Schreibcamp-Bericht

Letzte Woche,  vom 24. – 28.4, war ich in meinem ersten Schreibcamp überhaupt. Warum das erste? Weil ich bis jetzt schlicht noch über kein Angebot gestolpert bin, das mich interessiert hätte. Die meisten hatten den Grundtenor von: Schreibe in einer schönen Umgebung! Ja, das schaffe ich alleine auch…

Aber dann hat die liebe Jery mir ein Email geschrieben. Paraphrasierter Wortlaut: “Es gibt ein Hardcore-Schreib-Bootcamp. Ich fahre hin und du kommst mit.”

Wer soll da Nein sagen? Außerdem klang es einfach zu gut: Leute brechen weinend zusammen und es gibt eine ganz großartige Küche – damit hat man mich schnell. Mit der Küche, meine ich jetzt.  Organisiert wird es von Michael Marcus Thurner und eingeladener Gast war dieses Mal Robert Corvus: Beides bekannte und erfolgreiche Autoren. (Und auch beides sehr liebe und symathische Menschen. 🙂 )

Es war trotzdem keine leichte Entscheidung. Das Camp klang toll, das Programm klang toll, Leiter und Gast ebenso und dieses Jahr gab es einen Fantasy/SF-Schwerpunkt (!), aber ich wusste einfach nicht, ob ich das finanziell stemmen kann. (Ich rechne ja mittlerweile in Cover/Lektorats-Einheiten. Früher habe ich in Cola Kracher gerechnet. So ändert sich das Leben.)

Ich glaube, ich habe die arme Jery über einen Monat hingehalten. Im Endeffekt habe ich die Entscheidung dann so getroffen, wie ich praktisch jede treffe: Aus dem Bauch heraus. Die Finanzen waren irgendwie aufzutreiben und ich hatte einfach das Gefühl, dass mich dieses Camp wirklich weiterbringen würde. Ich habe tatsächlich noch einen Platz ergattert. (Klar, sonst gäbe es den Beitrag nicht, aber wenn ihr ein Thurner-Camp machen wollt: Früh buchen, Leute! )

Das Schreibcamp hat in Wiener Neustadt stattgefunden – endlich mal eine  Büchersache, für die ich nicht Stunden im Zug verbringen musste! Geschlafen wurde in einem Container-Hotel, aber der Workshop selber war auf einem traumhaften Reitgestüt.

Ich habe mein Handy in dieser Woche kaum angerührt: Live-twittern vom Schreibcamp funktioniert eben nicht. 😉 Dadurch habe ich auch leider wenig bis keine Fotos gemacht, aber stellte euch einfach ein idyllisches Gelände mit zuckersüßen Fohlen vor und ihr wisst, wo ich die Woche verbracht habe. (Mehr Fotos seht ihr im YouTube Bericht von Robert Corvus, wo auch ein Interview mit Marlene von Hagen dabei ist.)

Das Schreibcamp

Die ersten 2 1/2 Tage haben wir die Texte besprochen, die wir eingereicht hatten. Den Reader hatten wir alle vorab bekommen und ich konnte mir von der Kritik der anderen Texten selber einiges mitnehmen. Zum Beispiel beäuge ich jetzt jede meiner geliebten Und-Konstruktionen mit Misstrauen.

Es waren alle respektvoll mit ihrer Kritik der anderen, niemand wurde “fertig gemacht”. Michael Marcus Thurner und Robert Corvus waren sich nicht immer einig und haben wohl auch eine ganz unterschiedliche Arbeitsweise, was ich persönlich sehr spannend gefunden habe.  Es führen eben doch viele Wege nach Rom.

Nach den Textbesprechungen ging es dann mit den anderen Übungen los: Exposes schreiben, Pitchen und Schreibaufgaben (wahlweise Kampf- oder Erotikszenen). Wir haben Kurz-Lesungen unserer eigenen Texte gehalten, auch da war das Feedback wieder Gold wert. Robert Corvus hatte zudem Übung zu Weltenbau, Magiesystemen und Figurenentwicklung im Gepäck.  Diese Mini-Workshops haben wir in immer neu zusammengestellten Kleingruppen gemacht. Es ging hauptsächlich um den Arbeitsprozess – mit den “fertigen” Entwürfen wurde nicht weitergearbeitet – und es war echt spannend zu sehen, wie sich Figuren und Welten entwickeln, wenn man nicht nur die eigenen Gedanken darin verspinnt. Die Gruppenarbeiten haben mich tatsächlich in meinem Wunsch bestärkt, irgendwann einmal ein Projekt mit jemand anderem zu schreiben.

 

Der Schreckensstuhl der Solo-Auftritte. Ich bin regelmäßig vor Nervosität gestorben.

Am Abend war ich dann platt. Irgendwie habe ich es trotzdem geschafft, immer mehr als die geplante halbe Stunde mit den anderen in der Hotel-“Bar” zu versumpfen. Aber gegen solch nette Gesellschaft ist man halt machtlos.

Was hat das Schreibcamp also gebracht? (Außer das eine oder andere Kilo mehr, die Küche war echt fantastisch.) Unglaublich viel Input, der immer noch sickert. Besser kann ich es leider wirklich nicht formulieren. Es hat mir auch gezeigt, dass ich Texte produzieren kann, wenn man mir eine Ausgangsidee hinwirft und den Wecker auf eine Stunde stellt. Da war ich bisher zu nett zu mir. Und – stärker noch als die Büchermessen – hat es mir wieder klar gemacht, wie sehr ich dieses Autorenleben will. (Und natürlich die Bestsellervilla mit Fliederhecke :p)

Wie hart war es jetzt wirklich? Ich habe es nicht als hart empfunden. Früher gab es wohl noch “Hausaufgaben” zum in der Nacht schreiben, das fiel für uns weg. Die Tage waren lange und ja, auch anstrengend, aber es gab gemütliche Mittag/Abendessen und genug Pausen mit anregenden Gesprächen über Gott und die Welt und natürlich das Schreiben. Außerdem: Eine Woche nur Textarbeit mit anderen AutorInnen? Traumurlaub.

Brauche ich auch so ein Schreibcamp? Jein? Das kommt darauf an, was du für eine Art von Mensch und wo du mit deinem Schreiben gerade bist. Es ist kein Geheimtipp für einen “Schreiberfolg”, nichts Richtung “Lerne Bestseller schreiben in 5 Tagen”, aber es kann dich weiterbringen, wenn du offen für  Kritik bist.  Hör auf dein Bauchgefühl (nach einem Blick aufs Konto) und entscheide dann.

Es ist auch sicher jedes Schreibcamp anders, das Programm ist schließlich nur eine Seite und die teilnehmenden Menschen die andere. Ich fand, dass unsere Gruppe gut harmoniert hat und – wie bereits gesagt – kam bei den Feedbackrunden kein unguter Ton auf, Kritik war immer sachlich und wurde nie persönlich.

Werde ich wieder fahren? Ich würde jederzeit wieder fahren. Schon wegen der Küche :p

Wart ihr schon mal auf einem Schreibcamp? Würdet ihr gerne einmal fahren?

