3 Gefahren für Selfpublisher

Nach einem Jahr und zwei Büchern als Selfpublisherin stehe ich noch ziemlich am Anfang meiner Karriere. Aber ich habe auch schon viel gelernt, aus meinen Erfahrungen und von den Erfahrungen anderer.

In letzter Zeit habe ich viel mit Selfpublishern geplaudert, die entweder gerade ihr erstes Buch hinausgebracht haben oder kurz davor sind. Dabei sind mir ein paar Sachen aufgefallen, ein paar Selfpublisher-Stolperfallen sozusagen, die ich hier mit euch teilen möchte.

Das sind natürlich nur meine Beobachtungen, fühlt euch frei mir zu widersprechen oder auch sehr gerne in den Kommentaren zu ergänzen.

1.Flaschengeist-Perfektionismus

Perfektionismus erwischt Selfpublisher auf vielen Bereichen. Ich klammere jetzt einmal das Problem aus, das alle Autorinnen vereint – den perfekten Text schreiben zu wollen – und gehe auf etwas ein, was vielen Selfpublishern zu Beginn ihrer Karriere zu schaffen macht: Der Wunsch, das Gleiche bieten zu können, wie ein Verlag.

Wir sind ja unser eigener Verlag, also schmeißen wir auch unsere Marketingabteilung und sind gerade am Anfang sehr bemüht, es allen recht zu machen.

Goodie-Pakte für Blogger, natürlich mit Taschenbuchexemplar – kein Problem. Überhaupt Taschenbücher als Rezensionsexemplare, egal wo die Bloggerin sitzt – wir verschicken auch in die Staaten. Denn wir wollen Ja sagen, wenn Interesse an unseren Büchern da ist, wir brauchen die Rezensionen, die Sichtbarkeit.

Und so bemühen wir uns nach Kräften, wie ein Flaschengeist allen Wünschen entgegenzukommen: Gratis-Lesungen, möglichst kreative Goodies und Taschenbücher für alle, die an den Leserunden mitmachen.

Nichts davon ist schlecht. Aber es schadet auch nicht, innezuhalten, und erst einmal in Ruhe eine Kosten-Nutzen-Rechnung zu erstellen. Und auch einmal bedauernd Nein zu sagen. Ihr müsst nicht auf jeder Hochzeit tanzen, wenn es sich zeitlich, finanziell oder aus sonstigen Gründen einfach nicht ausgeht. Wegen ein paar abgesagten Aktionen werdet ihr nicht gleich in Vergessenheit geraten.

2. Das Amazon-Hamsterrad

Selfpublisher veröffentlichen schneller und mehr als Verlagsautoren. Das hat zum einen sehr viel damit zu tun, dass wir nicht an Programmpläne gebunden sind. Wir können veröffentlichen, wann wir wollen.

Aber Selfpublisher veröffentlichen auch schnell, weil Amazon das mit Sichtbarkeit belohnt. Sichtbarkeit bedeutete mehr Verkäufe, bedeutete bessere Ränge, bedeutet mehr Sichtbarkeit, bedeutet mehr Verkäufe… Ihr seht, was ich damit sagen will. Wir alle fürchten die Klippe, über die Amazon uns nach einer gewissen Zeit tritt, und wo wir zusammen mit unseren Büchern im Nirvana verschwinden.

Die Gefahr für Selfpublisher: Burn-out. Manche Autoren haben noch nicht einmal das erste Buch draußen, und sind jetzt schon gestresst. “Ich habe ein Jahr für ein Buch gebraucht. Wie soll ich da sechs in einem Jahr schaffen?!”

Ehrlich gesagt: Keine Ahnung. Mit Übung wird man schneller und mit einem Diktierprogramm sowieso, aber ganz ehrlich: Du musst keine sechs Bücher im Jahr schaffen. Solltest du? Ja. Zumindest drei wären nicht schlecht. Vom Schönreden hat niemand was, am allerwenigsten Selfpublisher.

Aber bevor du dich in das Hamsterrad wirfst und am Ende darunter landest: Überlege, was für dich realistisch möglich ist. Wie schnell kannst du Bücher schreiben, mit denen du zufrieden bist? Wie lange brauchen deine Alphaleser/Lektoren/Testleser? Kannst du vielleicht die Zeit zwischen Romanen mit kürzeren Texten überbrücken?

Finde ein System, das dich glücklich macht und nicht kaputt.

3. Zu früh veröffentlichen

Das Tolle am Selfpublishing ist, dass man jederzeit mit einem Klick seine Werke mit der Welt teilen kann. Das Problem ist, dass man diesen Klick manchmal überstürzt.

Am Ende eines Buches bin ich meistens fertig mit den Nerven. Ich kann den Text nicht mehr sehen und will ihn einfach nur von meinem Schreibtisch haben. Das Warten auf die Rückmeldungen der TestleserInnen ist für mich die Hölle.

Ich verstehe also jeden, der sein Werk endlich fertig geschrieben hat und einfach nur noch veröffentlichen will.

Doch manchmal ist es zu früh. Vielleicht nur zu früh für dieses Buch, das noch eine Lektoratsrunde vertragen hätte, vielleicht aber auch einfach zu früh für den Autor. Das erste fertige Buch ist eine Leistung, auf die man zu recht stolz sein kann. Trotzdem sind erste Werke manchmal besser in der Schublade aufgehoben.

Um ehrlich zu sein, bin ich sehr froh, dass Selfpublishing vor 16 Jahren noch keine Option war. Denn da hatte ich meinen ersten Roman fertig  und ich bin froh, dass ich nicht in die Versuchung kommen konnte, auf “Publish” zu drücken. Und dass die Diskette mit “Dämonentanz” verschollen ist.

Ich würde das Buch – vor allem wenn es das erste ist – auf jeden Fall Testlesern geben. Nicht der Verwandschaft oder den besten Freunden, sondern Menschen, die einem ungeschminkt die Wahrheit sagen können. Ja, man hat bereits Monate oder auch Jahre investiert und will endlich veröffentlichen, aber trotzdem. Durchatmen. Das Werk kritisch lesen lassen. Und in der Zwischenzeit am nächsten schreiben.

Denn ein Buch aus dem Netz zu nehmen und neu überarbeitet zu veröffentlichen ist zwar möglich, aber wenn ich den Erfahrungsberichten trauen kann, nicht sonderlich lustig. Und oft auch eine Zeit- und Geldverschwendung: Das Buch hatte bereits seine Leser, die werden die neue Version nicht kaufen. Im Gegenteil, die sind oft verärgert, dass ihnen das schon gekaufte Buch neu präsentiert wird und sie auf dem “minderwertigen” Exemplar sitzen.

Vielleicht findet ihr mit der überarbeiteten Version tausende neue LeserInnen, vielleicht auch nicht. Aber  ihr habt wieder Kosten für ein weiteres Lektorat, ein anderes Cover – Geld, das ihr vermutlich lieber in ein neues Projekt stecken würdet.

Also zieht die Hand, die mit dem Mauspfeil über “Veröffentlichen” schwebt, noch einmal zurück. Zumindest so lange, bis euch eure TestleserInnen grünes Licht gegeben haben. Und dann: Viel Erfolg!

Die erste Lesung

Die erste Lesung ist ja immer etwas Besonderes und ich muss ehrlich sagen: Was erste Lesungen betrifft, habe ich den absoluten Jackpot gezogen und durfte im Dezember 2017 an der Akademie für Kommunikation in Stuttgart lesen.

