Proofing” auf CreateSpace gesehen habe. Es war zwar schnell gelöst, aber dadurch musste ich das Buch neu einstellen, was meinen Zeitplan um 24 h zurückgeworfen hat.

Und nützt die Zurückfunktion bei InDesign, wenn ihr was ändern wollt! Sonst wird euch euer Dokument hassen und ihr früher oder später noch einmal von vorne anfangen müssen.

Übrigens: Wenn ihr das Buch auf CreateSpace freigebt, wird einem mitgeteilt, dass es bis zu vier Werktagen dauern wird, bis das Buch verfügbar ist. Bei mir war es jedes Mal (Ja, da gab es mehr als einen Anlauf. Aber darüber schweigen wir.) noch am selben Tag auf Amazon zu bestellen. Ihr bekommt kein Email, schaut einfach nach ein paar Stunden selber in den Shop.

Kindle. Hat mich den letzten Nerv gekostet, weil mein ebook angeblich 10 MB groß war. 10 MB! Mir wäre das nicht einmal aufgefallen, hätte mich eine liebe Kollegin mit den Worten “Das ist schon heftig”, darauf hingewiesen.

Lektion Nr. 1: Autorenfotos nicht im Dokument skalieren, sondern außerhalb verkleinern und dann einfügen.

Lektion Nr. 2: Wenn man auf .mobi umwandelt, bläst das Amazonprogramm die Datei unglaublich auf, weil sie für alle Kindle-Varianten funktionieren muss. In der Realität ist die Datei aber viel kleiner. Amazon teilt einem die tatsächliche Dateigröße bei den Royalities mit, wo sie einem auch sagen, wie viel sie für den Transfer abziehen. Falls ihr also auch eine Dateigröße jenseits von Gut und Böse präsentiert bekommt: Ruhig Blut. Oder wie mir ein Forenmitglied versichert hat: “You’ll be fine.”

Tolino. Wenn man nicht will, dass Tolino eine eigene ISBN vergibt, muss man die Wunsch-ISBN vier Tage vor der Veröffentlichung mitteilen. Per Email, es gibt nämlich kein ISBN-Feld, wenn man die Buchdaten dort eingibt. Kommt man da hinterher drauf – wie ich, weil ich das so super organisiert angegangen bin – muss man das Buch komplett hinunterlöschen und noch einmal neu einstellen. Auch wenn ich das System etwas umständlich finde (Warum nicht einfach direkt mit den anderen Daten angeben?): Der Service war super lieb und hilfsbereit und im Endeffekt war die Sache nicht in vier Tagen, sondern in ein paar Stunden erledigt.

Für die Leute, die es hassen, Klappentexte zu schreiben: Freut euch, Tolino möchte nämlich nicht nur einen Werbetext (Klappentext), sondern auch einen Kurztext. Und der ist nicht optional. Tut euch selbst einen Gefallen und bereitet den vor, sonst sitzt ihr wie ich um Mitternacht vor dem Laptop und zerstückelt fluchend euren Klappentext, in der Hoffnung, dass euch die Muse anspringt. (Die ist aber immer noch vom InDesign-Kampf geschädigt und hat sich nach Hawaii verpisst.)

Tja und dann, dann ist das Buch offiziell erschienen. Man hält das Druckexemplar in den Händen und Leute kaufen es tatsächlich! Es ist ein ganz eigenartiges Gefühl, dieses Schwanken zwischen “Yay, Leute lesen das Buch!” und “Hilfe, Leute lesen das Buch!”, zwischen “Man kann nicht alle glücklich machen” und “Ich will niemanden enttäuschen”. Und wie mir eine liebe Freundin und Autorin mehrerer Bücher versichert hat: Da muss man bei jeder Veröffentlichung aufs Neue durch. Yay?

Wenn man bis zu den Ohren in Druckfahnen steckt, malt man sich die besonderen Momente aus: Das Druckexemplar in den Händen halten. Einen gigantischen Haken hinter die kilometerlange ToDo Liste setzen können. Die ersten tollen Rezensionen. Endlich sagen zu können, dass man veröffentlicht hat, statt “Das erste kommt bald! Also irgendwann. Vor dem Winter? Hoffentlich.”

Was jetzt der schönste Moment war?

Ehrlich gesagt war es die Überraschungsfeier, die meine Schwester für mich organisiert hat. Sie und ihr Mann haben ihren ersten Hochzeitstag, an dem ich sie zum Brunch eingeladen hatte, kurzerhand zu einer Feier für meine Veröffentlichung gemacht, inklusive Torte mit essbarem Cover. Da sind mir tatsächlich die Tränen gekommen und ich werde diesen Moment sicher nie vergessen.