 

Das 2. Mal

Vergesst die Panik vor dem ersten Mal. Das erste Mal ist großartig! Völlig egal, was alles danebengeht, man kann sagen: Hey, ich mach das hier zum ersten Mal. Und außerdem kann man auf das Anfängerglück vertrauen. Beim zweiten Mal sieht das schon ganz anders aus, da sollte man dann zumindest mehr als eine ungefähre Ahhnung haben, wie das alles funktioniert. Und das allerschlimmste: Man hat bereits Erwartungen geweckt.

Ich stehe jetzt kurz vor dem zweiten Mal. Das Lektorat ist so gut wie abgeschlossen, etwas Politur noch, und dann lass ich meine Testleser auf mein zweites Buch los. Ein letzter Kontrolllauf, bevor ich auf “Veröffentlichen” klicke und den zweiten Teil der Serie in die Welt entlasse. Und ich bin nervöser als beim ersten Mal.

Als Unstern hinauskam, war ich nervös. Immerhin macht niemand gerne mit seinem Debüt einen Bauchfleck. Vor allem nicht, wenn man für alle Entscheidungen selbst verantwortlich ist und das beeinhaltet als Indieautorin auch die Entscheidung zu veröffentlichen. Das Feedback war so überwältigend positiv – Unstern hat es sogar auf der Longlist für den IndieSERAPH geschafft – dass ich immer noch ganz baff bin.

Und dann ging es an das zweite Buch.

Manche Sachen sind viel einfacher. Ich habe eine tolle Coverdesignerin, die im Handumdrehen ein Cover für Flammendunkel parat hatte. Ich habe mich mittlerweile mit InDesign angefreundet und mit meiner Alphaleserin und meiner Lektorin das ideale Team am Start. Viele von den kleinen Dingen, die mich das erste Mal schlaflose Nächte gekostet haben, tauchen dieses Mal gar nicht auf meinem OhmeinGottOhmeinGotOhmeinGottWasmachichnur-Radar auf. Der Vorteil, wenn man zumindest schon ein bisschen besser weiß, was man da eigentlich tut.

Dass, und das ich gelernt habe, mich zu entspannen und mich nicht wegen jeder Kleinigkeit selbst in den Wahnsinn zu treiben. Selfpublishing ist gut für die Persönlichkeitsentwicklung kann ich nur sagen.

Aber nun habe ich LeserInnen. (Und zwar die allertollsten. Sorry, liebe KollegInnen, aber meine LeserInnen sind die besten.) Und die könnte ich jetzt enttäuschen. Denn beim ersten Buch einer neuen Autorin erwarten sich die meisten noch nicht viel. Nicht unbedingt, weil es das “erste erste” Buch ist, sondern weil man den Autor noch nicht kennt. Das geht mir als Leserin genauso, das erste Buch, dass ich von einer Autorin lese, lese ich völlig unbefangen. Das gefällt mir, oder eben nicht. Aber das zweite und alle weiteren? Da gehe ich mit einer Erwartungshaltung heran.

Und nun bin ich nervös,  weil ich meine LeserInnen und ihre Erwartungen nicht enttäuschen will.

Ich habe mir von anderen Autoren sagen lassen, dass ich damit nicht alleine bin, aber das ist nicht wirklich eine Hilfe. Dass es bei jedem weiteren Buch genauso weitergeht, auch nicht.

Was ich mit diesem Post sagen will? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.

Vielleicht: Genießt euer Debüt, liebe Schreibende! Dass euch niemand kennt, niemand auch nur eine veröffentlichte Seite von euch gelesen hat, gibt euch eine nicht zu verachtende Unbeschwertheit. Genießt sie!

Vielleicht auch: Veröffentlichen scheint mit jedem Buch eine emotionale Achterbahn zu sein, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Und irgendwie ist das ja auch schön.

 

Was zum &%$Q ist patreon?

Seit  meine patreon Seite online ist, haben sich in meiner Inbox neben Glückwünschen (Danke!) und Pledges* (Yay!) auch viele Fragen wie die des Post-Titels gefunden. Nur viel höflicher.  Also dachte ich mir, ich beantworte alle Fragen ausführlicher in einem Blogpost.  Los geht’s!

*pledges = Ein “Abo”, sprich eine Unterstützungszusage.

Was ist dieses patreon?

Patreon ist eine Plattform, auf der sich Creators vorstellen und eine Art monatliche Abos  in verschiedenen Stufen  – Start: 1 USD – anbieten. Interessierte zahlen entweder einmal im Monat den Betrag, den sie sich ausgesucht haben und bekommen dafür Zugriff auf die Extras, die sich der Creator für dieses Abo-Level ausgedacht hat. Oder sie zahlen pro Beitrag, der sie interessiert. Das kann man sich allerdings nicht aussuchen: Welche Optionen möglich sind, wird vom jeweiligen Creator festgelegt. Wenn man den Creator nicht mehr abonnieren möchte oder kann, kann man seine Unterstützung einfach beenden.

Warum ich das englische Wort “Creator” verwende? Weil ich nicht weiß, wie ich das auf Deutsch ordentlich ausdrücken soll (und das als Autorin!), den Künstler greift zu kurz. Man findet dort DesignerInnen, AutorInnen, You-Tuber, Fotomodels und und und… Schaut euch einfach einmal dort um.

Verboten ist alles was unter hate speech fällt, rassistische, homophobe, sexistische Inhalte werden nicht geduldet und man kann mit patreon auch kein Drogenlabor finanzieren.

Also so eine Art Crowdfunding-Kickstarter?

Ja, das trifft es gut. Der Unterschied ist, dass bei Kickstarter etc. die finanziellen Mittel für ein bestimmtes Ziel gesammelt werden, etwa für einen Independentfilm. Kommt das Geld nicht zusammen, fällt das Projekt ins Wasser und die Leute bekommen ihr Geld zurück. Hier ist es ein fixer monatlicher Betrag, der nicht an ein Ziel geknüpft ist.

Von den Beträgen streicht patreon 5% ein und paypal behebt je nach Betrag gewisse Gebühren, der Großteil der Summe landet aber tatsächlich bei der Autorin/Designerin/Filmemacherin. Yay!

Wer mitmachen möchte – ob als Creator oder Unterstützer (patron) – braucht nur einen patreon account und paypal/eine Kreditkarte.

Wie hast du patreon gefunden?

Ich persönlich habe patreon vor ca. 2 Jahren über Designer gefunden, denen ich auf anderen SocialMedia-Kanälen gefolgt bin. Dass diese Plattform für mich als Autorin vielleicht auch interessant sein könnte, der Gedanke ist mir damals noch nicht gekommen.

Das System fand ich aber von Anfang an toll, ich bin auch jemand, der online -“Kaffeegeldkassen” liebt. Es ist eine nette und einfache Art, Leuten zurückzugeben, die z.B. auf pixabay ihre Fotos gratis zur Verwendung anbieten oder sich bei Bloggern für spannende Artikel zu bedanken.

Ich bin auch AutorIn! Soll ich auch eine patreon-Seite machen?