Lesungen sind etwas, was ich ohne die liebe Einladung von Claus R. Kullak wahrscheinlich Jahre vor mir hergeschoben hätte. Was das angeht, bin ich ein kleiner Feigling. (Nein, nicht der zum Trinken.) Doch dann kam die Einladung und ich bin völlig fassungslos vor Glück vor dem Laptop gesessen und habe auf die Email gestarrt. Wer jetzt glaubt, dass das übertrieben ist: Ich bin eine unbekannte Dark Fantasy Indie-Autorin, die zu diesem Zeitpunkt gerade ihr erstes Buch veröffentlicht hatte. Und dann werde ich zu einer Lesung nach Stuttgart eingeladen! Ich habe natürlich sofort zugesagt.

Und was soll ich sagen, es war einfach nur toll. <3

Der Tag ging mit einer Fragerunde der SchülerInnen los. Es ist immer schön, mit anderen AutorInnen zu reden und es kamen interessierte und spannende Fragen. Ich habe mich wirklich gerne mit ihnen unterhalten. Danach kam ein Interview, das sogar gefilmt wurde – die Schule hat künstlerische Schwerpunkte wie Film und ich war sehr neidisch: Auf die Schule wäre ich auch gerne gegangen! – und dann haben die Design-SchülerInnen ihre Unstern-inspirierten Arbeiten präsentiert.

Ich war – und bin – völlig geplättet, was für tolle Sachen die SchülerInnen zu meinem Buch gemacht haben. Ich glaube, ich habe die gleichen Komplimente im Kreis wiederholt, mir hat es zum Teil schlicht die Sprache verschlagen. Zu sehen, zu was das eigene Buch andere inspiriert war einfach der Wahnsinn. Wenn ihr die Werke auch bewundern wollt, könnt ihr das hier tun.

Nach der Präsentation habe ich noch mit den Design-SchülerInnen geplaudert, es war eine sehr lustige und anregende Unterhaltung, die mir unglaublich viel Spaß gemacht hat.

Und dann kam die Lesung. *dam dam dam daaaam*

Ich war so nervös, ich habe kaum etwas von der köstlichen Pizza hinunterbekommen, die es davor gab. Lisa und Sophie, die mich den ganzen Tag über super lieb begleitet haben, haben auch durch die Lesung geführt. Lisa hat die Lesung mit dieser Rede eingeführt – ich sollte sie wirklich als meine Werbetexterin engagieren.

Wir befinden uns in Alat, einer Stadt voller Menschen, Halbblüter, Magier und Dämonen. Es ist heiß, der blaue Ruß der Glasschmieden klebt an den Fenstern. Die Läuferin Kerra betritt das Nest, das gefährlichste Viertel der Stadt, um jemandem eine Nachricht zu überbringen.
Kerra und ihre Freunde Sidra und Dolan sind Unsterne, wie man Magielose im Volke der Bahnu nennt. Ihnen ist es verboten zu versuchen, Magie zu erlernen, und als Dolan dabei ertappt wird, fliehen die drei in die Stadt Alat. Um ihre kranke Freundin Sidra zu retten, geht Kerra mit dem Oberhaupt der Verbrecher im Nest einen gefährlichen Handel ein und gerät so in einen Konflikt zwischen der Stadtwache, den Gesetzlosen und den Magiern, der ihr vielleicht das Leben kosten könnte. Nachdem Dolans Magieschriften entdeckt und er ins Gefängnis geworfen wird, muss sie sich für seine Befreiung neue Verbündete suchen. Darunter befinden sich ein zwielichtiger Heilermeister, der Verbrecherkönig, ein Halbblut und ein Soldat der Stadtwache. Ein Plan nach dem anderen misslingt und die Schlinge um Kerras Hals zieht sich immer fester. Gibt es die sagenumwobene Glasbrücke wirklich? Was schlummert unter der Stadt? Und wer ist der Mondschieber, der nachts angeblich Menschen aus der Stadt schmuggelt?

Katrin Ils‘ Charktere sind nicht nur Statisten. Auf meisterhafte Weise haucht sie ihnen Leben ein, gibt ihnen überzeugende Persönlichkeiten, eigene Träume und Motivationsgründe. Das Geschehen in Unstern ist kein Fluss, der als eine Masse stur in eine Richtung hinunter fließt, sondern ein aus den unterschiedlichsten Fäden gewebtes Kunstwerk, das aus den vielen Beweggründen der Charaktere entsprungene Handlungsstränge gekonnt miteinander verbindet. Im Roman werden die Charaktere lebendig, die Handlung ist fesselnd und realistisch.
Vor dem inneren Auge ist die Stadt Alat klar zu sehen. Ab der ersten Seite werden Sie, liebes Publikum, von der Erzählung vollkommen gefangen sein.
Und wer einmal in die magischen Fänge Alats geraten ist, der kommt so leicht nicht wieder dort heraus.*

Hammer, oder?

Dann war ich dran. Dem Feedback nach hat man mir nicht angesehen, dass ich vor Nervosität fast gestorben wäre und ich war wirklich froh, meine Zettel auf einem Tisch ablegen zu können. Meine Hände haben erst bei der letzten Szene zu zittern aufgehört. Entspannt habe ich mich dann erst bei der Fragerunde.

Danach gab es ein Buffet und die vielen netten Gespräche haben diesen Tag perfekt abgerundet.

Fazit: Lesungen machen Spaß. Ich sterbe zwar davor und währenddessen vor Nervosität, aber ich lese gerne vor anderen Leuten und freue mich schon auf meine nächste Live-Lesung, am 19.5.2018 im books4life.

Aber meine erste Lesung wäre mir nie als eine so tolle Erfahrung im Gedächtnis geblieben, wenn sie nicht mit all den lieben SchülerInnen und LehrerInnen der AfK verbunden wäre. So lächel ich noch immer, wenn ich daran denke und ich hoffe, zumindest ein paar dieser wunderbaren Menschen wieder “in echt” zu treffen.

*Ich habe die Rede natürlich mit Lisas Erlaubnis hier gepostet. Schaut unbedingt auf ihr Instagram und auch auf das von Sophie – die beiden waren echt der Wahnsinn. <3 Vielen vielen Dank noch einmal für alles!

Das 2. Mal

Vergesst die Panik vor dem ersten Mal. Das erste Mal ist großartig! Völlig egal, was alles danebengeht, man kann sagen: Hey, ich mach das hier zum ersten Mal. Und außerdem kann man auf das Anfängerglück vertrauen. Beim zweiten Mal sieht das schon ganz anders aus, da sollte man dann zumindest mehr als eine ungefähre Ahhnung haben, wie das alles funktioniert. Und das allerschlimmste: Man hat bereits Erwartungen geweckt.

Ich stehe jetzt kurz vor dem zweiten Mal. Das Lektorat ist so gut wie abgeschlossen, etwas Politur noch, und dann lass ich meine Testleser auf mein zweites Buch los. Ein letzter Kontrolllauf, bevor ich auf “Veröffentlichen” klicke und den zweiten Teil der Serie in die Welt entlasse. Und ich bin nervöser als beim ersten Mal.

Als Unstern hinauskam, war ich nervös. Immerhin macht niemand gerne mit seinem Debüt einen Bauchfleck. Vor allem nicht, wenn man für alle Entscheidungen selbst verantwortlich ist und das beeinhaltet als Indieautorin auch die Entscheidung zu veröffentlichen. Das Feedback war so überwältigend positiv – Unstern hat es sogar auf der Longlist für den IndieSERAPH geschafft – dass ich immer noch ganz baff bin.

Und dann ging es an das zweite Buch.