 

Prokrastination und 3 Dinge, die man dagegen tun kann

Über (fehlende) Motivation und Prokrastination gibt es unzählige Blogbeiträge, Bücher und Seminare. Da ich aber in letzter Zeit mit auffallend vielen AutorInnen über Prokrastination geredet habe (und ausnahmsweise nicht über meine! Ha!), dachte ich, ich gebe zu dem Thema auch hier meinen Senf dazu. Die meisten (alle?) Lösungswege, die ich hier erwähne, werdet ihr mit Sicherheit schon kennen, aber ich bin sehr gespannt auf eure in den Kommentaren 🙂

Ursachenforschung

Ich werde mich hier nicht über Sinn und Unsinn des Prokrastinierens auslassen, fest steht, dass wir es alle tun. Und es uns nicht hilft, wenn uns versichert wird, dass es zum kreativen Prozess gehört, nicht wenn die Deadline sich schon kaltlächelnd über uns beugt und wir uns am liebsten vor ihr unter dem Sofa verstecken würden. (Wo wir allerdings unsere Motivation treffen könnten, einen Versuch wäre es also durchaus wert.)

Wir haben Deadlines, wir müssen schreiben, auch wenn wir aktuell lieber die Buchhaltung machen oder die Wohnung tiefenreinigen.

Der erste Schritt für mich ist immer herauszufinden, warum ich prokrastiniere. In 80% der Fälle liegt das Problem beim Text, genauer, bei einem Problem, das ich mir noch nicht eingestehen will: Ich habe mich in ein Eck geschrieben, ich spüre, dass ein Charakter nicht funktioniert, ich bin über ein Logikloch gestolpert, das das ganze Buch zerlegt, oder aber ich will nicht schon wieder eine verdammte Kampfszene schreiben, weil die schwer sind und ich sie hasse. (Schlimmer sind nur Sexszenen. Generell alles, wo sich Leute gleichzeitig bewegen -.-)

In den Fällen hilft es mir, mich mit Zettel und Stift (kein PC) hinzusetzen und das Problem zu lösen. Bis auf die Kampfszenen, da muss ich dann halt durch. Und meine arme Lektorin auch.

Manchmal sind es auch ganz doofe Gründe, wie, dass ich nicht aufhören will, Musik zu hören und auf die Buchplaylist zu wechseln. Okay, dann schreibe ich halt mit anderer Playlist, ist ja kein Problem? (Ehrlich, meine Psyche manchmal… bis ich da dahintergestiegen bin.)

Und manchmal, ja manchmal bin ich von der Woche auch einfach erschlagen und wenn ich auf meine ToDo-Liste schaue, hab ich das Bedürfnis davonzulaufen und unter neuem Namen Automechanikerin zu werden. Oder eine Bar in der Karibik aufzumachen. Und das ist okay, ich habe mir mittlerweile eingeräumt, mich überfordert fühlen zu dürfen. Dann gibt es eine bewusste Auszeit mit netten Sachen, bis ich nicht mehr in ein Kissen schreien und mein Gewicht in Schokolade essen will.

Herausfinden, warum man nicht anfangen will, ist auf jeden Fall einmal der Anfang. Wenn sich dann herauskristallisiert, dass es eigentlich kein Problem gibt, dass man genau weiß, was man schreiben will und es nur einfach nicht über sich bringt, anzufangen, dann helfen mir diese dreiTechniken.

Nur 10 Minuten

Wenn man keinen Bock hat, ist es kontraproduktiv sich selber mit Plänen wie “Am Samstag/heute Abend schreibe ich dann mindestens drei Stunden!” zu bestrafen motivieren. Bei mir zumindest.

Klar, unter einer stressigen Woche beruhige ich mein Gewissen damit, dass ich eh das ganze Wochenende zum Schreiben habe. Nur vergesse ich ganz gerne, dass mich mein Brotjob eben  Kraft kostet und ich das Wochenende zum Erholen bräuchte. Auch wenn ich das Autorinnenleben liebe: Es macht keinen Spaß mit ellenlanger To-Do Liste ins Wochenende zu starten, wenn man eine Höllenwoche hinter sich hat.

Zu 10 Minuten Schreiben kann man sich aber fast immer zwingen. (Ja, manchmal muss ich mich zum Schreiben zwingen. Ich gehöre nicht zu den AutorInnen, die jeden Tag ihres Lebens vor Motivation sprühend in die Tasten hauen.) Also greife ich zu Trick 17: Den Wecker stellen und 10 Minuten nur schreiben. Das Handy wird dabei sicherheitshalber aus der unmittelbaren Reichweite verbannnt.

Wichtig dabei: Sich an die eigenen Abmachungen zu halten. Nur 10 Minuten heißt nur 10 Minuten. Wenn ich dann weitermachen will – super. Wenn ich nach 10 Minuten immer noch keinen Bock habe – auch okay, immerhin 10 Minuten wurde geschrieben. Diese Dauer war abgemacht, also darf ich den Rest des Sonntags YouTube schauen oder Staubfusel zählen, no judgment.