Klar, warum nicht? Solange du patreon nicht als einen schnellen Weg zum Reichtum siehst und dir bewusst ist, dass das viel Arbeit ist: Nur zu. Die Inhalte, die du auf patreon teilen willst, die “Abolevel” (Tiers) die du anbietest, wann und wie viel du postest – das will alles gut durchdacht sein.

Manche Autoren bieten jeden Tag ein Gedicht an, andere posten ihre neuen Bücher kapitelweise, während sie schreiben. Das ist beides nichts für mich, weil ich keine Gedichte schreibe und meine Bücher nicht in der “richtigen” Reihenfolge schreibe. Also überlege dir, was du anbieten kannst, was zu deinem Arbeitsprozess passt und was du durchhalten kannst, auch über Jahre.

Klein anfangen und lieber später steigern, ist zumindest mein Motto.

Hm, ich überlege dort Leute zu unterstützen, aber ich noch unsicher. Soll ich wirklich?

Die Frage kannst du dir nur selber beantworten.

Ein paar allgemeine Informationen: Man kann anonym dort auftreten, denn alles, was von anderen gesehen wird, ist der Benutzername, die Email-Adresse und das Level, für das man sich entschieden hat (also 1 USD, 5 USD, 100 USd etc.). Man kann die Unterstützung jederzeit beenden.

Aber machen wir eine kurze Plus-Minus Liste.

Gründe dagegen

  • Du kannst es dir finanziell nicht leisten. Es gibt Zeiten, da ist auch 1 USD im Monat einfach nicht drinnen. Ich kenne das, es sind nicht die lustigsten Monate/Jahre. Lass dich von niemandem dazu drängen oder dir ein schlechtes Gewissen einreden. Auch nicht von dir selber!
  • Du willst eigentlich nicht, aber du kennst den/die AutorIn persönlich und hast das Gefühl, du solltest. Ähm, nein. Höflichkeitsunterstützung ist keine gute Idee. Irgendwann bist du nämlich genervt, wenn du die Person nur siehst. Der/die AutorIn muss nervlich aushalten, dass du ihn/sie eben nicht finanziell unterstützen willst. Wenn die Person denkt, ein Anrecht darauf zu haben, weil ihr euch kennt, dann – ähm-  bist du sicher, dass du sie weiter kennen willst?

Gründe dafür

  • Du bekommst coole und exklusive Einblicke in die Arbeit von einem Künstler, dessen Arbeit du magst und lernst den Menschen dahinter näher kennen.
  • Du machst dem Künstler damit ein ganz besonderes Geschenk: Zu sehen, dass Menschen die eigene Arbeit oder auch den Künstler so schätzen, dass sie bereit sind, ihn finanziell zu unterstützen – das ist ein Riesenkompliment, über das sich der- oder diejenige wie wahnsinnig freuen wird. Auch wenn es “nur” 1 USD ist – die Geste reicht weit.

Wenn du unsicher bist, weil du die Person kennst, sie unterstützen willst, aber nicht weiß, ob die Designerin das nicht eigenartig findet: Einfach fragen 🙂 Entweder er/sie ist total gerührt und nimmt dankend an, oder er/sie ist total gerührt und lehnt dankend ab.

Unterstützt du eigentlich auch Leute auf patreon?

Ja. Ich habe auch ein privates Profil auf patreon, mit dem ich meine Lieblingsdesigner stalke. Allerdings bin ich am Überlegen, alles über meine Autorenseite zu regeln, denn die Frage kommt so oft, dass ihr offensichtlich meine Leute mitstalken wollt. 😉

Bei wem ihr aber auf jeden Fall vorbei schauen solltet, ist die bezaubernde Kia Kahawa <3

Das war die Fragensammlung, die die letzten Tage in meiner Inbox gelandet ist. Wenn ihr noch weitere Fragen oder auch Anmerkungen habt: Ich freue mich auf eure Kommentare <3

Dämonen

Ich habe beim Schreiben eine Regel: Ein Projekt nach dem anderen. Während ein Manuskript bei der Alphaleserin oder im Lektorat ist, arbeite ich an anderen Sachen, aber bevor das Hauptprojekt fertig ist, erlaube ich mir keine andere Spielwiese.

Jetzt ärgert mich aber schon die längste Zeit ein hartnäckiges Plotbunny, das gerne ein einbändiger Roman in der Unsternwelt wäre. Es würde suuuuper hineinpassen und überhaupt, etwas Einbändiges kann man ja ruhig mal dazwischenschieben. Soweit die Logik des Plotbunnys.

Und weil es einfach keine Ruhe gibt, habe ich heute auf Twitter gefragt, wie Leute, die an mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten, ihre Zeit auf die verschiedenen Projekte aufteilen. Denn auch wenn ich sehr intensiv mit dem Bunny flirte, habe ich ein schlechte Gewissen, denn Unstern hat einfach absolute Priorität.

Die Diskussion scheint beim einen oder anderen einen Nerv getroffen zu haben, und deswegen hatte ich das Bedürfnis, hier noch etwas dazu zu schreiben.

Es geht um Zielsetzung. Darum, was man vom Schreiben will. Und um Dämonen.

Der Grund, warum ich die oben erwähnte Regel für mich eingeführt habe, ist ein einfacher. Ich habe früher sehr viel gleichzeitig geschrieben. Immer Fantasy, aber die verschiedensten Welten und Geschichten. Mit dem Effekt, dass nie etwas fertig geworden ist. Die Geschichten sind halbfertig liegen geblieben, weil ich stecken geblieben bin, weil mich ein anderes Projekt mehr interessiert hat – die Gründe waren vielfältig.

Meine Schwester hat mir irgendwann erzählt, dass sie meine ganzen halbfertigen Geschichten heimlich gelesen hat und sich immer darüber geärgert hat, dass ich einfach nichts fertig gemacht habe. Nur warum habe ich das nicht? Einfach, weil ich mich zwischen den tausend Projekten verloren habe, anstatt die Priorität auf eines zu setzten. Das kam erst, als ich “diese Autorensache” ernsthaft angegangen bin.

Aber dass ich Autorin sein wollte, das war mir immer klar. Schon in der Schule wusste ich: Das will ich. Schreiben und davon leben. Mit, ich glaube 18, kam dann mit dem Wolfgang-Hohlbein-Preis eine Deadline von außen und ich habe endlich einen Roman fertig geschrieben. Und dann bin ich wieder von Projekt zu Projekt gehüpft, denn warum auch nicht? Hin und wieder wurde eine Rohfassung fertig, aber überarbeiten? Nicht doch. Das neue Projekt ist viiieeel spannender.

Nicht falsch verstehen. Es ist nicht schlimm, eine Geschichte abzubrechen, wenn man merkt, dass der Plot doch nicht so weit reicht, das Thema doch nicht so spannend ist. Es ist auch nicht schlimm, nie fertig zu werden und an tausend Sachen gleichzeitig zu schreiben.

Außer, wenn es das ist. Wenn es schlimm ist, weil man ja fertig werden will, veröffentlichen will, endlich einmal etwas in der Hand halten will.