Manche Sachen sind viel einfacher. Ich habe eine tolle Coverdesignerin, die im Handumdrehen ein Cover für Flammendunkel parat hatte. Ich habe mich mittlerweile mit InDesign angefreundet und mit meiner Alphaleserin und meiner Lektorin das ideale Team am Start. Viele von den kleinen Dingen, die mich das erste Mal schlaflose Nächte gekostet haben, tauchen dieses Mal gar nicht auf meinem OhmeinGottOhmeinGotOhmeinGottWasmachichnur-Radar auf. Der Vorteil, wenn man zumindest schon ein bisschen besser weiß, was man da eigentlich tut.

Dass, und das ich gelernt habe, mich zu entspannen und mich nicht wegen jeder Kleinigkeit selbst in den Wahnsinn zu treiben. Selfpublishing ist gut für die Persönlichkeitsentwicklung kann ich nur sagen.

Aber nun habe ich LeserInnen. (Und zwar die allertollsten. Sorry, liebe KollegInnen, aber meine LeserInnen sind die besten.) Und die könnte ich jetzt enttäuschen. Denn beim ersten Buch einer neuen Autorin erwarten sich die meisten noch nicht viel. Nicht unbedingt, weil es das “erste erste” Buch ist, sondern weil man den Autor noch nicht kennt. Das geht mir als Leserin genauso, das erste Buch, dass ich von einer Autorin lese, lese ich völlig unbefangen. Das gefällt mir, oder eben nicht. Aber das zweite und alle weiteren? Da gehe ich mit einer Erwartungshaltung heran.

Und nun bin ich nervös,  weil ich meine LeserInnen und ihre Erwartungen nicht enttäuschen will.

Ich habe mir von anderen Autoren sagen lassen, dass ich damit nicht alleine bin, aber das ist nicht wirklich eine Hilfe. Dass es bei jedem weiteren Buch genauso weitergeht, auch nicht.

Was ich mit diesem Post sagen will? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.

Vielleicht: Genießt euer Debüt, liebe Schreibende! Dass euch niemand kennt, niemand auch nur eine veröffentlichte Seite von euch gelesen hat, gibt euch eine nicht zu verachtende Unbeschwertheit. Genießt sie!

Vielleicht auch: Veröffentlichen scheint mit jedem Buch eine emotionale Achterbahn zu sein, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Und irgendwie ist das ja auch schön.

 

Was zum &%$Q ist patreon?

Seit  meine patreon Seite online ist, haben sich in meiner Inbox neben Glückwünschen (Danke!) und Pledges* (Yay!) auch viele Fragen wie die des Post-Titels gefunden. Nur viel höflicher.  Also dachte ich mir, ich beantworte alle Fragen ausführlicher in einem Blogpost.  Los geht’s!

*pledges = Ein “Abo”, sprich eine Unterstützungszusage.

Was ist dieses patreon?

Patreon ist eine Plattform, auf der sich Creators vorstellen und eine Art monatliche Abos  in verschiedenen Stufen  – Start: 1 USD – anbieten. Interessierte zahlen entweder einmal im Monat den Betrag, den sie sich ausgesucht haben und bekommen dafür Zugriff auf die Extras, die sich der Creator für dieses Abo-Level ausgedacht hat. Oder sie zahlen pro Beitrag, der sie interessiert. Das kann man sich allerdings nicht aussuchen: Welche Optionen möglich sind, wird vom jeweiligen Creator festgelegt. Wenn man den Creator nicht mehr abonnieren möchte oder kann, kann man seine Unterstützung einfach beenden.

Warum ich das englische Wort “Creator” verwende? Weil ich nicht weiß, wie ich das auf Deutsch ordentlich ausdrücken soll (und das als Autorin!), den Künstler greift zu kurz. Man findet dort DesignerInnen, AutorInnen, You-Tuber, Fotomodels und und und… Schaut euch einfach einmal dort um.

Verboten ist alles was unter hate speech fällt, rassistische, homophobe, sexistische Inhalte werden nicht geduldet und man kann mit patreon auch kein Drogenlabor finanzieren.

Also so eine Art Crowdfunding-Kickstarter?

Ja, das trifft es gut. Der Unterschied ist, dass bei Kickstarter etc. die finanziellen Mittel für ein bestimmtes Ziel gesammelt werden, etwa für einen Independentfilm. Kommt das Geld nicht zusammen, fällt das Projekt ins Wasser und die Leute bekommen ihr Geld zurück. Hier ist es ein fixer monatlicher Betrag, der nicht an ein Ziel geknüpft ist.

Von den Beträgen streicht patreon 5% ein und paypal behebt je nach Betrag gewisse Gebühren, der Großteil der Summe landet aber tatsächlich bei der Autorin/Designerin/Filmemacherin. Yay!

Wer mitmachen möchte – ob als Creator oder Unterstützer (patron) – braucht nur einen patreon account und paypal/eine Kreditkarte.

Wie hast du patreon gefunden?

Ich persönlich habe patreon vor ca. 2 Jahren über Designer gefunden, denen ich auf anderen SocialMedia-Kanälen gefolgt bin. Dass diese Plattform für mich als Autorin vielleicht auch interessant sein könnte, der Gedanke ist mir damals noch nicht gekommen.

Das System fand ich aber von Anfang an toll, ich bin auch jemand, der online -“Kaffeegeldkassen” liebt. Es ist eine nette und einfache Art, Leuten zurückzugeben, die z.B. auf pixabay ihre Fotos gratis zur Verwendung anbieten oder sich bei Bloggern für spannende Artikel zu bedanken.

Ich bin auch AutorIn! Soll ich auch eine patreon-Seite machen?

Klar, warum nicht? Solange du patreon nicht als einen schnellen Weg zum Reichtum siehst und dir bewusst ist, dass das viel Arbeit ist: Nur zu. Die Inhalte, die du auf patreon teilen willst, die “Abolevel” (Tiers) die du anbietest, wann und wie viel du postest – das will alles gut durchdacht sein.

Manche Autoren bieten jeden Tag ein Gedicht an, andere posten ihre neuen Bücher kapitelweise, während sie schreiben. Das ist beides nichts für mich, weil ich keine Gedichte schreibe und meine Bücher nicht in der “richtigen” Reihenfolge schreibe. Also überlege dir, was du anbieten kannst, was zu deinem Arbeitsprozess passt und was du durchhalten kannst, auch über Jahre.

Klein anfangen und lieber später steigern, ist zumindest mein Motto.

Hm, ich überlege dort Leute zu unterstützen, aber ich noch unsicher. Soll ich wirklich?

Die Frage kannst du dir nur selber beantworten.

Ein paar allgemeine Informationen: Man kann anonym dort auftreten, denn alles, was von anderen gesehen wird, ist der Benutzername, die Email-Adresse und das Level, für das man sich entschieden hat (also 1 USD, 5 USD, 100 USd etc.). Man kann die Unterstützung jederzeit beenden.

Aber machen wir eine kurze Plus-Minus Liste.

Gründe dagegen

  • Du kannst es dir finanziell nicht leisten. Es gibt Zeiten, da ist auch 1 USD im Monat einfach nicht drinnen. Ich kenne das, es sind nicht die lustigsten Monate/Jahre. Lass dich von niemandem dazu drängen oder dir ein schlechtes Gewissen einreden. Auch nicht von dir selber!
  • Du willst eigentlich nicht, aber du kennst den/die AutorIn persönlich und hast das Gefühl, du solltest. Ähm, nein. Höflichkeitsunterstützung ist keine gute Idee. Irgendwann bist du nämlich genervt, wenn du die Person nur siehst. Der/die AutorIn muss nervlich aushalten, dass du ihn/sie eben nicht finanziell unterstützen willst. Wenn die Person denkt, ein Anrecht darauf zu haben, weil ihr euch kennt, dann – ähm-  bist du sicher, dass du sie weiter kennen willst?