Pomodoro

Die gute alte Tomatentechnik. Im Wechsel immer 25 Minuten arbeiten und 5 Minuten Pause machen. Dafür gibt es mittlerweile sogar schon Apps. Schaut euch um, wenn ihr gerne mit Apps arbeitet. Zu der Pomodoromethode greife ich meistens, wenn ich einfach Text schaffen muss und mir zähneknirschende 10 Minuten nichts bringen. Manchmal beginne ich auch mit den 10 Minuten und wechsel dann zu Pomodoro, je nachdem, wie es läuft.

Minuten aufschreiben

Mein allerletztes Mittel, wenn ich einfach nicht in die Gänge komme: Ich schreibe auf, womit ich minütlich die Zeit verbringe, wenn ich eigentlich schreiben wollte/sollte/müsste. Zwei Minuten auf Twitter? Notiert. 5 Minuten Wasser geholt/aus dem Fenster geschaut? Notiert. Ich habe leider (?) keine “Liste der Schande” mehr hier herumfliegen, die ich euch zeigen könnte, aber glaubt mir: Die sind ein Tritt in den Hintern. Wenn ich sehe, womit ich Stunden verschwende, anstatt endlich zu schreiben – ja, dann komm ich in die Gänge. Denn ich WILL dieses Leben ja, ich WILL meine Bücher schreiben und vielleicht irgendwann davon leben – und das wird es nicht spielen, wenn ich nichts mache.

Mit diesen drei Strategien rücke ich meiner Prokrastination zu Leibe. Was macht ihr?

 

Schreibretreats

Frauen-Schreibretreats, Yoga-Schreibretreats, Schreiben in Italien, Griechenland und Island – Schreibretreats erfreuen sich mal mehr, mal weniger Aufmerksamkeit, aber das Angebot ist riesig.

Der Gedanke dahinter ist klar: Zuhause kommt man nicht zum Schreiben, irgendwer will immer irgendwas, also wieso also nicht einmal einen Schreiburlaub machen und sich ganz dem eigenen Schaffen widmen?

Ich hab einen Mini-Schreibretreat besucht. Ganz ohne Workshops und vorgefertigtem Arbeitsmaterial, einfach eine befreundete Autorin, die mich eingeladen hat mit ihr und drei anderen Autorinnen zum Schreiben nach Bad Ischl zu fahren.

Ich habe nur zu gerne zugesagt, nicht zuletzt, weil das Schreiben an der Rohfassung meines aktuellen Projektes sich wie Kaugummi zieht und ich mir von der kleinen Reise neuen Schwung erhofft habe. (Dass die Konditorei Zauner meine erste Assoziation mit Ischl war, will ich gar nicht verschweigen – die Kuchen sind einfach göttlich!)

Außerdem war ich auch einfach neugierig und habe mich darauf gefreut, ein paar Tage mit anderen Autorinnen durch Ischl zu streifen. Und es war wirklich schön. Wir hatten echtes Kaiserwetter und neben regem Austausch und netten Gesprächen habe ich wirklich viel weiterbekommen.

Ich denke, solche Schreibretreats haben den gleichen Effekt, wie wenn ich mich ins Kaffeehaus setze. Der Gedanke “Jetzt bist du da hergefahren um zu schreiben, also schreib gefälligst auch!” ist der Tritt in den Hintern, den ich manchmal einfach brauche. Dass alle anderen um einen fleißig arbeiten, motiviert noch zusätzlich und es ist schön, sich direktes Feedback für Ideen/Probleme holen zu können.

Schreibretreat
Schreiben
Fantasy

Ich weiß nicht, ob ich jemandem einen “professionellen” Schreibretreat empfehlen kann. Nachdem ich mir die Angebote etwas angeschaut habe, scheint mir da wirklich sehr viel teurer Unsinn dabei zu sein. (Deswegen findet ihr hier auch keine Links.) Das ist natürlich nur meine Meinung, und wie gesagt, es gibt so viele Angebote, wer etwas Bestimmtes möchte wird sicher fündig werden.

Was ich aber auf jeden Fall empfehlen kann: Ein paar FreundInnen einpacken und für ein paar Tage einen Schreiburlaub machen. Wenn es in dem Ort eine gute Konditorei gibt, ist das natürlich ein Vorteil. 😉

Ich würde allerdings mit einem festen Ziel fahren: Ein Kapitel, das fertig geschrieben gehört, eine Überarbeitung, die bis zu einem gewissen Punkt gebracht werden soll – etwas, woran ihr den Erfolg der Reise messen könnt und was euch am Laptop hält, wenn draußen gerade die Sonne lacht.

Habt ihr schon einmal einen Schreiburlaub gemacht?