Und das wollte ich! Und irgendwann hatte ich den Punkt erreicht, wo ich mir die Frage nach dem Warum gestellt habe. Warum werde ich nicht fertig? Warum breche ich so viel ab, verliere das Interesse, fange tausend verschieden Geschichten an? Leichte Antwort: Einfach so viele deen! Aber das erklärt nicht, warum ich ums Verrecken nichts fertig machte.

Also wo liegt der Hund wirklich begraben?

Manche Ursachen sind tatsächlich leicht zu klären. Falsch geplottet oder nicht genug, nach der Hälfte eine langweilige Richtung eingeschlagen – daraus lernt man und macht es beim nächsten Mal besser.

Andere Ursachen haben tiefere Wurzeln. In unserer Kindheit, in Erfahrungen, die wir gemacht haben, Lektionen, die wir lernen mussten. In Erwartungen, Forderungen, die wir und andere an uns haben. Sie hängen zusammen mit Wünschen, Selbstwert und Träumen. Denn eine unfertige Erstfassung ist ein sicherer Ort. Es kann noch alles werden, kann noch das Meisterwerk werden, das wir von uns erwarten. Wir können davon tagträumen, wie toll das Buch wird, wie fantastisch unser Autorenleben.

Wenn wir tatsächlich ein Buch fertig machen, es aus der Hand geben, werden unsere Träume mit der Realität konfrontiert.

Was, wenn wir nicht gut genug sind, um zu schreiben? Wenn alle unsere Texte hassen? Wenn wir mit dem, was wir ein Leben lang werden wollten, scheitern? Was machen wir dann? Wer zum Teufel sind wir dann noch?

Ängste wie diese sind mächtig und sie pfuschen uns öfter und unauffälliger ins Handwerk als wir meinen.

Will ich jetzt damit sagen, dass alle, die an meheren Projekten arbeiten nur Angst davor haben, etwas fertig zu machen? Großer Gott, nein! Natürlich nicht. Das hier ist meine persönliche Erfahrung und kein “Ich habe die alleinige Weisheit mit den Löffeln gefressen”-Post.

Wir alle haben andere Ziele. Ich will vom Schreiben leben können und hätte mir meinen eigenen Traum beinahe mit meinem Projektgehüpfe versaut, weil ich Angst vor dem Realitätscheck hatte.  Du willst vielleicht einfach nur Spaß daran haben oder hin und wieder was mit Freunden teilen. Oder du bist einfach viel viel geduldiger als ich, die am liebsten jeden Tag ein Buch veröffentlichen würde.

Und das ist alles wunderbar.

Aber wenn du veröffentlichen willst und vor tausend angefangenen Projekten sitzt, dann geht es dir vielleicht wie mir früher. Und dann frage dich:

Bin ich mit meiner derzeitigen Arbeitsweise glücklich? Warum habe ich tausend angefangene Fragmente auf dem PC, aber mache nichts fertig? Liegt es am Plotten? An der Charakterentwicklung? Oder höre ich einfach immer auf, wenn es schwierig wird, anstatt mich durchzubeißen?  Warum mache ich das?

Diese Fragen kann nur jede/r für sich beantworten. Aber sich mit den eigenen Dämonen zusammenzusetzten, kann bei der Suche nach Antworten helfen.

Dieser Post soll niemanden angreifen, der viel gleichzeit schreibt. Ihr wisst am besten, was für euch und euer Schreiben richtig und zielführend ist. Mir war dieser Post einfach ein Bedürfnis, weil ich mich jahrelang hinter “Ich bin gerade nicht inspiriert/Die Szene ist mir jetzt zu schwer/etc.” versteckt habe. 

Und an die, die gleichzeitig schreiben, um zu veröffentlichen: Teilt ihr das nach Stunden auf, nach Tagen? Nach Deadlines von eurem Lektor?

Autorin auf Reisen: Schweden

Wenn Autorinnen eine Reise tun, haben sie natürlich ein Manuskript im Gepäck. Bei mir waren es sogar zwei: Die Rohfassung von Unstern 2 aka Mondschieber und mein Sirenenprojekt, dass ich vor gut eineinhalb Jahren geschrieben habe.

Mein Ziel für Stockholm war: Erholen, schreiben und die Sirenen lesen, um zu sehen, ob ich noch was drauß machen kann. (Spoiler: Die Sirenen hätte ich mal besser in Wien gelassen. Eieieie.)

Die von euch, die mir auf Instagram, Twitter und Facebook folgen, konnten meinen unheiligen Zimtschneckenkonsum live mitverfolgen – die Mengen, die ich verdrückt habe, war echt nicht mehr feierlich. ^^” Aber ich musste sie nicht selber machen! Wie kann man da wiederstehen? Denn abgesehen davon, dass der Teig mich jedes Mal anzickt, ist es einfach eine unglaubliche Patzerei. Ich erinnere mich an eine denkwürdige Kanelbulle-Zubereitung, bei der mir der Teig den Nagellack von den Fingern gezogen hat… -.-

Aber ich schweife ab – wie immer *g*

Stockholm war toll: Eine nette Stadt mit gutem Kaffee und ich hatte nicht nur einen superhübschen Schreibtisch zum Arbeiten, sondern auch einen Balkon! <3 Autorinnenherz, was willst du mehr? Dank des Wetters konnte ich ihn leider nicht so oft nützen, aber das war immer noch mehr Balkon, als ich hier habe.

Das ich trotzdem nicht so viel geschafft habe, wie geplant, lag daran, dass mir dieser Urlaub dazwischengekommen ist, von dem immer alle reden :p

Ich habe Kaffe getrunken, mein Körpergewicht in Kanelbullar gegessen, bin im Nationalpark herumgekrochen und Boot gefahren – und mit tausend neuen Ideen nach Wien zurückgekommen 🙂

Schweden
Rentier
Kanelbulle
Nationalpark

Wie jedes Mal nach dem Urlaub (fein, nach Taiwan war das erste und bis jetzt einzige Mal – da seht ihr, ich sollte dringend öfter Urlaub machen) verlose ich Kleinigkeiten, die ich mitgenommen habe. Dieses Mal läuft die Verlosung allerdings über den Newsletter, zu dem ihr euch hier anmelden könnt: klick *liebschau*

Ich weiß, das ist total gemein von mir – obwohl, cooler Newsletter und Schokolade? Win – Win! – und als Trost deswegen hier mein geliebtes Zimtschneckenrezept. Tipp: Teig nicht mit lackierten Nägeln kneten.

Zimtschnecken (32 Stück)

Wenn man sich die Arbeit antut, wirklich gleich mehr machen und den Rest einfrieren.