Gründe dafür

  • Du bekommst coole und exklusive Einblicke in die Arbeit von einem Künstler, dessen Arbeit du magst und lernst den Menschen dahinter näher kennen.
  • Du machst dem Künstler damit ein ganz besonderes Geschenk: Zu sehen, dass Menschen die eigene Arbeit oder auch den Künstler so schätzen, dass sie bereit sind, ihn finanziell zu unterstützen – das ist ein Riesenkompliment, über das sich der- oder diejenige wie wahnsinnig freuen wird. Auch wenn es “nur” 1 USD ist – die Geste reicht weit.

Wenn du unsicher bist, weil du die Person kennst, sie unterstützen willst, aber nicht weiß, ob die Designerin das nicht eigenartig findet: Einfach fragen 🙂 Entweder er/sie ist total gerührt und nimmt dankend an, oder er/sie ist total gerührt und lehnt dankend ab.

Unterstützt du eigentlich auch Leute auf patreon?

Ja. Ich habe auch ein privates Profil auf patreon, mit dem ich meine Lieblingsdesigner stalke. Allerdings bin ich am Überlegen, alles über meine Autorenseite zu regeln, denn die Frage kommt so oft, dass ihr offensichtlich meine Leute mitstalken wollt. 😉

Bei wem ihr aber auf jeden Fall vorbei schauen solltet, ist die bezaubernde Kia Kahawa <3

Das war die Fragensammlung, die die letzten Tage in meiner Inbox gelandet ist. Wenn ihr noch weitere Fragen oder auch Anmerkungen habt: Ich freue mich auf eure Kommentare <3

Dämonen

Ich habe beim Schreiben eine Regel: Ein Projekt nach dem anderen. Während ein Manuskript bei der Alphaleserin oder im Lektorat ist, arbeite ich an anderen Sachen, aber bevor das Hauptprojekt fertig ist, erlaube ich mir keine andere Spielwiese.

Jetzt ärgert mich aber schon die längste Zeit ein hartnäckiges Plotbunny, das gerne ein einbändiger Roman in der Unsternwelt wäre. Es würde suuuuper hineinpassen und überhaupt, etwas Einbändiges kann man ja ruhig mal dazwischenschieben. Soweit die Logik des Plotbunnys.

Und weil es einfach keine Ruhe gibt, habe ich heute auf Twitter gefragt, wie Leute, die an mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten, ihre Zeit auf die verschiedenen Projekte aufteilen. Denn auch wenn ich sehr intensiv mit dem Bunny flirte, habe ich ein schlechte Gewissen, denn Unstern hat einfach absolute Priorität.

Die Diskussion scheint beim einen oder anderen einen Nerv getroffen zu haben, und deswegen hatte ich das Bedürfnis, hier noch etwas dazu zu schreiben.

Es geht um Zielsetzung. Darum, was man vom Schreiben will. Und um Dämonen.

Der Grund, warum ich die oben erwähnte Regel für mich eingeführt habe, ist ein einfacher. Ich habe früher sehr viel gleichzeitig geschrieben. Immer Fantasy, aber die verschiedensten Welten und Geschichten. Mit dem Effekt, dass nie etwas fertig geworden ist. Die Geschichten sind halbfertig liegen geblieben, weil ich stecken geblieben bin, weil mich ein anderes Projekt mehr interessiert hat – die Gründe waren vielfältig.

Meine Schwester hat mir irgendwann erzählt, dass sie meine ganzen halbfertigen Geschichten heimlich gelesen hat und sich immer darüber geärgert hat, dass ich einfach nichts fertig gemacht habe. Nur warum habe ich das nicht? Einfach, weil ich mich zwischen den tausend Projekten verloren habe, anstatt die Priorität auf eines zu setzten. Das kam erst, als ich “diese Autorensache” ernsthaft angegangen bin.

Aber dass ich Autorin sein wollte, das war mir immer klar. Schon in der Schule wusste ich: Das will ich. Schreiben und davon leben. Mit, ich glaube 18, kam dann mit dem Wolfgang-Hohlbein-Preis eine Deadline von außen und ich habe endlich einen Roman fertig geschrieben. Und dann bin ich wieder von Projekt zu Projekt gehüpft, denn warum auch nicht? Hin und wieder wurde eine Rohfassung fertig, aber überarbeiten? Nicht doch. Das neue Projekt ist viiieeel spannender.

Nicht falsch verstehen. Es ist nicht schlimm, eine Geschichte abzubrechen, wenn man merkt, dass der Plot doch nicht so weit reicht, das Thema doch nicht so spannend ist. Es ist auch nicht schlimm, nie fertig zu werden und an tausend Sachen gleichzeitig zu schreiben.

Außer, wenn es das ist. Wenn es schlimm ist, weil man ja fertig werden will, veröffentlichen will, endlich einmal etwas in der Hand halten will.

Und das wollte ich! Und irgendwann hatte ich den Punkt erreicht, wo ich mir die Frage nach dem Warum gestellt habe. Warum werde ich nicht fertig? Warum breche ich so viel ab, verliere das Interesse, fange tausend verschieden Geschichten an? Leichte Antwort: Einfach so viele deen! Aber das erklärt nicht, warum ich ums Verrecken nichts fertig machte.

Also wo liegt der Hund wirklich begraben?

Manche Ursachen sind tatsächlich leicht zu klären. Falsch geplottet oder nicht genug, nach der Hälfte eine langweilige Richtung eingeschlagen – daraus lernt man und macht es beim nächsten Mal besser.

Andere Ursachen haben tiefere Wurzeln. In unserer Kindheit, in Erfahrungen, die wir gemacht haben, Lektionen, die wir lernen mussten. In Erwartungen, Forderungen, die wir und andere an uns haben. Sie hängen zusammen mit Wünschen, Selbstwert und Träumen. Denn eine unfertige Erstfassung ist ein sicherer Ort. Es kann noch alles werden, kann noch das Meisterwerk werden, das wir von uns erwarten. Wir können davon tagträumen, wie toll das Buch wird, wie fantastisch unser Autorenleben.

Wenn wir tatsächlich ein Buch fertig machen, es aus der Hand geben, werden unsere Träume mit der Realität konfrontiert.

Was, wenn wir nicht gut genug sind, um zu schreiben? Wenn alle unsere Texte hassen? Wenn wir mit dem, was wir ein Leben lang werden wollten, scheitern? Was machen wir dann? Wer zum Teufel sind wir dann noch?

Ängste wie diese sind mächtig und sie pfuschen uns öfter und unauffälliger ins Handwerk als wir meinen.

Will ich jetzt damit sagen, dass alle, die an meheren Projekten arbeiten nur Angst davor haben, etwas fertig zu machen? Großer Gott, nein! Natürlich nicht. Das hier ist meine persönliche Erfahrung und kein “Ich habe die alleinige Weisheit mit den Löffeln gefressen”-Post.

Wir alle haben andere Ziele. Ich will vom Schreiben leben können und hätte mir meinen eigenen Traum beinahe mit meinem Projektgehüpfe versaut, weil ich Angst vor dem Realitätscheck hatte.  Du willst vielleicht einfach nur Spaß daran haben oder hin und wieder was mit Freunden teilen. Oder du bist einfach viel viel geduldiger als ich, die am liebsten jeden Tag ein Buch veröffentlichen würde.

Und das ist alles wunderbar.

Aber wenn du veröffentlichen willst und vor tausend angefangenen Projekten sitzt, dann geht es dir vielleicht wie mir früher. Und dann frage dich:

Bin ich mit meiner derzeitigen Arbeitsweise glücklich? Warum habe ich tausend angefangene Fragmente auf dem PC, aber mache nichts fertig? Liegt es am Plotten? An der Charakterentwicklung? Oder höre ich einfach immer auf, wenn es schwierig wird, anstatt mich durchzubeißen?  Warum mache ich das?