Teig: 400 ml Milch/120 g Butter/1 Würfel Germ (Hefe)/1 Ei/750 g Mehl (glatt)/1/2 TL Salz/120 g Staubzucker/gemahlener Zimt und Kardamom

Fülle: 120 g weiche, streichfähige Butter/120 g Kristallzucker/Zimt und Kardamom nach Geschmack

Bestreichen: 1 Ei (also ingesamt 2 Eier für das Rezept)

  1. Milch langsam erwärmen. 1/4 der Milch in einem Gefäß lauwarm werden lassen. Die restliche Milch vom Herd nehmen und die Butter hineingeben.
  2. Mehl, Salz, Staubzucker (bis auf einen Teelöffel!) und Zimt in einer Schüssel mit einer grobzackigen Gabel vermischen.
  3. In die lauwarme Milch den Germ und den TL Staubzucker geben und verrühren, bis der Germ sich aufgelöst hat. (Funktioniert genauso mit Trockengerm/hefe. I Sackerl = 21 g frischer Germ)
  4. Ei verquirreln
  5. Germmilch, “Buttermilch” und Ei zur Mehlmischung geben und verkneten, bis sich der Teig von der Schüssel löst. (mit unlackierten Nägeln)
  6. Schüssel mit Tuch bedecken und an einem warmen Ort 30 Minuten ruhen lassen.
  7. Teig noch einmal kurz durchkneten, ausrollen und mit der Butter bestreichen.
  8. Zucker mit Zimt und Kardamom mischen und gleichmäßig auf dem Teig verteilen.
  9. Von der Längsseite her aufrollen und mit einem Messer in Stücke schneiden. Wirklich schneiden, nicht reißen, sonst endet das in Tränen.
  10. Die Schneckenstücken auf ein Blech mit Backpapier legen (Platz zum Aufgehen lassen), etwas flachdrücken, mit einem Tuch zudecken und weitere 30 Minuten gehen lassen.
  11. Ofen auf 250 Grad Ober-Unterhitze vorheizen.
  12. Schnecken ca. 8 – 10 Minuten backen und mit einem Tuch bedeckt auf einem Gitter auskühlen lassen.

Gutes Gelingen!

Steht euer Sommerurlaub noch an? Wart ihr schon einmal in Schweden?

 

Logbuch #8: Saunaabenteuer (Gilt das als Klickbait?)

Na, wie läuft eure Woche denn so? Ich bin ja am Überlegen, Aufgüsse in meinem Wohnzimmer zu veranstalten und das als “Urbanes Saunaerlebnis” über willhaben anzubieten.

Das Positive an der Hitze : Ich klebe quasi auf dem Stuhl vor dem Laptop fest, kann also gar nicht anders, als zu schreiben. 😉 Natürlich klebt man auch überall sonst fest (ich sag nur Öffis bei 30 Grad), aber wir haben erst Juni und ich will meine Hitzesudderei nicht in einem Blogpost aufbrauchen.

Dabei mag ich die Hitze eigentlich. Sobald es 27 + Grad hat, bekomme ich Urlaubsgefühle, egal wie mies der Tag gerade läuft.

Allerdings passieren mir bei diesen Innentemperaturen manchmal auch dumme Schnitzer. Ich hatte eine Szene geschrieben, in der Kerra Maran am Kragen packt (BFFs die sie nun einmal sind). In der Abendkühle hat Maran mich dann daran erinnert, dass sie a) bewaffnet ist und außerdem b) nicht mehr viel zu verlieren hat, weswegen c) diese Aktion von Kerra das Buch und die Reihe mit dem unspektakulären Tod der Protagonistin recht abrupt beenden würde. (Das d) auch Kerra nicht so dämlich ist, kam dann von mir, Maran ist da anderer Meinung :p)

Also Szene wieder gelöscht. Sehr zu Kerras Missfallen.  Sorry, aber ihr kloppt euch kämpft schon noch heldenhaft miteinander, keine Sorge.

An dieser Stelle sei auch gesagt: Danke euch für eure tollen Reviews zu Unstern, die netten Emails und überhaupt. Ihr seid die Besten <3 Die Rezi auf weltenraum hat mich echt geplättet.

Ich tippe auch schon fleißig an der Fortsetzung. Und hoffe, dass ich Kerra nicht wieder versehentlich in ein Messer laufen lasse. (Absichtlich ist ein anderes Thema ;P)

 

Deadlines und Wordcount: Sinn und Unsinn

Man kann kaum ein Gespräch mit einer Autorin führen, ohne dass entweder das Wort Deadline oder Wordcount fällt. Gut, man bekommt auch oft Sachen wie Ich denke, ich bringe ihn einfach um zu hören.

Aber Wordcounts und Deadlines bestimmen den Autorinnenalltag:

Mein Verlag will noch 30 Seiten. – Ich muss die Szene bis Dienstag fertig haben.- Sind 60.000 Worte für YA zu viel oder zu wenig? – Oh Gott, ich schaffe das nie bis August!

Nur wer wirklich nur für sich schreibt, bleibt davon verschont. Doch spätestens wenn ein Testleser im Spiel ist, sieht die Sache anders aus. Denn die anderen Menschen stehen einem nicht 24/7 zur Verfügung und richten ihr Leben kaum nach dem persönlichen Zeitplan aus. (Ich weiß, ich weiß, ich finde das auch eine Frechheit.)

Doch gerade beim Schreiben sind Wordcounts wie Deadlines so eine Sache.

Denn ich kann mir alle Deadlines und Wordcountziele der Welt setzen: Der kreative Prozess lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad erzwingen. Irgendwann ist Schluss, die Muse bockt und der Wordcount/dieDeadline wird entweder nicht erreicht, oder aber das Manuskript ist nicht das, was es werden sollte.

Das klingt ein bisschen nach einer Ausrede, nicht wahr? Ich wollte ja fertig werden, aber ach, die Muse, die Muse! *sinkt in dramatischer Pose auf den Diwan nieder*

Doch es geht mir hier nicht darum, Ausreden dafür zu finden, warum man Deadlines nicht einhalten konnte oder das Buch immer noch nicht erschienen ist. Davon hat schließlich niemand was, am wenigsten der betroffene Autor.

Im Gegenteil, es geht mir darum herauszufinden, wie man Wordcounts und Deadlines so einsetzt, dass sie einem helfen. Denn eines sei hier gleich festgehalten: Es gibt einen Grund, warum sie das Autorenleben bestimmen.

Ohne Deadlines kann man weder mit Testlesern noch Lektoren sinnvoll zusammenarbeiten. “Irgendwann dann” ist nicht gerade eine stichhaltige Antwort, wenn die Betaleserin wissen will, wann sie mit dem Text rechnen kann. Und irgendwie muss man ja auch den Fortschritt messen können, um zu sehen, wo man bei dem Manuskript steht. Der Wordcount bietet sich da an und, Hand aufs Herz, wer von uns ist von NaNoWriMo nicht darauf trainiert, ihn sich als Ziel zu setzen? (Nichts gegen NaNo – ich freue mich jedes Jahr darauf.)

Aber was, wenn man sich nun brav Deadlines und Wordcountziele gesetzt hat und feststellt, dass einen das nicht produktiver macht? Schlimmer noch, wenn es einen demotiviert? Bei allen funktioniert es und was eine richtige Autorin ist, hat Wordcountziele! Tägliche! Und wenn es einen umbringt!

Wie sinnvoll die täglichen 500/1000/2000 Worte sind, wird manchmal gar nicht mehr hinterfragt und das ist der Punkt, an dem ich eben einhaken möchte.

Grundsätzlich gilt wie immer: Ihr kennt euch selbst am besten. Doch oft traut man sich gerade am Anfang nicht, sich keine Wortziele zu setzen. Oder Deadlines. Noch einmal, der Post soll keine Ausreden zum Nichtstun bieten. Er soll euch einfach dazu einladen, euch anzusehen, ob die Art wie ihr aktuell eure Wordcount/Deadline-Ziele setzt für euch auch hilfreich ist.

Nicht alle Autorinnen sind gleich, um nicht zu sagen, man trifft selten eine Gruppe Menschen, die so unterschiedlich das Gleiche tun.

Ich habe über die Jahre für mich und die Art, wie ich funktioniere, viel falsch gemacht: Unerreichbare Deadlines, sinnlose Wortziele und der Ausgang war immer der gleiche: Ich war frustriert, weil ich an meinen Zielen gescheitert bin, habe mir noch strengere Ziele gesetzt oder das Manuskript Monate liegen lassen und mich grundsätzlich sinnlos gestresst, weil ich nicht schreibe, zu wenig schreibe etc etc.

Aber schauen wir uns die berüchtigten Wordcounts und Deadlines einfach näher an.

Wordcounts

Das Gute

  1. Man sieht auf einen Blick, was man geschafft hat und wie viel noch zu tun ist (auch wenn das zum Teil trügt, doch dazu später)
  2. Es ist eine klare Maßeinheit und wir Menschen mögen das. “Eine Szene” kann viel sein, aber an 500 Wörtern lässt sich nicht rütteln.
  3. Sie sind wichtig, da vom fertigen Buch je nach Genre eine gewisse Länge erwartet wird. Wörter zeigen die nackten Tatsachen: 300 Seiten können je nach Seitenformat, Schriftgröße und -art alles sein, aber 70.000 Worte sind 70.000 Worte.

Das Schlechte

  1. Sie können einen täuschen. Gut, das tägliche Wortziel ist erreicht, aber wenn davon die meisten Wörter sinnlose Beschreibung oder überflüssige Adjektive sind, bliebt davon nicht viel über. Schon klar, auch kleine Schritte sind Schritte und zumindest hat man geschrieben, aber in gewissen Phasen sind sie kein guter Anhaltspunkt dafür, zu sehen was man geschafft hat.
  2. Sie verleiten dazu, Blödsinn zu schreiben, nur um das Wortziel zu erreichen. (NaNo anyone?) Oder bin ich die einzige, die sich dabei ertappt hat, Sätze zu schreiben, von denen ich beim Tippen schon wusste, dass sie wieder fliegen werden? Und ja, für mich ist es ein Unterschied, ob ich einen miesen Übergang schreibe, weil ich einfach einen Platzhalter brauche oder ob ich eine Szene in den Text hineinwürge, um den täglichen Wordcount zu erreichen.

Wann sind Wordcounts also eine gute Sache?

Ich persönlich setzte mir Wordcountziele, wenn ich die Rohfassung schreibe. Beim Überarbeiten, wo ganze Szenen fliegen, depremiert mich das sonst viel zu sehr. Obwohl Scrivener brav die Worte zählt (und die gelöschten wieder abzieht *grummel*), benütze ich dafür eine App und zwar

Writeometer (nur Android): Man kann sich ein Tages- und ein Gesamtziel setzen und anhand der Deadline berechnet die App auch den nötigen täglichen Wordcount, um das Ziel zu erreichen. Und erklärt einem mit traurigem Gesicht, dass man drei Wochen später als geplant fertig ist, wenn man sein Schneckentempo beibehält. Ein Alarm erinnert einen ans Schreiben und es gibt sogar ein integriertes Belohnungssystem, wo man für sich selber eintragen kann, womit man sich wann belohnen möchte.

Die Rohfassung ist die einzige Phase, wo ich darauf achte, wie viele Wörter ich schreibe und wie viele ich noch brauche, um rechtzeitig fertig zu sein. Ab dann lasse ich den Wordcount links liegen, weil er mir persönlich dann keine brauchbare Information mehr liefert.

Bei den Überarbeitungen setzte ich mir dann Ziele wie “Kapitel/Szene überarbeiten” oder auch “Szene X” schreiben (ohne Wortanzahl). Da arbeite ich dann ausschließlich mit meinem Whiteboard, wo jede Szene ihre Karteikarte bekommt.

Klingt logisch (hoffentlich zumindest?), aber ich habe lernen müssen, den Wordcount ab einem gewissen Zeitpunkt zu ignorieren.

Deadlines

Manche bekämen ohne sie gar nichts auf die Reihe (“Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe”), andere gehen in dem Abgabestress richtig auf und wieder andere sehen sie als notwendiges Übel, das vor allem von den Kollegen nie eingehalten wird.

Das Gute

  1. Sie machen Druck. Sie sorgen dafür, dass wir in die Gänge kommen und Sachen fertig werden.
  2. Sie organisieren uns. Lektorinnen und Korrektoren wissen, wann der Text auf ihrem Schreibtisch landet, Autorinnen, wann die Fassung vom Testleser zurückkommt. Nur so können Verlage ihr Programm planen und Indieautoren rechtzeitig Slots bei dem Lektor ihrer Wahl buchen.
  3. In einer idealen Welt sorgen sie für einen reibungslosen Ablauf, vor allem bei Projekten, wo mehrere Menschen/Stellen aufeinander angewiesen sind.

Das Schlechte

  1. Sie machen Druck. Manchmal so viel Druck, dass er uns lähmt und wir der Deadline entgegenstarren, wie einem entgegenkommenden Zug.
  2. Eine nicht eingehaltene Deadline sorgt bei zu knapper Planung für einen Dominoeffekt. Da kann man dann zusehen, wie die sorgsam geschmiedeten Pläne nacheinenander umfallen und manche Gelegenheiten auf Nimmerwiedersehen von der Tischkante purzeln. Gut, da kann die arme Deadline nichts dafür. Aber es sei hier trotzdem erwähnt.

Lasst mich gleich an den letzten Punkt anknüpfen: Plant eure Deadlines flexibel! Das heißt, genug Pufferraum, für den Fall, der 100% eintreten wird und der da heißt: Das Leben.

Ihr werdet krank. Das Kind vom Testleser wird krank. Die Designerin lässt sich scheiden. Euer Mail landet im Spam. Die Betaleserin ist AWOL. Euer Laptop gibt den Geist auf. Der Hund frisst die Fahnen.

Mich persönlich machen flexible Deadlines übrigens wahnsinnig. Wie zum Teufel soll ich mein Jahr planen, wenn ich nicht auf die Sekunde weiß, wann was wie fertig ist? *tiefes Atem* Ich weiß auch nicht recht, wo ich mir diesen Persönlichkeitzug eingetreten habe, aber ja, Kontrollzwang, hallo. *winkt* (Der beschränkt sich interessanterweise auf das Schreiben. Ansonsten operiere ich im “Jo mei” Modus.)