Diese Fragen kann nur jede/r für sich beantworten. Aber sich mit den eigenen Dämonen zusammenzusetzten, kann bei der Suche nach Antworten helfen.

Dieser Post soll niemanden angreifen, der viel gleichzeit schreibt. Ihr wisst am besten, was für euch und euer Schreiben richtig und zielführend ist. Mir war dieser Post einfach ein Bedürfnis, weil ich mich jahrelang hinter “Ich bin gerade nicht inspiriert/Die Szene ist mir jetzt zu schwer/etc.” versteckt habe. 

Und an die, die gleichzeitig schreiben, um zu veröffentlichen: Teilt ihr das nach Stunden auf, nach Tagen? Nach Deadlines von eurem Lektor?

Amazon und die Autorin

Mein Blog wird unsanft mit einem brutalen Thema aus dem Schlaf gerüttelt. Mit Monopolstellungen und Zahlen. Sagt man als Autorin, wenn es in einem Shop nicht gut läuft? Ich weiß es nicht, aber: Warum eigentlich nicht? Ich bin eine Freundin von Austausch und Erfahrungsberichten und deswegen:

Mein Jahr auf Amazon und Tolino inkl. feschem Tortendiagramm.

Man kann über Amazon eine Menge sagen. Es ist kein Traumunternehmen, es reißt Märkte an sich und dort zu arbeiten stelle ich mir beschränkt lustig vor. Für mich als Indie-Autorin kommt dann das große ABER: Ohne Amazon gäbe es Selfpublishing in dieser Form nicht. Sie haben den Indie-AutorInnen den Weg geebnet, sie diskrimieren nicht: Egal ob Groß-, Klein- oder Selbstverlag, alle Bücher werden gleichberechtigt präsentiert. Die LeserInnen entscheiden, was sie wollen und in den Amazoncharts finden sich nicht wenige Indie-Titel.

So weit, so naja. Denn das Problem von Platzhirschen ist, dass sie von heute auf morgen die Regeln ändern können. Amazon hat quasi über Nacht  Prime Reading eingeführt und die Indie-Szene hat erstmal kollektiv zum Riechsalz gegriffen. Die Gemüter haben sich nur langsam beruhigt, denn es hat wieder eines vor Augen geführt: Wenn ich mit meinen Büchern bei einem einzigen Anbieter bin und dieser die Regeln ändert, kann ich als AutorIn sehr schnell weg vom Fenster sein.

Wenn Amazon beschließt, statt 70% nur noch 30% auszuschütten, können sich die AutorInnen entweder beugen oder gehen. Nur: Wohin? Kein anderer Shop bietet aktuell auch nur annähernd vergleichbare Sichtbarkeit. Amazon hat schlicht keine ernstzunehmende Konkurrenz.

Als ich im Mai 2017 Unstern veröffentlicht habe (ja, es ist ein Amazonlink :p), wollte ich diese Abhängigkeit eben nicht. Also stellte ich das Buch auch auf Tolino. Und wartete. Und nichts passierte. Tolino machte Werbung. Ein kurzes Aufleben – was bei einem Verkauf von praktisch 0 nicht schwer ist – und dann wieder nichts.

Das soll kein Tolino-Bashing sein. Die Leute, mit denen ich geschrieben habe, waren alle sehr nett und ich weiß von Kollegen, bei denen Tolino super läuft und Amazon dafür  nicht und habe Gerüchte gehört, dass sich bei manchen die Verkäufe fast 50-50 auf die Plattformen aufteilen.

Bei mir sieht es nach guten 8 Monaten allerdings so aus:

Theoretisch bin ich nicht von Amazon abhängig, denn ich bin ja bei Tolino. Praktisch gehe ich genauso baden wie der Rest der Amazon-only AutorInnen, wenn Amazon die Regeln zu unserem Nachteil ändert. Denn Unstern verkauft sich brav. Aber nur auf Amazon.

Eine theoretische Absicherung hilft mir leider nicht und nach einigem Grübeln und Gesprächen mit Freunden und Autorengruppen, habe ich nun eine Entscheidung getroffen.

Im Jänner werde ich Unstern in KindleUnlimited* geben und den zweiten Teil, wenn er dann erscheint, auch.

Ob Dark Fantasy mit genau 0 Romantik dort läuft? Ich habe keine Ahnung. Aber ich werde es herausfinden – und berichten. Vielleicht breche ich den Versuch nach den drei Monaten ab und kehre zu Tolino zurück. Vielleicht schießen meine Zahlen bei Tolino, Weltbild und Co in den nächsten zwei Wochen dermaßen in die Höhe, das es Wahnsinn wäre von dort wegzugehen. Wahrscheinlich aber nicht. Und deswegen beginnt für mich im neuen Jahr das Experiment Dark Fantasy und KU.

Meine Tolino-LeserInnen: Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich das machen soll, da ich immer noch die Hoffnung/Illusion habe, dass es sich bei Tolino einfach nur um ein Geduldsspiel handelt. Ich will niemanden ausschließen und verstehe gut, wenn jemand nicht bei Amazon kaufen will. Aber – und das ist die grausame Realität – meine Designerin und meine Lektorin werden sich nicht ewig von mir mit Palatschinken bezahlen lassen. Vermutlich, weil sie die schlecht an Vermieter und Stromlieferanten weitergeben können. Und deswegen muss ich fürs Erste den aktuellen Zahlen folgen. Und die führen nun einmal zu Amazon.

*Kindle Unlimited ist ein Leseabo für Kindle. Die AutorInnen, die dort dabei sind, dürfen ihre ebooks nur für Kindle anbieten. Print ist allerdings nicht auf Amazon gebunden.

Autorin auf Reisen: Schweden

Wenn Autorinnen eine Reise tun, haben sie natürlich ein Manuskript im Gepäck. Bei mir waren es sogar zwei: Die Rohfassung von Unstern 2 aka Mondschieber und mein Sirenenprojekt, dass ich vor gut eineinhalb Jahren geschrieben habe.

Mein Ziel für Stockholm war: Erholen, schreiben und die Sirenen lesen, um zu sehen, ob ich noch was drauß machen kann. (Spoiler: Die Sirenen hätte ich mal besser in Wien gelassen. Eieieie.)

Die von euch, die mir auf Instagram, Twitter und Facebook folgen, konnten meinen unheiligen Zimtschneckenkonsum live mitverfolgen – die Mengen, die ich verdrückt habe, war echt nicht mehr feierlich. ^^” Aber ich musste sie nicht selber machen! Wie kann man da wiederstehen? Denn abgesehen davon, dass der Teig mich jedes Mal anzickt, ist es einfach eine unglaubliche Patzerei. Ich erinnere mich an eine denkwürdige Kanelbulle-Zubereitung, bei der mir der Teig den Nagellack von den Fingern gezogen hat… -.-

Aber ich schweife ab – wie immer *g*

Stockholm war toll: Eine nette Stadt mit gutem Kaffee und ich hatte nicht nur einen superhübschen Schreibtisch zum Arbeiten, sondern auch einen Balkon! <3 Autorinnenherz, was willst du mehr? Dank des Wetters konnte ich ihn leider nicht so oft nützen, aber das war immer noch mehr Balkon, als ich hier habe.