Das hat bei mir übrigens auch dafür gesorgt, mir völlig wahnsinnige Deadlines zu setzten, weil immerhin: 10.000 Worte sind nur 2000 pro Tag, sind so 2 Stunden – das wird doch wohl zu machen sein. Na da gehen sich dann doch so 4 Bücher aus, locker und – wie war das? Überarbeitung lässt sich nicht so planen? Lachhaft!

Tatsächlich sind die Überarbeitungen die Schritte, wo meine Planung auseinanderfällt. Jedes.verdammte.Mal. Mittlerweile habe ich begriffen, dass ich mir dafür sehr viel Zeit einräumen muss und ignoriere das Zähneknirschen von meinem Kontrollmonster. Beim Überarbeiten entsteht die Geschichte erst so richtig, ich muss manche Szenen Tage, andere Wochen liegen lassen, bis sich der Knoten löst und DIE Idee da ist, die sich so organisch in den Text einfügt, dass es gar keine andere sein könnte.

Aber das kann man eben nicht planen. Oder ich nicht. Auch wenn ich mir gerne “DI 10 -11:30: Geniales Plotelement” im Kalender notieren würde.

Also setze ich die Deadline immer äußerst großzügig an. Allerdings nicht in so weiter Ferne, dass sich dazwischen auch ein Inselurlaub ausgeht. Und ich fühle rechtzeitig vor, wie es denn bei meinen Alphalesern/meiner Lektorin zeitmäßig aussieht.

Meine Jahresplanung ist also sehr schwammig. Die Deadline für die Rohfassung ist das einzig fixe. Ab dann arbeite ich in mit “ca. 3 Wochen” “hoffentlich bis Ende Juni”, auch wenn mein Kontrollzwang sich weinend in der Ecke hin und her wiegt.

Denn ich habe einfach gelernt, dass ich mich anders nur nutzlos aufreibe. Meinen planungsliebenden Teil versuche ich mit bunten Tabellen so halbwegs bei Laune zu halten und fahre damit um Welten besser als bei meinen verbissenen Versuchen, die Arbeitsweise anderer Autoren nachzuahmen.

Deswegen gerade für die, die noch nicht so lange schreiben: Klammert euch nicht an “den einen Plan” von Bestsellerautor XY oder den Ratgeber Z. Habt den Mut auszuprobieren, was für euch funktioniert. Wie schreibt ihr ganz ohne Deadlines? Arbeitet ihr besser, wenn ihr euch wöchentliche Zeitziele statt täglicher Wortziele setzt? Oder nur mit Szenen und Kapiteln als “Maßeinheit” arbeitet? Braucht ihr den Deadlinedruck oder werdet ihr ohne ebenso pünktlich fertig?

Die Zeit zu investieren um herauszufinden, wie man selber tickt, bringt mehr, als sich komplett zu verbiegen, nur um dem Ratgeberplan F folgen zu können.

Wie geht ihr mit Deadlines und Wordcounts um? Helfen sie euch oder stressen sie eher?

 

Prokrastination und 3 Dinge, die man dagegen tun kann

Über (fehlende) Motivation und Prokrastination gibt es unzählige Blogbeiträge, Bücher und Seminare. Da ich aber in letzter Zeit mit auffallend vielen AutorInnen über Prokrastination geredet habe (und ausnahmsweise nicht über meine! Ha!), dachte ich, ich gebe zu dem Thema auch hier meinen Senf dazu. Die meisten (alle?) Lösungswege, die ich hier erwähne, werdet ihr mit Sicherheit schon kennen, aber ich bin sehr gespannt auf eure in den Kommentaren 🙂

Ursachenforschung

Ich werde mich hier nicht über Sinn und Unsinn des Prokrastinierens auslassen, fest steht, dass wir es alle tun. Und es uns nicht hilft, wenn uns versichert wird, dass es zum kreativen Prozess gehört, nicht wenn die Deadline sich schon kaltlächelnd über uns beugt und wir uns am liebsten vor ihr unter dem Sofa verstecken würden. (Wo wir allerdings unsere Motivation treffen könnten, einen Versuch wäre es also durchaus wert.)

Wir haben Deadlines, wir müssen schreiben, auch wenn wir aktuell lieber die Buchhaltung machen oder die Wohnung tiefenreinigen.

Der erste Schritt für mich ist immer herauszufinden, warum ich prokrastiniere. In 80% der Fälle liegt das Problem beim Text, genauer, bei einem Problem, das ich mir noch nicht eingestehen will: Ich habe mich in ein Eck geschrieben, ich spüre, dass ein Charakter nicht funktioniert, ich bin über ein Logikloch gestolpert, das das ganze Buch zerlegt, oder aber ich will nicht schon wieder eine verdammte Kampfszene schreiben, weil die schwer sind und ich sie hasse. (Schlimmer sind nur Sexszenen. Generell alles, wo sich Leute gleichzeitig bewegen -.-)

In den Fällen hilft es mir, mich mit Zettel und Stift (kein PC) hinzusetzen und das Problem zu lösen. Bis auf die Kampfszenen, da muss ich dann halt durch. Und meine arme Lektorin auch.

Manchmal sind es auch ganz doofe Gründe, wie, dass ich nicht aufhören will, Musik zu hören und auf die Buchplaylist zu wechseln. Okay, dann schreibe ich halt mit anderer Playlist, ist ja kein Problem? (Ehrlich, meine Psyche manchmal… bis ich da dahintergestiegen bin.)

Und manchmal, ja manchmal bin ich von der Woche auch einfach erschlagen und wenn ich auf meine ToDo-Liste schaue, hab ich das Bedürfnis davonzulaufen und unter neuem Namen Automechanikerin zu werden. Oder eine Bar in der Karibik aufzumachen. Und das ist okay, ich habe mir mittlerweile eingeräumt, mich überfordert fühlen zu dürfen. Dann gibt es eine bewusste Auszeit mit netten Sachen, bis ich nicht mehr in ein Kissen schreien und mein Gewicht in Schokolade essen will.

Herausfinden, warum man nicht anfangen will, ist auf jeden Fall einmal der Anfang. Wenn sich dann herauskristallisiert, dass es eigentlich kein Problem gibt, dass man genau weiß, was man schreiben will und es nur einfach nicht über sich bringt, anzufangen, dann helfen mir diese dreiTechniken.

Nur 10 Minuten

Wenn man keinen Bock hat, ist es kontraproduktiv sich selber mit Plänen wie “Am Samstag/heute Abend schreibe ich dann mindestens drei Stunden!” zu bestrafen motivieren. Bei mir zumindest.

Klar, unter einer stressigen Woche beruhige ich mein Gewissen damit, dass ich eh das ganze Wochenende zum Schreiben habe. Nur vergesse ich ganz gerne, dass mich mein Brotjob eben  Kraft kostet und ich das Wochenende zum Erholen bräuchte. Auch wenn ich das Autorinnenleben liebe: Es macht keinen Spaß mit ellenlanger To-Do Liste ins Wochenende zu starten, wenn man eine Höllenwoche hinter sich hat.