Das ich trotzdem nicht so viel geschafft habe, wie geplant, lag daran, dass mir dieser Urlaub dazwischengekommen ist, von dem immer alle reden :p

Ich habe Kaffe getrunken, mein Körpergewicht in Kanelbullar gegessen, bin im Nationalpark herumgekrochen und Boot gefahren – und mit tausend neuen Ideen nach Wien zurückgekommen 🙂

Schweden
Rentier
Kanelbulle
Nationalpark

Wie jedes Mal nach dem Urlaub (fein, nach Taiwan war das erste und bis jetzt einzige Mal – da seht ihr, ich sollte dringend öfter Urlaub machen) verlose ich Kleinigkeiten, die ich mitgenommen habe. Dieses Mal läuft die Verlosung allerdings über den Newsletter, zu dem ihr euch hier anmelden könnt: klick *liebschau*

Ich weiß, das ist total gemein von mir – obwohl, cooler Newsletter und Schokolade? Win – Win! – und als Trost deswegen hier mein geliebtes Zimtschneckenrezept. Tipp: Teig nicht mit lackierten Nägeln kneten.

Zimtschnecken (32 Stück)

Wenn man sich die Arbeit antut, wirklich gleich mehr machen und den Rest einfrieren.

Teig: 400 ml Milch/120 g Butter/1 Würfel Germ (Hefe)/1 Ei/750 g Mehl (glatt)/1/2 TL Salz/120 g Staubzucker/gemahlener Zimt und Kardamom

Fülle: 120 g weiche, streichfähige Butter/120 g Kristallzucker/Zimt und Kardamom nach Geschmack

Bestreichen: 1 Ei (also ingesamt 2 Eier für das Rezept)

  1. Milch langsam erwärmen. 1/4 der Milch in einem Gefäß lauwarm werden lassen. Die restliche Milch vom Herd nehmen und die Butter hineingeben.
  2. Mehl, Salz, Staubzucker (bis auf einen Teelöffel!) und Zimt in einer Schüssel mit einer grobzackigen Gabel vermischen.
  3. In die lauwarme Milch den Germ und den TL Staubzucker geben und verrühren, bis der Germ sich aufgelöst hat. (Funktioniert genauso mit Trockengerm/hefe. I Sackerl = 21 g frischer Germ)
  4. Ei verquirreln
  5. Germmilch, “Buttermilch” und Ei zur Mehlmischung geben und verkneten, bis sich der Teig von der Schüssel löst. (mit unlackierten Nägeln)
  6. Schüssel mit Tuch bedecken und an einem warmen Ort 30 Minuten ruhen lassen.
  7. Teig noch einmal kurz durchkneten, ausrollen und mit der Butter bestreichen.
  8. Zucker mit Zimt und Kardamom mischen und gleichmäßig auf dem Teig verteilen.
  9. Von der Längsseite her aufrollen und mit einem Messer in Stücke schneiden. Wirklich schneiden, nicht reißen, sonst endet das in Tränen.
  10. Die Schneckenstücken auf ein Blech mit Backpapier legen (Platz zum Aufgehen lassen), etwas flachdrücken, mit einem Tuch zudecken und weitere 30 Minuten gehen lassen.
  11. Ofen auf 250 Grad Ober-Unterhitze vorheizen.
  12. Schnecken ca. 8 – 10 Minuten backen und mit einem Tuch bedeckt auf einem Gitter auskühlen lassen.

Gutes Gelingen!

Steht euer Sommerurlaub noch an? Wart ihr schon einmal in Schweden?

 

Deadlines und Wordcount: Sinn und Unsinn

Man kann kaum ein Gespräch mit einer Autorin führen, ohne dass entweder das Wort Deadline oder Wordcount fällt. Gut, man bekommt auch oft Sachen wie Ich denke, ich bringe ihn einfach um zu hören.

Aber Wordcounts und Deadlines bestimmen den Autorinnenalltag:

Mein Verlag will noch 30 Seiten. – Ich muss die Szene bis Dienstag fertig haben.- Sind 60.000 Worte für YA zu viel oder zu wenig? – Oh Gott, ich schaffe das nie bis August!

Nur wer wirklich nur für sich schreibt, bleibt davon verschont. Doch spätestens wenn ein Testleser im Spiel ist, sieht die Sache anders aus. Denn die anderen Menschen stehen einem nicht 24/7 zur Verfügung und richten ihr Leben kaum nach dem persönlichen Zeitplan aus. (Ich weiß, ich weiß, ich finde das auch eine Frechheit.)

Doch gerade beim Schreiben sind Wordcounts wie Deadlines so eine Sache.

Denn ich kann mir alle Deadlines und Wordcountziele der Welt setzen: Der kreative Prozess lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad erzwingen. Irgendwann ist Schluss, die Muse bockt und der Wordcount/dieDeadline wird entweder nicht erreicht, oder aber das Manuskript ist nicht das, was es werden sollte.

Das klingt ein bisschen nach einer Ausrede, nicht wahr? Ich wollte ja fertig werden, aber ach, die Muse, die Muse! *sinkt in dramatischer Pose auf den Diwan nieder*

Doch es geht mir hier nicht darum, Ausreden dafür zu finden, warum man Deadlines nicht einhalten konnte oder das Buch immer noch nicht erschienen ist. Davon hat schließlich niemand was, am wenigsten der betroffene Autor.

Im Gegenteil, es geht mir darum herauszufinden, wie man Wordcounts und Deadlines so einsetzt, dass sie einem helfen. Denn eines sei hier gleich festgehalten: Es gibt einen Grund, warum sie das Autorenleben bestimmen.

Ohne Deadlines kann man weder mit Testlesern noch Lektoren sinnvoll zusammenarbeiten. “Irgendwann dann” ist nicht gerade eine stichhaltige Antwort, wenn die Betaleserin wissen will, wann sie mit dem Text rechnen kann. Und irgendwie muss man ja auch den Fortschritt messen können, um zu sehen, wo man bei dem Manuskript steht. Der Wordcount bietet sich da an und, Hand aufs Herz, wer von uns ist von NaNoWriMo nicht darauf trainiert, ihn sich als Ziel zu setzen? (Nichts gegen NaNo – ich freue mich jedes Jahr darauf.)

Aber was, wenn man sich nun brav Deadlines und Wordcountziele gesetzt hat und feststellt, dass einen das nicht produktiver macht? Schlimmer noch, wenn es einen demotiviert? Bei allen funktioniert es und was eine richtige Autorin ist, hat Wordcountziele! Tägliche! Und wenn es einen umbringt!

Wie sinnvoll die täglichen 500/1000/2000 Worte sind, wird manchmal gar nicht mehr hinterfragt und das ist der Punkt, an dem ich eben einhaken möchte.

Grundsätzlich gilt wie immer: Ihr kennt euch selbst am besten. Doch oft traut man sich gerade am Anfang nicht, sich keine Wortziele zu setzen. Oder Deadlines. Noch einmal, der Post soll keine Ausreden zum Nichtstun bieten. Er soll euch einfach dazu einladen, euch anzusehen, ob die Art wie ihr aktuell eure Wordcount/Deadline-Ziele setzt für euch auch hilfreich ist.

Nicht alle Autorinnen sind gleich, um nicht zu sagen, man trifft selten eine Gruppe Menschen, die so unterschiedlich das Gleiche tun.

Ich habe über die Jahre für mich und die Art, wie ich funktioniere, viel falsch gemacht: Unerreichbare Deadlines, sinnlose Wortziele und der Ausgang war immer der gleiche: Ich war frustriert, weil ich an meinen Zielen gescheitert bin, habe mir noch strengere Ziele gesetzt oder das Manuskript Monate liegen lassen und mich grundsätzlich sinnlos gestresst, weil ich nicht schreibe, zu wenig schreibe etc etc.

Aber schauen wir uns die berüchtigten Wordcounts und Deadlines einfach näher an.

Wordcounts

Das Gute

  1. Man sieht auf einen Blick, was man geschafft hat und wie viel noch zu tun ist (auch wenn das zum Teil trügt, doch dazu später)
  2. Es ist eine klare Maßeinheit und wir Menschen mögen das. “Eine Szene” kann viel sein, aber an 500 Wörtern lässt sich nicht rütteln.
  3. Sie sind wichtig, da vom fertigen Buch je nach Genre eine gewisse Länge erwartet wird. Wörter zeigen die nackten Tatsachen: 300 Seiten können je nach Seitenformat, Schriftgröße und -art alles sein, aber 70.000 Worte sind 70.000 Worte.

Das Schlechte

  1. Sie können einen täuschen. Gut, das tägliche Wortziel ist erreicht, aber wenn davon die meisten Wörter sinnlose Beschreibung oder überflüssige Adjektive sind, bliebt davon nicht viel über. Schon klar, auch kleine Schritte sind Schritte und zumindest hat man geschrieben, aber in gewissen Phasen sind sie kein guter Anhaltspunkt dafür, zu sehen was man geschafft hat.
  2. Sie verleiten dazu, Blödsinn zu schreiben, nur um das Wortziel zu erreichen. (NaNo anyone?) Oder bin ich die einzige, die sich dabei ertappt hat, Sätze zu schreiben, von denen ich beim Tippen schon wusste, dass sie wieder fliegen werden? Und ja, für mich ist es ein Unterschied, ob ich einen miesen Übergang schreibe, weil ich einfach einen Platzhalter brauche oder ob ich eine Szene in den Text hineinwürge, um den täglichen Wordcount zu erreichen.

Wann sind Wordcounts also eine gute Sache?

Ich persönlich setzte mir Wordcountziele, wenn ich die Rohfassung schreibe. Beim Überarbeiten, wo ganze Szenen fliegen, depremiert mich das sonst viel zu sehr. Obwohl Scrivener brav die Worte zählt (und die gelöschten wieder abzieht *grummel*), benütze ich dafür eine App und zwar

Writeometer (nur Android): Man kann sich ein Tages- und ein Gesamtziel setzen und anhand der Deadline berechnet die App auch den nötigen täglichen Wordcount, um das Ziel zu erreichen. Und erklärt einem mit traurigem Gesicht, dass man drei Wochen später als geplant fertig ist, wenn man sein Schneckentempo beibehält. Ein Alarm erinnert einen ans Schreiben und es gibt sogar ein integriertes Belohnungssystem, wo man für sich selber eintragen kann, womit man sich wann belohnen möchte.

Die Rohfassung ist die einzige Phase, wo ich darauf achte, wie viele Wörter ich schreibe und wie viele ich noch brauche, um rechtzeitig fertig zu sein. Ab dann lasse ich den Wordcount links liegen, weil er mir persönlich dann keine brauchbare Information mehr liefert.

Bei den Überarbeitungen setzte ich mir dann Ziele wie “Kapitel/Szene überarbeiten” oder auch “Szene X” schreiben (ohne Wortanzahl). Da arbeite ich dann ausschließlich mit meinem Whiteboard, wo jede Szene ihre Karteikarte bekommt.

Klingt logisch (hoffentlich zumindest?), aber ich habe lernen müssen, den Wordcount ab einem gewissen Zeitpunkt zu ignorieren.

Deadlines

Manche bekämen ohne sie gar nichts auf die Reihe (“Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe”), andere gehen in dem Abgabestress richtig auf und wieder andere sehen sie als notwendiges Übel, das vor allem von den Kollegen nie eingehalten wird.

Das Gute

  1. Sie machen Druck. Sie sorgen dafür, dass wir in die Gänge kommen und Sachen fertig werden.
  2. Sie organisieren uns. Lektorinnen und Korrektoren wissen, wann der Text auf ihrem Schreibtisch landet, Autorinnen, wann die Fassung vom Testleser zurückkommt. Nur so können Verlage ihr Programm planen und Indieautoren rechtzeitig Slots bei dem Lektor ihrer Wahl buchen.
  3. In einer idealen Welt sorgen sie für einen reibungslosen Ablauf, vor allem bei Projekten, wo mehrere Menschen/Stellen aufeinander angewiesen sind.

Das Schlechte

  1. Sie machen Druck. Manchmal so viel Druck, dass er uns lähmt und wir der Deadline entgegenstarren, wie einem entgegenkommenden Zug.
  2. Eine nicht eingehaltene Deadline sorgt bei zu knapper Planung für einen Dominoeffekt. Da kann man dann zusehen, wie die sorgsam geschmiedeten Pläne nacheinenander umfallen und manche Gelegenheiten auf Nimmerwiedersehen von der Tischkante purzeln. Gut, da kann die arme Deadline nichts dafür. Aber es sei hier trotzdem erwähnt.

Lasst mich gleich an den letzten Punkt anknüpfen: Plant eure Deadlines flexibel! Das heißt, genug Pufferraum, für den Fall, der 100% eintreten wird und der da heißt: Das Leben.

Ihr werdet krank. Das Kind vom Testleser wird krank. Die Designerin lässt sich scheiden. Euer Mail landet im Spam. Die Betaleserin ist AWOL. Euer Laptop gibt den Geist auf. Der Hund frisst die Fahnen.

Mich persönlich machen flexible Deadlines übrigens wahnsinnig. Wie zum Teufel soll ich mein Jahr planen, wenn ich nicht auf die Sekunde weiß, wann was wie fertig ist? *tiefes Atem* Ich weiß auch nicht recht, wo ich mir diesen Persönlichkeitzug eingetreten habe, aber ja, Kontrollzwang, hallo. *winkt* (Der beschränkt sich interessanterweise auf das Schreiben. Ansonsten operiere ich im “Jo mei” Modus.)

Das hat bei mir übrigens auch dafür gesorgt, mir völlig wahnsinnige Deadlines zu setzten, weil immerhin: 10.000 Worte sind nur 2000 pro Tag, sind so 2 Stunden – das wird doch wohl zu machen sein. Na da gehen sich dann doch so 4 Bücher aus, locker und – wie war das? Überarbeitung lässt sich nicht so planen? Lachhaft!

Tatsächlich sind die Überarbeitungen die Schritte, wo meine Planung auseinanderfällt. Jedes.verdammte.Mal. Mittlerweile habe ich begriffen, dass ich mir dafür sehr viel Zeit einräumen muss und ignoriere das Zähneknirschen von meinem Kontrollmonster. Beim Überarbeiten entsteht die Geschichte erst so richtig, ich muss manche Szenen Tage, andere Wochen liegen lassen, bis sich der Knoten löst und DIE Idee da ist, die sich so organisch in den Text einfügt, dass es gar keine andere sein könnte.

Aber das kann man eben nicht planen. Oder ich nicht. Auch wenn ich mir gerne “DI 10 -11:30: Geniales Plotelement” im Kalender notieren würde.

Also setze ich die Deadline immer äußerst großzügig an. Allerdings nicht in so weiter Ferne, dass sich dazwischen auch ein Inselurlaub ausgeht. Und ich fühle rechtzeitig vor, wie es denn bei meinen Alphalesern/meiner Lektorin zeitmäßig aussieht.

Meine Jahresplanung ist also sehr schwammig. Die Deadline für die Rohfassung ist das einzig fixe. Ab dann arbeite ich in mit “ca. 3 Wochen” “hoffentlich bis Ende Juni”, auch wenn mein Kontrollzwang sich weinend in der Ecke hin und her wiegt.