Zu 10 Minuten Schreiben kann man sich aber fast immer zwingen. (Ja, manchmal muss ich mich zum Schreiben zwingen. Ich gehöre nicht zu den AutorInnen, die jeden Tag ihres Lebens vor Motivation sprühend in die Tasten hauen.) Also greife ich zu Trick 17: Den Wecker stellen und 10 Minuten nur schreiben. Das Handy wird dabei sicherheitshalber aus der unmittelbaren Reichweite verbannnt.

Wichtig dabei: Sich an die eigenen Abmachungen zu halten. Nur 10 Minuten heißt nur 10 Minuten. Wenn ich dann weitermachen will – super. Wenn ich nach 10 Minuten immer noch keinen Bock habe – auch okay, immerhin 10 Minuten wurde geschrieben. Diese Dauer war abgemacht, also darf ich den Rest des Sonntags YouTube schauen oder Staubfusel zählen, no judgment.

Pomodoro

Die gute alte Tomatentechnik. Im Wechsel immer 25 Minuten arbeiten und 5 Minuten Pause machen. Dafür gibt es mittlerweile sogar schon Apps. Schaut euch um, wenn ihr gerne mit Apps arbeitet. Zu der Pomodoromethode greife ich meistens, wenn ich einfach Text schaffen muss und mir zähneknirschende 10 Minuten nichts bringen. Manchmal beginne ich auch mit den 10 Minuten und wechsel dann zu Pomodoro, je nachdem, wie es läuft.

Minuten aufschreiben

Mein allerletztes Mittel, wenn ich einfach nicht in die Gänge komme: Ich schreibe auf, womit ich minütlich die Zeit verbringe, wenn ich eigentlich schreiben wollte/sollte/müsste. Zwei Minuten auf Twitter? Notiert. 5 Minuten Wasser geholt/aus dem Fenster geschaut? Notiert. Ich habe leider (?) keine “Liste der Schande” mehr hier herumfliegen, die ich euch zeigen könnte, aber glaubt mir: Die sind ein Tritt in den Hintern. Wenn ich sehe, womit ich Stunden verschwende, anstatt endlich zu schreiben – ja, dann komm ich in die Gänge. Denn ich WILL dieses Leben ja, ich WILL meine Bücher schreiben und vielleicht irgendwann davon leben – und das wird es nicht spielen, wenn ich nichts mache.

Mit diesen drei Strategien rücke ich meiner Prokrastination zu Leibe. Was macht ihr?

 

Schreibretreats

Frauen-Schreibretreats, Yoga-Schreibretreats, Schreiben in Italien, Griechenland und Island – Schreibretreats erfreuen sich mal mehr, mal weniger Aufmerksamkeit, aber das Angebot ist riesig.

Der Gedanke dahinter ist klar: Zuhause kommt man nicht zum Schreiben, irgendwer will immer irgendwas, also wieso also nicht einmal einen Schreiburlaub machen und sich ganz dem eigenen Schaffen widmen?

Ich hab einen Mini-Schreibretreat besucht. Ganz ohne Workshops und vorgefertigtem Arbeitsmaterial, einfach eine befreundete Autorin, die mich eingeladen hat mit ihr und drei anderen Autorinnen zum Schreiben nach Bad Ischl zu fahren.

Ich habe nur zu gerne zugesagt, nicht zuletzt, weil das Schreiben an der Rohfassung meines aktuellen Projektes sich wie Kaugummi zieht und ich mir von der kleinen Reise neuen Schwung erhofft habe. (Dass die Konditorei Zauner meine erste Assoziation mit Ischl war, will ich gar nicht verschweigen – die Kuchen sind einfach göttlich!)

Außerdem war ich auch einfach neugierig und habe mich darauf gefreut, ein paar Tage mit anderen Autorinnen durch Ischl zu streifen. Und es war wirklich schön. Wir hatten echtes Kaiserwetter und neben regem Austausch und netten Gesprächen habe ich wirklich viel weiterbekommen.

Ich denke, solche Schreibretreats haben den gleichen Effekt, wie wenn ich mich ins Kaffeehaus setze. Der Gedanke “Jetzt bist du da hergefahren um zu schreiben, also schreib gefälligst auch!” ist der Tritt in den Hintern, den ich manchmal einfach brauche. Dass alle anderen um einen fleißig arbeiten, motiviert noch zusätzlich und es ist schön, sich direktes Feedback für Ideen/Probleme holen zu können.

Schreibretreat
Schreiben
Fantasy

Ich weiß nicht, ob ich jemandem einen “professionellen” Schreibretreat empfehlen kann. Nachdem ich mir die Angebote etwas angeschaut habe, scheint mir da wirklich sehr viel teurer Unsinn dabei zu sein. (Deswegen findet ihr hier auch keine Links.) Das ist natürlich nur meine Meinung, und wie gesagt, es gibt so viele Angebote, wer etwas Bestimmtes möchte wird sicher fündig werden.

Was ich aber auf jeden Fall empfehlen kann: Ein paar FreundInnen einpacken und für ein paar Tage einen Schreiburlaub machen. Wenn es in dem Ort eine gute Konditorei gibt, ist das natürlich ein Vorteil. 😉

Ich würde allerdings mit einem festen Ziel fahren: Ein Kapitel, das fertig geschrieben gehört, eine Überarbeitung, die bis zu einem gewissen Punkt gebracht werden soll – etwas, woran ihr den Erfolg der Reise messen könnt und was euch am Laptop hält, wenn draußen gerade die Sonne lacht.

Habt ihr schon einmal einen Schreiburlaub gemacht?

Logbuch #7: Muse vs. Schlaf

Meine Muse scheint zurzeit auf Speed zu sein. Wenn es nach ihr geht, dann sollte ich neben der Unstern-Reihe auch eine UrbanFantasy-Serie schreiben und einen Dystopie-Floh hat sie mir auch ins Ohr gesetzt.

Vorzugsweise überfällt sie mich damit um Mitternacht, mit dem Effekt, dass ich bis 2 in der Früh immer wieder aus dem Dämmerschlaf hochfahre, um Sachen zu notieren. Ich will mich ja nicht beschweren, aber mit meinen Augenringen geh ich langsam als Panda durch. Blöd, dass Fasching schon vorbei ist.

Auf der Unstern-Front gibt es auch Neuigkeiten: Langsam, langsam kristallisiert sich ein Cover heraus. Dass das eine so schwere Geburt wird hätte ich im Leben nicht gedacht. Ich entschuldige und bedanke mich hier jetzt offiziell bei meinem tollen Freundeskreis, dem ich seit letztem April damit auf den Keks gehe. Ihr seid die Besten! (Wappnet euch für mein Gesuder, wenn es dann ans Layouten von Unstern geht.)

Nachdem mir meine Muse schon wieder ungeduldig auf die Schulter tippt (Wirklich, hat ihr eine/r von euch was in den Kaffee getan?), werden meine Pandaaugen und ich jetzt  fleißig am zweiten Teil von Unstern weitertippen.

Ich hoffe, ihr habt alle ein entspanntes Wochenende und nicht ganz so grauenhaftes Wetter wie wir hier.