Denn ich habe einfach gelernt, dass ich mich anders nur nutzlos aufreibe. Meinen planungsliebenden Teil versuche ich mit bunten Tabellen so halbwegs bei Laune zu halten und fahre damit um Welten besser als bei meinen verbissenen Versuchen, die Arbeitsweise anderer Autoren nachzuahmen.

Deswegen gerade für die, die noch nicht so lange schreiben: Klammert euch nicht an “den einen Plan” von Bestsellerautor XY oder den Ratgeber Z. Habt den Mut auszuprobieren, was für euch funktioniert. Wie schreibt ihr ganz ohne Deadlines? Arbeitet ihr besser, wenn ihr euch wöchentliche Zeitziele statt täglicher Wortziele setzt? Oder nur mit Szenen und Kapiteln als “Maßeinheit” arbeitet? Braucht ihr den Deadlinedruck oder werdet ihr ohne ebenso pünktlich fertig?

Die Zeit zu investieren um herauszufinden, wie man selber tickt, bringt mehr, als sich komplett zu verbiegen, nur um dem Ratgeberplan F folgen zu können.

Wie geht ihr mit Deadlines und Wordcounts um? Helfen sie euch oder stressen sie eher?

 

Prokrastination und 3 Dinge, die man dagegen tun kann

Über (fehlende) Motivation und Prokrastination gibt es unzählige Blogbeiträge, Bücher und Seminare. Da ich aber in letzter Zeit mit auffallend vielen AutorInnen über Prokrastination geredet habe (und ausnahmsweise nicht über meine! Ha!), dachte ich, ich gebe zu dem Thema auch hier meinen Senf dazu. Die meisten (alle?) Lösungswege, die ich hier erwähne, werdet ihr mit Sicherheit schon kennen, aber ich bin sehr gespannt auf eure in den Kommentaren 🙂

Ursachenforschung

Ich werde mich hier nicht über Sinn und Unsinn des Prokrastinierens auslassen, fest steht, dass wir es alle tun. Und es uns nicht hilft, wenn uns versichert wird, dass es zum kreativen Prozess gehört, nicht wenn die Deadline sich schon kaltlächelnd über uns beugt und wir uns am liebsten vor ihr unter dem Sofa verstecken würden. (Wo wir allerdings unsere Motivation treffen könnten, einen Versuch wäre es also durchaus wert.)

Wir haben Deadlines, wir müssen schreiben, auch wenn wir aktuell lieber die Buchhaltung machen oder die Wohnung tiefenreinigen.

Der erste Schritt für mich ist immer herauszufinden, warum ich prokrastiniere. In 80% der Fälle liegt das Problem beim Text, genauer, bei einem Problem, das ich mir noch nicht eingestehen will: Ich habe mich in ein Eck geschrieben, ich spüre, dass ein Charakter nicht funktioniert, ich bin über ein Logikloch gestolpert, das das ganze Buch zerlegt, oder aber ich will nicht schon wieder eine verdammte Kampfszene schreiben, weil die schwer sind und ich sie hasse. (Schlimmer sind nur Sexszenen. Generell alles, wo sich Leute gleichzeitig bewegen -.-)

In den Fällen hilft es mir, mich mit Zettel und Stift (kein PC) hinzusetzen und das Problem zu lösen. Bis auf die Kampfszenen, da muss ich dann halt durch. Und meine arme Lektorin auch.

Manchmal sind es auch ganz doofe Gründe, wie, dass ich nicht aufhören will, Musik zu hören und auf die Buchplaylist zu wechseln. Okay, dann schreibe ich halt mit anderer Playlist, ist ja kein Problem? (Ehrlich, meine Psyche manchmal… bis ich da dahintergestiegen bin.)

Und manchmal, ja manchmal bin ich von der Woche auch einfach erschlagen und wenn ich auf meine ToDo-Liste schaue, hab ich das Bedürfnis davonzulaufen und unter neuem Namen Automechanikerin zu werden. Oder eine Bar in der Karibik aufzumachen. Und das ist okay, ich habe mir mittlerweile eingeräumt, mich überfordert fühlen zu dürfen. Dann gibt es eine bewusste Auszeit mit netten Sachen, bis ich nicht mehr in ein Kissen schreien und mein Gewicht in Schokolade essen will.

Herausfinden, warum man nicht anfangen will, ist auf jeden Fall einmal der Anfang. Wenn sich dann herauskristallisiert, dass es eigentlich kein Problem gibt, dass man genau weiß, was man schreiben will und es nur einfach nicht über sich bringt, anzufangen, dann helfen mir diese dreiTechniken.

Nur 10 Minuten

Wenn man keinen Bock hat, ist es kontraproduktiv sich selber mit Plänen wie “Am Samstag/heute Abend schreibe ich dann mindestens drei Stunden!” zu bestrafen motivieren. Bei mir zumindest.

Klar, unter einer stressigen Woche beruhige ich mein Gewissen damit, dass ich eh das ganze Wochenende zum Schreiben habe. Nur vergesse ich ganz gerne, dass mich mein Brotjob eben  Kraft kostet und ich das Wochenende zum Erholen bräuchte. Auch wenn ich das Autorinnenleben liebe: Es macht keinen Spaß mit ellenlanger To-Do Liste ins Wochenende zu starten, wenn man eine Höllenwoche hinter sich hat.

Zu 10 Minuten Schreiben kann man sich aber fast immer zwingen. (Ja, manchmal muss ich mich zum Schreiben zwingen. Ich gehöre nicht zu den AutorInnen, die jeden Tag ihres Lebens vor Motivation sprühend in die Tasten hauen.) Also greife ich zu Trick 17: Den Wecker stellen und 10 Minuten nur schreiben. Das Handy wird dabei sicherheitshalber aus der unmittelbaren Reichweite verbannnt.

Wichtig dabei: Sich an die eigenen Abmachungen zu halten. Nur 10 Minuten heißt nur 10 Minuten. Wenn ich dann weitermachen will – super. Wenn ich nach 10 Minuten immer noch keinen Bock habe – auch okay, immerhin 10 Minuten wurde geschrieben. Diese Dauer war abgemacht, also darf ich den Rest des Sonntags YouTube schauen oder Staubfusel zählen, no judgment.

Pomodoro

Die gute alte Tomatentechnik. Im Wechsel immer 25 Minuten arbeiten und 5 Minuten Pause machen. Dafür gibt es mittlerweile sogar schon Apps. Schaut euch um, wenn ihr gerne mit Apps arbeitet. Zu der Pomodoromethode greife ich meistens, wenn ich einfach Text schaffen muss und mir zähneknirschende 10 Minuten nichts bringen. Manchmal beginne ich auch mit den 10 Minuten und wechsel dann zu Pomodoro, je nachdem, wie es läuft.

Minuten aufschreiben

Mein allerletztes Mittel, wenn ich einfach nicht in die Gänge komme: Ich schreibe auf, womit ich minütlich die Zeit verbringe, wenn ich eigentlich schreiben wollte/sollte/müsste. Zwei Minuten auf Twitter? Notiert. 5 Minuten Wasser geholt/aus dem Fenster geschaut? Notiert. Ich habe leider (?) keine “Liste der Schande” mehr hier herumfliegen, die ich euch zeigen könnte, aber glaubt mir: Die sind ein Tritt in den Hintern. Wenn ich sehe, womit ich Stunden verschwende, anstatt endlich zu schreiben – ja, dann komm ich in die Gänge. Denn ich WILL dieses Leben ja, ich WILL meine Bücher schreiben und vielleicht irgendwann davon leben – und das wird es nicht spielen, wenn ich nichts mache.

Mit diesen drei Strategien rücke ich meiner Prokrastination zu Leibe. Was macht ihr?